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Transport ohne Fahrer?

Transport ohne Fahrer

Zehn Jahre, das klingt nach wenig, zumindest wenn man selbst diesen Zeitraum schon mehrfach auf der eigenen „Timeline“ verzeichnen kann. Doch was für 2025 auf diversen Zukunftskongressen und in Studien vorausgesagt wird, klingt zum Teil nach echtem Science Fiction.

So berichtet das Wall Street Magazine diese Woche, dass in Japan bereits an Bussen und Taxis entwickelt wird, die völlig ohne Fahrer auskommen. Die jüngsten Beispiele von Google, Daimler und anderen zeigen, dass die Technik mit großen Schritten voranschreitet. Wobei der wuselige Stadtverkehr in japanischen Großstädten bestimmt eine besonders große Herausforderung darstellt. Noch dazu im direkten Kontakt mit überfüllten Haltestellen.

In Europa hat man dagegen schon mit dem Lang-Lkw unendliche Akzeptanzprobleme. Wie wird das also mit Lkw sein, die scheinbar führungslos über die Autobahn rollen? Eigentlich sollte das gar keinen Anlass zur Beunruhigung bieten, da die Technik laut Daimler ja die Sicherheit auf der Straße erhöhen soll. Zur Zeit kompensiert der Straßengüterverkehr den stellenweise auftretenden Fahrermangel noch mit Verlagerung der Kapazitäten (und Aufträge) in andere Mitgliedstaaten der EU. Wobei der Fahrermangel sicher nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wo also hat die Fortschrittstechnik Ansatzmöglichkeiten? Entweder sie weist dem nach wie vor erforderlichen Fahrer neue Aufgaben innerhalb des Transports zu, damit er auf diesem Wege die Gesamtkosten senkt und den wahrscheinlichen Aufpreis für die Technik rechtfertigt oder die Technik spart ihn gar komplett ein, erst dann wäre sie günstiger als der abbezahlte Altlaster mit Geringverdiener am Steuer.

Auch bestimmte Warengruppen mit langen Strecken und hohem Qualitätsanspruch an den Transport könnten das autonome Fahren mit Bordpersonal rechtfertigen. Denn könnte die Entspannungszeit bei eingeschaltetem Autopilot insgesamt die Fahrzeit verkürzen und das Fahrzeug effizienter genutzt werden. Bedeutet dies eine völlige Neudefinition der Lenk- und Ruhezeiten? Was, wenn der Fahrer während der Fahrt nun beispielsweise Dispositionsarbeiten erledigt? Von welcher Seite man sich dem Thema auch immer nähert, bauen sich immer wieder neue Hürden und Fragestellungen auf. Da scheint sich die Technik weit schneller zu entwickeln als es die Transportbranche, Politik oder Gesetzgeber verarbeiten kann.

In der Luft scheint das Problem der Regelung weit geringere Bedeutung zu haben. Längst schon hat das Militär ferngesteuerte unbemannte Drohnen im Einsatz und kaum jemand befürchtet, dass ihm eine auf den Kopf fällt. Große Logistiker haben sogar schon welche für den Zustelldienst im Einsatz und wollen diese (Achtung Wortwitz) „Pilotprojekte“ weiter ausbauen. Und auch auf der Schiene sollen Güter bald unbemannt transportiert werden, wenn es nach der Schweizer Initiative Cargo sous terrain geht. Sie möchte innerstädtische Lieferungen über ein Tunnelsystem umsetzen. Bleibt die Frage, wie die Tunnelbohrgeräte und anderes Equipment zielgenau und sicher an die Baustelle kommt und wer den Abraum wegfährt? Genau der Lkw.

Bild: Thomas Rosenberger

Autor
Andreas Techel

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