« | »

Staatssekretärin Dorothee Bär im Gespräch

Dorothee Bär im Gespräch

Dorothee Bär im Gespräch mit Matthias Rathmann

Der Logistik-Kongress Baden-Württemberg 2014 stand thematisch unter dem Titel „Fair Play“ und den Möglichkeiten eines gut funktionierenden Miteinanders zwischen Dienstleister und Verlader. Bereits im Vorfeld des Kongresses beantwortete Dorothee Bär (CSU) in einem Exklusiv-Interview mit dem Fachmagazin trans aktuell Fragen zu aktuellen Entwicklungen in der Verkehr- und Logistikbranche. Dorothee Bär ist seit Dezember Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie seit Januar Koordinatorin der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik. Nach ihrem bisherigen Eindruck von der Logistikbranche wird diese extrem unterschätzt, weshalb sie sich für wesentlich mehr Verständnis im Bereich Güterverkehr und Logistik einsetzen und werben möchte. Das gelte nicht nur im Bundestag, sondern vor allem mit Blick auf den Otto-Normal-Bürger, der sich unter Logistik bisher nicht viel vorstellen könne, sagte Bär im Interview.

Heute haben wir ein klares Selbstverständnis: Strom kommt aus der Steckdose, und Regale im Geschäft sind immer voll. Doch keiner macht sich Gedanken darüber, wie die Ware überhaupt dorthin gekommen ist. Selbst bei Warenbestellungen gehen wir davon aus, dass diese wie selbstverständlich spätestens am nächsten Tag ankommen.

trans aktuell: Die Weltbank hat Deutschland kürzlich mit dem Titel Logistik-Weltmeister ausgezeichnet. Wird für Sie der Auftrag, für diese Branche zu werben, dadurch leichter?

Die Auszeichnung freut mich, ist aber auch ein Auftrag. Es steht nicht im Grundgesetz, dass Deutschland immer Logistikweltmeister bleibt. Alleine unsere zentrale Lage würde für den Titel nicht reichen. Es steckt harte Arbeit dahinter, dass das Verkehrs- und Logistiksystem in Deutschland hervorragend funktioniert. Dabei erfüllen wir einen sehr hohen Standard und haben wahrscheinlich weltweit das beste Ausbildungsmodell. Wichtig ist aber auch, dass wir uns auf solchen Ergebnissen nicht ausruhen. Wir müssen immer wieder unser Bestes geben, um diese Auszeichnung nach Deutschland zu holen.

trans aktuell: Eines der Hauptbotschaften auf dem Weltverkehrsforum war, dass sich die Rolle der Verkehrsträger und Logistikdienstleister ändern wird. Was bedeutet das Tagungsmotto „Verkehr für eine Welt im Wandel“ Ihrer Ansicht nach konkret?

Dass wir vor sehr großen Herausforderungen stehen. Das Mobilitätsverhalten verändert sich grundlegend, sei es durch den demographischen Wandel oder die Digitalisierung. Hinzu kommt der Klimawandel, der sich ganz erheblich auf unsere Verkehrssysteme und damit auch auf unsere Infrastrukturen auswirkt. Es ist kein Geheimnis, wenn ich sage, dass die Mittel für die Verkehrsinfrastruktur höher ausfallen könnten. Minister Dobrindt hat ein neues Brückensanierungsprogramm angekündigt. Wir wollen zudem die Hafenhinterlandanbindungen weiter ausbauen, es geht um Lückenschlüsse, die großen Magistralen, Projekte zur Elektromobilität und vieles mehr – all das kostet Geld. Aber wir sind am Ball.

trans aktuell: Wie viel Geld bräuchten Sie konkret zusätzlich?

Nach den Berechnungen der Bodewig-Kommission bräuchten wir nur für den Erhalt auf allen Ebenen − Bundes-, Landes- und auch auf kommunaler Ebene − jährlich 7,2 Milliarden Euro zusätzlich. Wir müssen künftig die Infrastruktur sehr viel stärker in ihrer Substanz erhalten und gleichzeitig beim Aus- und Neubau klare Prioritäten setzen. Hierfür braucht es klare Regeln. Die werden wir im neuen Bundesverkehrswegeplan entsprechend formulieren.

trans aktuell: Weil das Geld praktisch nie reicht, bauen Sie auch auf zusätzliche Mittel auch aus der Nutzerfinanzierung. Bei der Pkw-Maut für Ausländer schaut die Öffentlichkeit sehr genau hin, weil sie fest zugesagt wurde.

… und von Minister Dobrindt auch umgesetzt werden wird. Es steht nicht nur im Koalitionsvertrag. Es ist auch unabdingbar, dass diejenigen, die unsere Straßen mitnutzen ihren Beitrag leisten müssen. Bei der Lkw-Maut ist der Paradigmenwechsel erfolgt, und dasselbe wird bei der Pkw-Maut eintreten.

Vorabend Logistik-Kongress

Get-together am Vorabend des Logistik-Kongresses

Das Thema Lkw-Maut war unter anderem auch beim Get-together am Vorabend des Logistik-Kongresses mit Spediteuren und Branchenvertretern in Stuttgart Mitte virulent. Dorothee Bär war dazu als Podiumsgast zum verbalen Schlagabtausch mit trans aktuell Chefredakteur Matthias Rathmann eingeladen. Neben der Pkw-Maut, die ab dem 1. Januar 2016 eingeführt werden soll, stand die schrittweise Ausweitung der Maut auf allen Bundesstraßen zum 1. Juli 2018 und die Mauterhebung für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen, die ab 1. Oktober 2015 gelten soll, auf der abendlichen Agenda. Dabei kam aus den Reihen der anwesenden Spediteure die Anfrage, ob sich diese schrittweise Anpassung nicht besser zu einem Termin kumulieren ließe. Die Bitte nach einer Rückenstärkung von Seiten der Politik bezüglich des Einsatzes von Lang-Lkw im kombinierten Verkehr wurde ebenfalls an Bär herangetragen. Sie versprach diese Punkte mit der Branche so einvernehmlich wie möglich zu gestalten.

Einige der Herausforderungen der Zukunft seien auch die Vernetzung von IT mit den Transportdaten, der Ausbau der Informationsinfrastruktur und green logistic. Daraus ließen sich intelligente Lösungen für Verkehrsleitsysteme, Digitalmedizin, Unfallverhütung oder auch Staureduktion entwickeln. Viele der Ansätze aus Deutschland wie beispielsweise green logistic werden gerne von anderen Ländern übernommen. Deshalb freut sich Bär in Ihrer Funktion als Staatssekretärin die Vermarktung Deutschlands als Logistikweltmeister weiter voranzutreiben.

Das ausführliche Interview mit Dorothee Bär und mehr zum Logistik-Kongress unter www.eurotransport.de/lokobw

Bildergalerie

Bilder: ETM-Verlag

Autor
Jana Bronsch

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *