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Vernetzte Transportlösungen

 

Eine neue Online-Börse bietet Plattform, um Partner für Schienentransporte schneller zu finden. Was ihr noch fehlt, sind Bekanntheit und viel mehr Mitglieder.

Das Angebot ist verlockend: drei Monate kostenlos testen, danach ein kleiner Mitgliedsbeitrag von 450 Euro im Jahr und dafür gibt es jede Menge Kontakte. Da wundert es doch, dass das Forum Railcargo-online.com nicht massenweise Mitglieder hat. „Ein solches System muss erst mal in Schwung kommen“, erklärt sein Gründer Axel Götze-Rohen. Er ist Geschäftsführer von Bargelink aus Xanten, eine Plattform für die Binnenschifffahrt, die 2001 online ging und drei Jahre brauchte, bis sie einigermaßen lief. „Bargelink gibt heute 99 Prozent aller relevanten Binnenschifffahrts-Unternehmen eine Heimat“, sagt Götze-Rohen selbstbewusst. Das System wachse weiter. Die Mitglieder stellen monatlich 2.000 Schiffe zum Transport und bis zu einer halbe Millionen Tonnen Ladung in das Portal ein.

Vor zwei Jahren kam die Idee auf, das Konzept auf die Schiene zu übertragen. Nach viel Programmierarbeit und rund 60.000 Euro privaten Investitionen ging der Marktplatz dann vor gut einem Jahr online. Die Partnerbörse ist bewusst keine Frachtenbörse, „wo es um das letzte ausdrücken der Konditionen geht, sondern darum, interessante Partner für ein Geschäft oder eine Anfrage zu finden“, sagt der IT-Fachmann. Kunden sind etwa Eisenbahnverkehrsunternehmen mit fixen Streckenverbindungen, die Leerfahrten reduzieren wollen. „Das System eröffnet Kontakte zu neuen Partnern oder solchen, an die man zunächst gar nicht gedacht hat“, sagt Götze-Rohen. Prinzipiell ist das System offen für alle Marktteilnehmer im Schienengüterverkehr – Verlader aus Industrie und Handel, KV-Spediteure und Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), die leere Wagengruppen füllen wollen oder kurzfristig auf der Suche nach einer Ersatzlokomotive sind. So fänden sich Geschäftspartner für längerfristige Verkehre oder auch nur für Spotmengen.

„Die Plattform soll erst mal in Schwung kommen“, lautet die Zielsetzung. Mit der Testzeit für Neumitglieder nimmt es Götze-Rohen deshalb nicht so genau. Aktuell sind 80 Unternehmen registriert. Der große Run komme hoffentlich noch: „Ich höre immer wieder: Tolle Plattform, technisch wunderbar umgesetzt, aber das ist erst interessant, wenn viele dabei sind.“ Für viele Spediteure und Verlader sei das größte Hemmnis nicht ein fehlender Gleisanschluss, sondern eher eine gedankliche Blockade. Obwohl es rund 390 EVU in Deutschland gebe, hätten viele nur die große Deutsche Bahn im Kopf. Hinzu kämen rund 700 EVUs für Güterverkehr in ganz Europa, viele könnten international fahren. Außerdem sei Verkehr auf der Schiene zwar komplexer als auf der Straße, doch erfahrene Bahnspediteure schafften das problemlos. »Raillogix aus Rotterdam sagt: Wir können Güter innerhalb von 24 Stunden auf die Schiene setzen – geht also.“ Willkommen sei grundsätzlich jedes Unternehmen, ob groß oder klein. DB Schenker Rail ist etwa dabei, und so kommen Kleine mit Großen ins Gespräch. „Sie schafft so die Voraussetzungen für eine Schienenlogistik auf Augenhöhe.“

Text: Claudia Wild; Foto: „Fotolia / Foto-Ruhrgebiet“

Autor
admin
Kommentare: ( 1 )
  1. Die Idee finde ich interessant, doch wirklich bemerkenswert wird das Plattform erst nur dann, wenn viele Unternehmen teilnehmen werden. Da bin ich gespannt, wie es sich weiterentwickelt und werde die Nachrichten verfolgen.

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