Auswirkungen der Verkehrsentwicklung auf den Straßengüterverkehr

Alle relevanten Verkehrsprognosen gehen davon aus, dass der Güterverkehr weiter wächst. Große Verschiebungen im Modal Split werden aber ausbleiben. Hieraus ergeben sich für die Transportbranche einige Herausforderungen – und um diese meistern zu können, müssen die Stärken aller Verkehrsträger genutzt und im Sinne der Co-Modalität miteinander kombiniert werden. Es wird zukünftig nicht um das Zurückdrängen eines Verkehrsträgers gehen, sondern um die Frage, wie eine möglichst sinnvolle und intelligente Gestaltung des Güterverkehrs das prognostizierte Wachstum bewältigen kann.

Image und wirtschaftliche Relevanz des Transportsektors

Die Überlastungen des Straßennetzes spielen vor dem Hintergrund der Wachstumsprognosen im Güterverkehr eine immer größere Rolle. Der Lkw ist öffentlich exponiert, da allgegenwärtig. Deshalb wird ihm in der Öffentlichkeit auch weitgehend eine wesentliche Verursacherrolle hinsichtlich der Überlastung des Straßennetzes zugeordnet. Tatsächlich ist der Anteil des Lkw an der Überlastung der Straßeninfrastruktur geringer als oft vermutet.

Die Bedeutung des Güterverkehrs für die Gesellschaft und seine Relevanz für die Wirtschaft sind in der Gesellschaft oft nicht bekannt. Es fehlt vor allem an der Einsicht, dass die gesellschaftlichen Konsumgewohnheiten für die Ausprägung unserer Logistiksysteme verantwortlich sind. Das Image der Branche ist schlecht: Die Schere zwischen Leistungsfähigkeit und Image geht weit auseinander. In der Beseitigung dieser Intransparenz und einer intensiveren Kommunikation der Leistungsfähigkeit des Transportsektors liegt ein wesentlicher Ansatzpunkt zur Verbesserung seiner Reputation und Erhöhung des Stellenwertes der Logistik.

Während Deutschland insgesamt auf einem guten Weg ist, das Reduktionsziel der Kyoto-Konferenz zu erreichen, wobei die Treibhausgasemissionen bereits um gut 20 % gesenkt werden konnten, haben die Treibhausgasemissionen im Güterverkehr noch zugenommen. Vor dem Hintergrund der politischen Gewichtung des Klimawandels lässt sich allein aus dieser Tatsache ableiten, dass der Güterverkehr, speziell der Straßengüterverkehr, zukünftig stärker in den Fokus politischer Maßnahmen und gesellschaftlich unter Druck geraten wird. Die „Grüne Logistik“ wird daher als eine wesentliche Herausforderung der Zukunft für die Branche gesehen.

Großes Optimierungspotenzial an System-Schnittstellen

Den größten Optimierungsbedarf an Schnittstellen in Logistiksystemen gibt es an der Rampe. Alle anderen Abstimmungs- und Synchronisationsbedarfe fallen demgegenüber deutlich ab. Die Wartezeit, welche an Rampen durch die Fahrzeuge verbracht wird, stellt hingegen eine (durchaus vermeidbare) Verschwendung von Ressourcen dar.

Technische Entwicklungsbereiche des Lkw

Im Fernverkehr dürfte auf absehbare Zeit der konventionelle Dieselmotor weiterhin dominieren. Bis 2025 sehen Experten im Nah- und Regionalbereich auch andere Antriebsalternativen. Es ist derzeit noch nicht erkennbar, welche Technologie sich langfristig durchsetzen wird. Im Bereich Komfort wird eine zunehmende Berücksichtigung der Interessen des Fahrpersonals bei der Entwicklung der Fahrzeuge erwartet. Dies betrifft sowohl die Hochwertigkeit der Ausstattung als auch die Möglichkeiten zur Kommunikation für das Fahrpersonal. Bezüglich der Entwicklung der höchstzulässigen Maße von Lkw ist davon auszugehen, dass zukünftig längere Fahrzeugeinheiten zu beobachten sind. Dies muss allerdings nicht mit einer Vergrößerung der Lademaße einhergehen.

Größte Herausforderung: die Folgen des demografischen Wandels

Der Bevölkerungsrückgang in Deutschland wird Konsequenzen für den Straßengüterverkehr haben: Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 67 Jahren wird in Deutschland bis 2060 voraussichtlich um ein Drittel sinken. Gleichzeitig ziehen mehr Menschen in die Städte bzw. in deren Randbereiche. Für die Logistik ergeben sich hieraus unterschiedliche Konsequenzen. Insbesondere wird eine weiter wachsende Bedeutung des E-Commerce erwartet.

Die bedeutendste Entwicklung für die Transportbranche ist aber der sich abzeichnende und bereits spürbare Fachkräftemangel: vor allem der Fahrermangel wird die zentrale Herausforderung der Zukunft, insbesondere weil das Transportgewerbe im Vergleich zu anderen Branchen vom Fachkräftemangel und vom demografischen Wandel in besonderer Weise betroffen sein wird. Dies lässt sich auf das bereits angesprochene Image der Branche, aber auch auf die Vergütung der Mitarbeiter und die Arbeitsbedingungen zurückführen.

Berufsbild „Kraftfahrer“ aus Fahrersicht

Die starke zeitliche Belastung, viele Unterwegszeiten mit schlechter Versorgung, fehlende Möglichkeiten, Kontakt mit dem sozialen Umfeld zu halten, fehlende Entwicklungsperspektiven sowie die Behandlung des Fahrpersonals durch Auftraggeber und Disponenten sind die Gründe, aus denen der Beruf des Kraftfahrers wenig attraktiv ist. Vor allem die geringe Vergütung des Fahrpersonals wird neben dem Image als wesentlicher Grund für die aktuelle Nachwuchssituation verantwortlich gemacht.

Wichtigste Motivation für die Berufswahl ist der Spaß am Fahren

Der mit Abstand am häufigsten genannte Grund für die Berufswahl Kraftfahrer ist der Spaß am Fahren. Dies lässt auf eine grundsätzlich vorhandene intrinsische Motivation bei den meisten Kraftfahrern schließen. Fehlende Alternativen bei der Berufswahl geben nur für einen geringen Teil der Fahrer den Ausschlag. Auch beim Nachwuchs dominiert der Spaß am Fahren. Die Berufseinsteiger stellen sich als Elemente eines abwechslungsreichen Berufsalltags zudem das Vorliegen einer interessanten Tätigkeit, die Möglichkeit, relativ selbständig zu agieren, sowie die Aussicht, andere Städte und Länder kennen zu lernen, vor. Die Tätigkeit als Berufskraftfahrer bietet aus Sicht des Nachwuchses eine sichere Erwerbsperspektive, aber auf einem niedrigen Niveau. So verbinden die angehenden Berufskraftfahrer mit ihrem zukünftigen Beruf auch kaum Entwicklungsperspektiven.

Was macht Lkw-Fahrern besonders zu schaffen?

Die größten Stressfaktoren für Berufskraftfahrer sind enge Baustellenabschnitte mit überholenden Pkw und unvorhersehbare Wartezeiten beim Be- und Entladen. Fahrer mit weniger Berufserfahrung fühlen sich dabei gestresster als Fahrer mit langer Berufserfahrung. Berufserfahrung bringt hier also tendenziell eine gewisse Gelassenheit und Abgeklärtheit mit sich.

Ansatzpunkte für ein attraktiveres Berufsbild

Wichtigster Einflussfaktor auf die Zufriedenheit der Berufskraftfahrer ist der Einsatzbereich: Fahrer im Nahverkehr sind am zufriedensten, Fahrer im Fernverkehr am unzufriedensten. Kein eindeutiger Zusammenhang konnte hingegen zwischen der Arbeitszufriedenheit und der wöchentlichen Arbeitszeit und der Lenkzeit hergestellt werden, obwohl der Beruf des Kraftfahrers oft mit einer großen zeitlichen Beanspruchung verbunden ist. Die Arbeitssituation und die Arbeitszeiten des Fahrpersonals gelten als wenig familien- und freizeitfreundlich. Für die Fahrer ist aber gerade die Vereinbarkeit von Beruf und Familie entscheidend dafür, wie zufrieden sie mit ihrem Beruf sind. Eine Herausforderung besteht daher zukünftig in einer intelligent strukturierten Arbeitszeit für die Berufskraftfahrer, um Familie und persönliche Bedürfe besser zu vereinbaren.

Ein zentraler Ansatzpunkt ist auch eine bessere Vergütung. Allerdings wird eine höhere Vergütung allein die Nachwuchsprobleme in der Zukunft nicht lösen. Vielmehr gilt es, den Beruf insgesamt attraktiver zu machen. Neben der Vergütung ist nach Meinung der Fahrer die Verbesserung des Berufsbildes in der Öffentlichkeit der wichtigste Punkt. Die Imageverbesserung des Berufsstands wird damit für wichtiger gehalten als z. B. regelmäßigere Arbeitszeiten.

Ergänzend ist die vermehrte Ausbildung von Fahrern ebenfalls eine für erforderlich gehaltene Reaktion auf den Fahrermangel. Das Ausbilden ist allerdings für viele Unternehmen mit besonderen Herausforderungen verbunden, insbesondere aufgrund der geringen durchschnittlichen Unternehmensgrößen. Der Markt ist zahlenmäßig von Unternehmen mit höchstens fünf Fahrzeugen bzw. zehn Fahrern dominiert. Im Gegensatz zu den größeren Unternehmen bilden diese nur wenig aus.