« | »

Wegweiser in die Zukunft


Logistik im Jahr 2030 ist ein anspruchsvolles Geschäft. Wohin die Reise in den nächsten Jahren geht, zeigt jetzt die ZF-Zukunftsstudie 2016Die letzte Meile“, die am 28. November in Berlin vorgestellt wurde. Sie analysiert Veränderungen, entwirft Prognosen und gibt Empfehlungen für eine zukunftsorientierte, nachhaltige Logistik.

Die ZF-Zukunftsstudie 2016 „Die letzte Meile“  ist gewissermaßen eine Zeitmaschine, die eine ebenso spannende wie lehrreiche Reise in die Welt der Logistik im Jahr 2030 ermöglicht. Die Spanne bis zu diesem magischen Jahr mag auf den ersten Blick kurz erscheinen. Die Veränderungen in Gesellschaft, Demografie und Technologie finden allerdings heute schon in einem atemberaubenden Tempo statt, das sich in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Die Welt der Logistik wird daher in 2030 eine andere sein als in der Gegenwart.

Die Details dieser Zukunft kann natürlich auch die ZF-Zukunftsstudie nicht benennen. Schließlich sind Recherchen, Forschungen und Analysen in Sachen Zukunft stets mit Unwägbarkeiten behaftet. Die ZF-Zukunftsstudie 2016 „Die letzte Meile“ zeigt aber mögliche Wege in die Zukunft der Logistik auf. Genau das macht sie zu einer wertvollen Lektüre für Paketdienstleister, Spediteure und Transportunternehmen. Wer eine Vorstellung hat, in welche Richtung sich die Logistik entwickelt, kann heute schon die entsprechenden Stellschrauben drehen. Das gilt für das technische Equipment, die Ausbildung der Fahrer und Zusteller, aber auch für die Kommunikation mit den Kunden.

Die ZF-Zukunftsstudie 2016 „Die letzte Meile“ zeigt deutlich, dass Logistiker auch im Jahr 2030 alle Register ziehen müssen, um erfolgreich über die Runden zu kommen. Vor allem in den großen Städten wird das Transportaufkommen überdurchschnittlich zunehmen. Treiber dieser Entwicklung sind unter anderem die Convenience- und Frischelogistik, aber auch die so genannte Same Day Delivery.

Das Mega-Thema für Logistiker ist daher in naher Zukunft der Zeit- und Kostendruck auf der letzten Meile. Sie müssen ihre Kunden mit weniger Fachpersonal schneller, effizienter und flexibler erreichen. Ihre Transporte sollen sicher, ökologisch und leise sein und das Einkaufserlebnis in der Innenstadt nicht stören. Dass die Kunden für diesen Service tiefer in den Geldbeutel greifen, ist dann nicht zu erwarten. Die Rahmenbedingungen bleiben also bis 2030 schwierig.

Trotzdem kann Logistik in naher Zukunft unter diesen Bedingungen funktionieren. Das setzt jedoch voraus, dass die Produktivität steigt. Der Schlüssel dazu sind Innovationen. Es sind technische Trends wie die Digitalisierung der Lieferkette, das Internet der Dinge und der 3D-Druck, die Logistikern neue Geschäftsfelder und Chancen eröffnen. Autonome Transportmittel und der batterieelektrische Antrieb machen innovative Fahrzeugkonzepte und neue Logistiklösungen möglich.

Andererseits, auch das zeigt die Studie, wird sich nicht jeder Trend am Ende durchsetzen. Transportdrohnen und 3D-Drucker etwa dürften auf mittlere Sicht nur in bestimmten Arbeitsbereichen zur Anwendung kommen. Gute Chancen rechnen die Autoren der Studie den Zustellrobotern in der Paketdistribution aus. Diese autonomen Systeme hätten ein Potenzial von bis zu 400 Millionen Zustellungen pro Jahr, was mehr als das Zehnfache über dem der Flugdrohnen liegt.

Eine Stärke der Studie besteht darin, dass sie nicht nur aufzeigt, wohin die Reise der Logistik auf der letzten Meile gehen könnte. Sie gibt Logistikern auch Tipps und Empfehlungen an die Hand, die dabei helfen, in einem komplexen und dynamischen Umfeld den richtigen Kurs zu bestimmen. Gerade in der Frischelogistik zum Beispiel haben in naher Zukunft Fehler in der Logistik einen großen Einfluss auf das Qualitätsempfinden der Kunden in Bezug auf das Gesamtprodukt. Die Logistiker wären daher gut beraten, in digitale Kompetenzen ihrer Mitarbeiter und Organisation zu investieren, damit die Sendungen stets dorthin gelangen, wo sich der Empfänger gerade aufhält. Auch den eigenen Subunternehmern sollten Logistiker unter die Arme greifen, wenn diese nicht über die Ressourcen für solche Anstrengungen verfügen.

Im Hinblick auf die elektromobile Logistik besteht der Studie zufolge heute schon Handlungsbedarf. Die Technologie dazu ist jedenfalls in den Städten eindeutig auf dem Vormarsch. Im ländlichen Raum hingegen dürfte der Dieselmotor bis 2030 auf der letzten Meile noch eine Rolle spielen. In diesem Umfeld mit überschaubarer und sicherer Umgebung könnten übrigens auch autonome Lkw ihren Durchbruch in der Logistik erreichen. Die Kombination der Zukunftstechnologien Elektromobilität und autonomes Fahren sehen die Verfasser der Studie jedoch kritisch.

Beide Technologien zusammen hätten zwar das Potenzial für eine zuverlässige und Ressourcen schonende Logistik. Sie könnten aber auch dazu führen, dass sich zusätzliche, bisher unwirtschaftliche Verkehre ergeben, die die Straßeninfrastruktur auf der letzten Meile weiter belasten. Die Zukunft der Logistik, das zeigt die ZF-Zukunftsstudie 2016 „Die letzte Meile“, gibt’s für die Akteure der Gegenwart auf keinen Fall zum Nulltarif. Die Logistiker müssen auf Veränderungen selbst mit Veränderungen reagieren. Gefragt sind neue Logistikkonzepte und Innovationen, um der letzten Meile den eigenen Stempel aufzuprägen.

 

Text: Joachim Geiger  //  Bild: Fotolia/mangpor2004

Autor
Joachim Geiger

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *