« | »

Stressfaktor Laderampe: Best Practice Beispiele sollen Abhilfe schaffen

Stressfaktor Laderampe

ZF Friedrichshafen AG – Logistik Werk Süd. Bild: Jan Bergrath

Wartezeiten, Missverständnisse, Hektik und allgemein schlechte Bedingungen: Die Rampenproblematik zählt zu den größten Belastungen für Lkw-Fahrer. Dies stellte die ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER aus dem Jahr 2012 nach einer Umfrage unter 500 Berufskraftfahrern fest. Nicht selten kommt zu dem nervenaufreibenden Zeitdruck der Fahrer auch ein erhebliches Kommunikations- und Informationsproblem, das für beide Seiten die Zusammenarbeit erschwert.

Die Thematik beschäftigt die Branche bereits seit geraumer Zeit, denn: Die unkalkulierbaren Wartezeiten machen es für Logistikunternehmer und Fahrer zunehmend schwieriger, ihre Termine zuverlässig einzuhalten und gleichzeitig die gesetzlichen Vorgaben zu Lenk- und Arbeitszeiten zu erfüllen. Eine Umfrage der Gewerkschaft Verdi ergab, dass 69 Prozent der befragten Lkw-Fahrer den Technografen während des Be- und Entladens deshalb sogar auf „Pause“ stellen.

Bereitschaft zur Verbesserung nur bedingt vorhanden

Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) hat 2011 in seinem Sonderbericht zur Rampensituation eine ernüchternde Bilanz gezogen: „Interesse an einer Verbesserung der Situation an den Laderampen besteht bei Handel und Industrie erst dann, wenn aus ihrer Sicht in Bezug zur eigenen Lagerwirtschaft Optimierungs- oder Neuregelungsbedarf erkennbar wird“, heißt es. Für gemeinschaftliche Lösungen fehle die Gesprächsbereitschaft gerade des Handels. Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. hat als Reaktion auf die Problematik bereits im Jahr 2011 Verhaltensempfehlungen herausgegeben, welche die Situation entschärfen sollen.

Best Practice Beispiele sollen Anreiz zum Nachahmen geben

Auch die Bundesregierung nimmt sich zusammen mit mehreren Interessenverbänden diesem Thema an. Im Arbeitskreis „Schnittstelle Rampe – Lösungen zur Vermeidung von Wartezeiten“ des Bundesverkehrsministeriums (BMVBS) sollen konkrete Lösungen gefunden werden. Im November 2012 wurden die Ergebnisse einer ersten Studie, die vom Arbeitskreis in Auftrag gegeben wurde, in Berlin diskutiert. Die Erkenntnis: An den Verladerampen der Industrie müssen die Fahrer der Transportunternehmen in der Regel weniger lange warten als bei denen des Handels. 2013 zeigte eine Folgestudie Lösungsansätze für die Problematik auf: Unter anderem schlugen die Autoren (hwh Gesellschaft für Transport- und Unternehmensberatung) die Reduzierung der Rampenkontakte durch eine Steigerung der Auslastung der anliefernden und abholenden Lkw vor.Der Ausbau moderner Technologien solle zusätzlich zur Verbesserung des Informationsaustausches beitragen.

Eine Entlastung der Situation könne auch durch eine Optimierung der Rampenkapazitäten geschaffen werden. Maßnahmen, die nur bedingt in der täglichen Praxis problemlos von allen Beteiligten umgesetzt werden können. Deshalb wollen die Verantwortlichen in der Folgestudie klären, welche Rampen in Deutschland Best Practice Beispiele sind. Also von welchen Unternehmen sich andere Teilnehmer etwas abschauen können. Derzeit versuchen viele Akteure, dem Problem Herr zu werden. Inwiefern die Initiativen der Interessenverbände und der Bundesregierung bereits Früchte tragen, wird die ZF Zukunftsstudie Fernfahrer 2.0 im September 2014 aufzeigen.

ZF geht mit gutem Beispiel voran

Zusammen mit der Zeitschrift FERNFAHRER und der Sachverständigenorganisation DEKRA ist die ZF Friedrichshafen AG Auftraggeber der ZF Zukunftsstudie Fernfahrer. Das Unternehmen ist sich der Problematik bewusst und geht mit gutem Beispiel voran, indem es in den vergangenen Jahren die Bedingungen an ihren Rampen immer weiter verbessert hat. Ortstermin bei ZF in Schweinfurt: Rund 4.800 Mitarbeiter produzieren im Werk Süd Zulieferteile für die globale Pkw- und Lkw-Industrie. Jeden Tag bringen 60 Lastwagen das Rohmaterial vom Coil bis zur Niete. Etwa ebenso viele holen Stoßdämpfer oder Wandler für die Automatikgetriebe wieder ab. 2009 wurde eine optimale zentrale Lkw-Einfahrt umgesetzt.

Für die Lastwagen stehen nun 15 Stellplätze zur Verfügung. Von 6 bis 23 Uhr ist das Versandbüro geöffnet – angemeldete Sonderfahrten sind auch danach möglich. An der Pforte bekommen alle Fahrer nach der Anmeldung einen Pager für die Wartezeit, bis der Wareneingang im Computer gespeichert ist oder die Versandpapiere erstellt sind. Jeder Schritt ist durch Scanner erfasst – sodass die Logistik einen sehr genauen Überblick hat. Die Wartezeit für den Wareneingang beträgt im Mittel 25 Minuten, für den Ausgang 35. Der Gesamtaufenthalt im Werk: 80 Minuten im Wareneingang, 100 im Warenausgang.

Wareneingang ZF Friedirchshafen AG

Ortstermin in Schweinfurt mit Christoph Feuchter (r.), Leiter Logistik und Frank Wolf, Leiter Versand. Bild: Jan Bergrath

Natürlich gibt es hier und da Ausreißer: „Werden Teile zum Monatsende abgerufen, haben wir am Freitag Hochkonjunktur“, erklärt Frank Wolf, Versandleiter im ZF Werk in Schweinfurt. „Das führt zu einem höheren Lkw-Aufkommen und insgesamt zu etwas längeren Wartezeiten.“ Entscheidend ist hierbei der Informationsfluss, der in Schweinfurt dank moderner Informationstechnik und optimaler Organisation sehr gut geregelt ist. „Vom ersten Tag an haben wir von den Fahrern überwiegend positive Rückmeldung bekommen“, erzählt Logistikleiter Christoph Feuchter. „Deswegen wollen wir das Konzept auch weiter ausbauen und in anderen Werken duplizieren.“

Susanne Scherbaum
Autor
Susanne Scherbaum
Kommentare: ( 2 )
  1. Als Fahrer kann ich nur sagen: An sich ist das mit den Gesetzen und den Anleitungen schon sehr toll, aber zum Teil wird echt erwartet das man Richtlinien und Sicherheit einfach missachtet. Da wird man genötigt als Fahrer 200m Rückwerts an eine Laderampe zu fahren ohne Einweiser, muss alleine als Fahrer Sperrgut abladen und viele Logister sparen leider auch an seinen LKWs denn „er läuft ja noch“. So lange sich da nichts ändert hilft leider auch keine Übung, da diese Übungen ja nach den Vorschriften ablaufen. So lange sich da zu viele nicht dran halten, sehe ich da nicht viel Sinn. Stress ist trotzdem da.

    Ich will jetzt nicht dass ich falsch verstanden werde. Ich halte es sicherlich für eine super Lösung, besonders für Berufseinsteiger und auch sehr gut, dass Ihr das so durchzieht. Aber da seid ihr Leider eines der wenigen weißen Schafe in einer Herde von schwarzen.

    Hoffe ich macht das weiter so!

    Lg Uwe

    1. Susanne Scherbaum

      Lieber Uwe, vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir sind davon überzeugt, dass es in der Branche noch mehr weiße Schafe gibt und hoffen, dass durch die zweite Studie erstens das Thema weiter im Fokus der Öffentlichkeit bleibt und wir zweitens durch die Szenarien Lösungsansätze aufzeigen.
      Gruß Susanne Scherbaum

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *