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Zustellung neu gedacht

Gute Logistikkonzepte für die letzte Meile sind Gold wert. Mit der richtigen Idee können Logistiker den ökologischen Fußabdruck verkleinern und bares Geld sparen. Die schwäbische LGI hat jetzt mit Pakadoo ein spannendes Konzept auf den Weg gebracht.

Nachhaltige Lösungen für die letzte Meile stellen häufig ausgeklügeltes technisches Equipment in den Mittelpunkt. Manchmal genügt dazu allerdings auch eine gute Idee und das richtige Händchen bei der Umsetzung. „Pakadoo Work-Life Logistics“ ist ein kreatives und ausgereiftes Logistikkonzept, das als Referenz für künftige Modelle in der Zustellung dienen könnte.

Die Idee selbst ist vergleichsweise einfach. Pakadoo ist im Prinzip dazu ausgelegt, einem Arbeitnehmer die im Online-Handel bestellten Waren beim Arbeitgeber zur Abholung zur Verfügung zu stellen. Das Geschäftsmodell funktioniert natürlich nur mit der richtigen Software und sauberen Prozessen für IT und Vertrieb.

Insgesamt kann das Konzept von Pakadoo den ökologischen Fußabdruck in der Paketzustellung reduzieren, die Zufriedenheit der Arbeitnehmer verbessern und einem Unternehmen dabei helfen, sich den Mitarbeitern als attraktiver Arbeitgeber zu empfehlen.

Pakadoo ist ein so genanntes Corporate Start-up des zur schwedischen Elanders Gruppe gehörenden Logistikers LGI (Logistics Group International GmbH) mit Hauptsitz in Herrenberg in Baden-Württemberg. Die Schwaben haben die Idee zu einem digitalen Service fürs Empfangen und Retournieren von Privatpaketen am Arbeitsplatz an eine kleine Gruppe von Entwicklern im Unternehmen ausgegliedert.

Das bereits im Frühjahr mit dem renommierten LEO Award ausgezeichnete Projekt basiert auf der Prämisse, dass der Online-Handel hierzulande weiter zunimmt. Die Internet-Shops sind darauf angewiesen, dass ihre Kunden das bestellte Produkt direkt, schnell und zuverlässig erhalten. Für einen Logistiker ist demnach die erfolgreiche Erstzustellung ein entscheidendes Kriterium für die Güte seiner Dienstleistung.

Die Adresszustellung ist bislang der Königsweg für jeden Zusteller. Trifft er jedoch den Empfänger nicht vor Ort an, hat der Paketlieferant ein Problem. Schließlich kostet ihn jeder weitere Zustellversuch bares Geld. Eine Alternative zur Adresszustellung ist der Paketshop. Das Modell kann bei einem dicht geknüpften Netz gut funktionieren. Im anderen Fall ist diese Form der Zustellung mit Frust beim Kunden verbunden, wenn die Wege zum Paketshop zu lang sind.

Pakadoo geht jetzt einen anderen Weg. Der Ansatz kombiniert die Vorteile der Adresszustellung mit denen des Paketshops. Die Sendungen werden nämlich dorthin geliefert, wo sich der Empfänger den größten Teil des Tages aufhält: an die Adresse des Arbeitgebers. Der richtet für Empfang und Ausgabe der Mitarbeiterpakete einen speziellen Pakadoo Point ein. Als Standorte kommen dafür zum Beispiel Poststelle, Empfang und Wareneingang in Frage.

Herzstück von Pakadoo ist die eigens entwickelte App, mit der sich die privaten Pakete scannen und verwalten lassen. Der Mitarbeiter im Pakadoo Point nimmt die Sendungen für die Arbeitnehmer entgegen und scannt sie mit Hilfe von Smartphone und App. Der Empfänger erhält dann automatisch eine Empfangs-Mail mit QR-Code. Damit und mit einer persönlichen PIN kann er das Paket dann zu den vom Arbeitgeber festgelegten Zeiten abholen. Ist eine Retoure nötig, kann der Mitarbeiter das mit dem Retourenlabel versehene Paket am Pakadoo Point abgeben, wo es dann später vom Zusteller wieder übernommen wird.

Die Nachhaltigkeit des Modells liegt auf der Hand. Wenn in einem Unternehmen fünf Menschen arbeiten, die im Online-Handel eine Bestellung aufgegeben haben, würde das normalerweise fünf verschiedene Fahrten der Zusteller sowie unter Umständen weitere Zustellversuche zu den einzelnen Adressen bedeuten. Durch die Bündelung der Privatpakete ist jetzt für alle Adressaten nur noch eine Fahrt, nämlich zum gemeinsamen Arbeitgeber nötig. Die Arbeitnehmer können sich daher das Arrangement zur Paketannahme mit dem Nachbarn ebenso sparen wie den Weg zum Paketshop. Mit Pakadoo liegt die Zustellquote theoretisch bei 100 Prozent. Dazu kommt ein handfester Umwelt-Bonus: weniger CO2-Emissionen und weniger Verkehr.

Pakadoo eignet sich vor allem für Unternehmen, die mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigen. Bislang nutzen in Deutschland Kunden wie Hewlett-Packard, DB Services, IBM und die Paul Hartmann-Gruppe mit insgesamt rund 27.000 Beschäftigten den Lieferservice. Dass LGI sein Modell für Adressaten und Unternehmen kostenlos zur Verfügung stellt, ist natürlich ein kluger Schachzug, der die Akzeptanz von Pakadoo befördern dürfte. Geld verdient LGI, indem sie einen Obolus von den Zustellunternehmen verlangt. Die sparen schließlich Personal, Equipment und fixe Kosten, wenn die Pakete zuverlässig in der Erstauslieferung landen.

Text: Joachim Geiger // Bild: Natalia Merzlyakova – Fotolia

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admin

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