« | »

Stärker im Verbund

Lehrstelle frei !

Wie schwierig es ist, geeignete Bewerber zu finden und auch später zu halten, wissen nicht nur Handwerksbetriebe, sondern vor allem auch Speditionen zu berichten. Der Fachkräftemangel nagt schon seit Jahren am Fahrerbestand. Die Zahl der neu abgeschlossenen dreijährigen Ausbildungsverträge ist zum laufenden Ausbildungsjahr 2014/2015 erneut gesunken. Und die Aussichten sind nicht besser, wenn man sich die mit dem Berufsbeginn auftretenden Hürden anschaut. Es wird höchste Zeit, neue Wege zu gehen, um zum einen die Qualität der Ausbildung weiter voranzubringen aber selbstverständlich auch um junge Menschen in den Beruf zu bringen und zu behalten. Einen neuen Ansatz haben ausgerechnet acht Wettbewerber rund um Osnabrück gewählt und bilden gemeinsam aus. Die Logistiker haben einen Ausbildungsverbund gegründet, um für den Beruf Lkw-Fahrer zu werben und den Auszubildenden eine qualitative Ausbildung zu gewährleisten. Davon profitieren nicht nur die Unternehmen, sondern auch Azubis.

2004 hatten die Logistikunternehmen Hellmann und Koch das Projekt gestartet, um Synergien in Bezug auf die Ausbildung ihrer Berufskraftfahrer zu schaffen. Beide bieten eine breite Palette der Ausbildungsberufe an, suchen aber auch händeringend nach Fahrernachwuchs.

Vor allem »die hohe Zahl an Abbrechern« bereitet Projektkoordinator Helmut Börst Kopfzerbrechen. Denn junge Leute anzuwerben ist schon schwierig genug, doch für viele kommt nach einigen Monaten im Betrieb das böse Erwachen – falsche Erwartungen treffen auf die harte Realität. »Die flexiblen Arbeitszeiten sind ein riesiges Problem«, sagt Börst, das viele Lehrlinge doch noch abschreckt. Manche seien mit dem Führerscheinerwerb überfordert – »der macht sich nicht mit links«. Andere kämen mit den verschiedenen Kundenwünschen nicht zurecht. Diese sind so vielfältig wie die Tätigkeitsfelder der Logistiker – von Frischelogistik über hängende Bekleidung bis Automobillogistik. »Doch die Gemeinsamkeiten überwiegen«, sagt Börst.

Den Problemen von Azubis begegnet der Ausbildungsverbund mit mehr Unterstützung – durch Nachhilfe, persönliche Gespräche und Ausbildungsfahrer in den Betrieben, bei denen die jungen Fahrer angestellt sind. Schulungen finden gemeinsam statt, zum Beispiel für den Lkw-Führerschein, Ladungssicherung oder ADR. Das ist effektiver und günstiger für alle.

Hellmann und Koch steuerten je ein Fahrzeug bei, das zum Fahrschul-Lkw umgerüstet wurde und das alle nutzen können. Auf gemeinsamen Veranstaltungen wirbt der Verbund für die eigenen Ausbildungsbetriebe. Alle zwei Monate finden Planungstreffen statt. Auch Subunternehmen sind neuerdings am Verbund beteiligt und können ihren Azubis so Ausbildungsangebote ermöglichen, die sie alleine nicht stemmen könnten.

Text: Jana Bronsch und Claudia Wild; Foto: Fotolia

Autor
Jana Bronsch

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *