Die vorherigen Kapitel beschreiben Trends, die für die Logistik der letzten Meile in zweierlei Weise von Bedeutung sind. Erstens beeinflusst der zu beliefernde Endkunde bzw. Empfänger von Waren maßgeblich die Zielrichtung der Gestaltung der Verkehre auf der letzten Meile, und zweitens verändern verschiedene Entwicklungen die Rahmenbedingungen und damit die Möglichkeiten zur Gestaltung der Verkehre auf der letzten Meile. Es liegt nun an Logistikunternehmen, die Ansprüche der Warenempfänger möglichst gut zu erfüllen und zugleich die veränderten Rahmenbedingungen einzuhalten.

Transportdrohnen bergen das Potential als zukünftiges Werkzeug für die letzte Meile in dünn besiedelten Regionen. Die Abdeckung entsprechender rechtlicher und sicherheitstechnischer Aspekte jedoch vorausgesetzt.
Prof. Dr. Wilfried Sihn, Geschäftsführer, Fraunhofer Austria

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Die Paketzustellung in der Stadt wird sich revolutionieren, dabei werden autonome Zustellroboter eine entscheidende Rolle spielen, Drohnen sehe ich hier weniger im öffentlichen Raum, sondern eher in Logistikhalle im Einsatz.
Prof. Dr. Boris Zimmermann, Professor für Logistik, Hochschule Fulda

Diverse Trends (sowohl aus Sicht der Empfänger wie auch aus Sicht der Rahmenbedingungen) erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf die Dienstleister. Die Möglichkeiten der Logistikdienstleister diesen Druck in Form höherer Preise oder Zuschläge an die Auftraggeber und damit wirtschaftlich an die Warenempfänger durchzureichen, waren in der Vergangenheit begrenzt und sind dies aktuell ebenfalls. Sollte sich also in den kommenden Jahren kein drastischer Sinneswandel vollziehen und substanzielle Zahlungsbereitschaften aktivieren, bedeutet dies, dass die letzte Meile vor dem folgenden Zielkonflikt steht:

  • Steigerung der logistischen Leistungsqualität; das heißt Erbringen höherqualitativer Services, die Kunden/Empfänger verlangen, und Berücksichtigen anspruchsvollerer Rahmenbedingungen, welche die Planung und Ausführung der Transporte auf der letzten Meile verkomplizieren.
  • Fehlende Möglichkeiten, die zur Produktion höherer Qualität anfallenden Kosten 1:1 durch höhere Preise weitergeben zu können.
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We, Starship Technologies, see us as a new last mile delivery service, not just a robot vendor, and we will operate our own service as well as services together with licence partners owning and hosting our robots.
Allan Martinson, COO Starship Technologies

Um dem durch strengere Rahmenbedingungen und anspruchsvollere Kundenanforderungen absehbaren Kostenauftrieb Herr werden zu können, haben Logistiker der letzten Meile daher nur den Ausweg, sich technischer Innovationen zu bedienen. Diese sind entweder technisch notwendig, um beispielsweise Schadstoffemissionen oder Geräuschbelastungen zu mindern, oder wirken dem Kostenanstieg durch verbesserte Produktivität entgegen. Aus diesem Grund werden im Folgenden verschiedene technische Trends diskutiert, deren Marktreife und Relevanz für die letzte Meile bereits heute absehbar sind und für die eine besondere Relevanz mit Blick auf 2030 erwartet werden kann:

  • die fortschreitende Digitalisierung,
  • das Internet der Dinge,
  • die zunehmende Verbreitung additiver Fertigungsverfahren („3D-Druck“),
  • der Einsatz unbemannter Flugobjekte („Drohnen“),
  • der Einsatz automatisierter Zustellroboter,
  • der batterie-elektrische Antrieb für Zustellfahrzeuge,
  • die Möglichkeit, Fahrzeuge fahrerlos und autonom fahren zu lassen.

Die Kundennähe ist für alternative Antriebe aufgrund ihrer Reichweite elementar wichtig.
Rainer Kiehl, Project Manager, City Logistik United Parcel Service Deutschland

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Die Zukunft liegt in der emissions- und lärmfreien innerstädtischen Belieferung. Die großen deutschen LKW-Hersteller haben die Chance der reinen E-Mobilität vertan und dies dem Mittelstand überlassen. Stattdessen hat man sich auf den Hybridantrieb konzentriert, der aber nicht zum endgültigen emissionsfreien Güterverkehr führt.
Robert E. Orten, Geschäftsführer, Orten Electric Trucks

Für jeden dieser Trends werden besondere Berührungspunkte zu dem aus Kapitel 1 und 2 gewonnenen Zielsystem dargestellt und vor dem Hintergrund der Anwendung in Metropolen, Mittelstädten und ländlichen Gebieten diskutiert. Dabei werden zunächst Faktoren herausgearbeitet, die den Einsatz einer bestimmten Technik besonders begünstigen oder behindern können. Im Fokus stehen weniger technische Details als vielmehr, welche Fragen auf Logistik und Gesellschaft zukommen, wenn bestimmte Techniken auf der letzten Meile ankommen.

Es stellt sich nicht die Frage, ob das Autonome Fahren Realität wird, sondern nur wann es gesellschaftlich akzeptiert und politisch hinreichend reglementiert ist.
Dr. Karl Pfaff, Director Sales Development, General Logistics Systems Germany GmbH & Co. OHG

Das komplette dritte Kapitel können Sie im pdf weiterlesen.

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