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Zukunftsfähige Antriebe

Zukunftsfähige Antriebe

Michael Krech (links) und Stefan Russ eröffnen in Nürtingen eine Werkstatt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben.

„Wer die Welt verändern will, muss früh aufstehen“, sagte der baden-württembergische Staatssekretär für Finanzen und Wirtschaft, Peter Hofelich, gestern kurz nach 8.30 Uhr in seiner Begrüßungsrede zum Werkstattgespräch der e-mobil BW alias Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie. Das hochkarätig besetzte Treffen fand mit 150 Teilnehmern aus der Busbranche, Fahrzeugindustrie, Politik und Presse in der Omnibus World des Autohauses Karl Russ in Nürtingen statt. Der große Mercedes-Benz-Händler eröffnete eine Spezial-Werkstatt für Fahrzeuge mit alternativem Antrieb.

„Das kann man nicht einfach nur ein bisschen machen, sondern wenn wir das machen, dann richtig“,

sagt Michael Krech als Serviceleiter Bus des Autohauses vor der neuen Halle. „Das Thema wird unaufhaltsam kommen, wir haben bereits einiges an Erfahrung damit gesammelt und darauf bauen wir auf.“ Der Aufwand ist nicht gerade gering. So ist die Halle etwa mit hochsensiblen Gassensoren ausgestattet, die bei der Feststellung von geringsten Mengen Wasserstoff einen Alarm auslöst und gleichzeitig eine leistungsstarke Lüftung einschaltet. Das hochentzündliche Gas treibt sowohl Wasserstoffmotoren an und liefert auch die Energie für Brennstoffzellen-Fahrzeuge.

Auch das Personal steht bei den künftigen Antrieben vor neuen Herausforderungen. Wer als Mechatroniker an Kraftfahrzeugen arbeitet, ist in der Regel bei elektrischen Anlagen bis höchstens 60 Volt befugt, Hand anzulegen. Mancher Hybrid arbeitet jedoch mit Spannungen von bis zu 400 Volt. Ähnliches gilt für die Speicherung von Gasen, wo es darum geht mit einem Druck von bis zu 700 bar umzugehen. Doch in jeder Herausforderung liegen auch Chancen, etwa in der Aus- und Fortbildung sowie Qualifikation von Fachkräften.

Gerade im besonders emissionssensiblen urbanen Raum wird die Umstellung auf alternative Antriebe ein hohes Tempo an den Tag legen. Für den Technikvorstand der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), Wolfgang Arnold, ist das eine Selbstverständlichkeit. Nicht nur weil es EU-Vorgaben zur Luftqualität in Städten gibt, als öffentliches Verkehrsunternehmen übe man auch eine Vorbildfunktion in Sachen nachhaltige Mobilität aus, so Arnold. Bereits seit 1979 sammelt die SSB Erfahrungen mit Hybridbussen. Heute gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, alternative Antriebe passend auf die Bedingungen einer Verkehrslinie einzusetzen oder sogar zu kombinieren. So sollen im benachbarten Esslingen Busse einige Teilstrecken per Oberleitung und andere per Akkuladung bewältigen. Auf einer anschließenden längeren Gefällefahrt können Sie dann per Rekuperation einiges an Energie wieder zurückgewinnen.

Mit dieselelektrischen Hybridbussen konnte die SSB bereits bis zu 36 Prozent der Antriebsenergie durch das Bremsen zurückgewinnen und so den Diesel während 54 Prozent der Einsatzzeit ausschalten. Die sehr weitgehenden Planbarkeit des Linienverkehrs kommt der Anpassung des Antriebs natürlich sehr entgegen, weshalb es sicherlich die Linienbusse sein werden, die hier für alle anderen Fahrzeugarten einen Großteil der Entwicklungsarbeit leisten.

Welche Potenziale hier liegen verdeutlicht auch der Vergleich des Wirkungsgrades zwischen einem Dieselantrieb und einem mit Akku betriebenen Elektrofahrzeug. Laut dem Entwicklungsleiter Daimler Busse und Evobus GmbH, Gustav Tuschen sind das 33 zu 86 Prozent, „weshalb es sehr lohnend erscheint, in die Forschung an der Batterietechnik zu investieren.“ Dennoch will er sich nicht festlegen, ob die Brennstoffzelle oder der Akku das Rennen machen wird. Doch die Gesamtrichtung ist klar. In seinem Vortrag im Nürtinger Autohaus Russ prognostiziert er, dass im Jahr 2030 rund 70 Prozent der verkauften Stadtbusse lokal emissionsfrei fahren werden.

Bild: Andreas Techel

Autor
Andreas Techel

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