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Urbane Konzepte weitergedacht

Urbane Konzepte weitergedacht

Die Firma Charge R&D aus Enstone in Großbritannien möchte mit ihren revolutionären und nach eigenen Angaben kosteneffizienten Fahrzeugkonzepten einen Schritt voraus sein. Das Automobilunternehmen bietet mit seinen Konzepten im Bereich Elektro-Lkw und Bus Innovationen im Bereich Antriebe und Nutzfahrzeuglösungen an. Vor der Serienreife für den kommerziellen Gebrauch läuft in Großbritannien derzeit ein Testprogramm. Das Unternehmen hat sich vorgenommen, innovative Nutzfahrzeuglösungen bereitzustellen um den Gebrauch von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Im Vergleich zu den konventionellen Fahrzeugdesigns soll der Kraftstoffverbrauch dann bei einem Drittel liegen. Dabei soll der Preis des neuen Produktes, ausgenommen die Batterie, vergleichbar mit den konventionellen Fahrzeugen sein und in Fahrzeuge von 2,5 bis 26 Tonnen integrierbar sein.

Kleine Elektro-Lkw, die umweltfreundlich und leise unterwegs sind, wären auch für „Floating Farm“ aus den Niederlanden eine Option, um ihre Erträge zu transportieren. Das Start-up Unternehmen will im kommenden Jahr seine Idee eines schwimmenden Bauernhofs in die Tat umsetzen. „Der Meeresspiegel steigt, Ackerland wird weltweit knapp“, erklärt Peter van Wingerden, Gründer und CEO von Floating Farms. „Gleichzeitig ziehen immer mehr Menschen in die Metropolen an den Küsten.“ Daher müssten die Transportwege kurz gehalten werden, indem die Farmen mit in die Städte ziehen. Doch welcher Landwirt oder Viehzüchter kann sich die teuren Landflächen in den Metropolen an den Küsten leisten, wo immer mehr Menschen hin ziehen?

Genau deshalb lassen van Wingerden und seine beiden Mitbegründer des Start-ups nun Kühe schwimmen. So könnte man die kuriose Idee umschreiben. Ab August 2016 wird in Rotterdam im alten Merwehaven ein 1.200 Quadratmeter großer schwimmender Ponton 60 Kühe beherbergen, die nach van Wingerdens Rechnung pro Tag bis zu 1.500 Kilogramm Milch produzieren könnten. Im Obergeschoss leben die Kühe dann artgerecht unter einem Glasdach auf einem Boden aus Kunstrasen und mit echten Bäumen, um den Tieren eine naturähnliche Umgebung zu bieten. Ein Reinigungsroboter sammelt die Kuhfladen ein, die den nötigen Rohstoff für eine Biogasanlage liefern, um Strom und Wärme zu erzeugen. Das Regenwasser wird abgeleitet und in die Tränken der Kühe geführt. Im Untergeschoss wächst Gras, das von LED-Lampen beleuchtet wird und als Futter für die Kühe dient. Das Wasser der Maas kühlt die Milchfabrik im Untergeschoss des maritimen Gehöfts. Außerdem reichen zwei Arbeitskräfte aus, um die Farm zu betreiben, was sie zusammengefasst nahezu autark macht. Was die Zukunft angeht, ist van Wingerden überzeugt, dass sich auch größere Pontons, die bis zu 200 Kühe aufnehmen können bauen lassen. Somit wäre es theoretisch möglich, mit 40 schwimmenden Farmen ganz Rotterdam zu versorgen, ganz nah an den Abnehmern.

Eine schwimmende Farm, die mittels Ökostrom und eigener Kreislaufwirtschaft in der Nähe der Verbraucher betrieben wird und die dank kurzer Transportwege ihre Ware umweltschonend und emissionsfrei ausliefern könnte, klingt zwar noch stark nach Zukunftsmusik. Doch mutige und vielversprechende Ansätze und neue Konzepte zeigen, dass Fortschritt der Technologie auch gleichzeitig Veränderungen des urbanen Raumes nach sich ziehen könnte.

Text: Carina Belluomo / Bild: Charge R&D Ltd

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admin
Kommentare: ( 1 )
  1. Realer Bedarf besteht primär nicht an der LKW Technologie sondern vor allem an bezahlbaren AKKUS. Dazu kommt beim LKW Einsatz der Ladezeitverlust. In naher Zukunft wird sich die Situation bestimmt verbessern. Doch bis dahin bedarf es Zwischenlösungen. Eine Möglichkeit ist der Akkutausch. Dies wird bei kommunalen und internen E-Fahrzeugen bereits erfolgreich praktiziert. Im Urbanen bereich wäre dies auch im Verteilerverkehr anwendbar. Was benötigt wird sind Partner die AKKUS aufladen und vor Ort wechseln.
    K.W. Stehlik

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