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Selbst einparkende Lkw?

04-2_ZF_AUV_Smart_Parking_Assist_CloseVor einem Jahr hat der ZF Innovation Truck für viel Furore gesorgt. Niemals zuvor gelang es, einen Lastzug – und dann auch gleich einen Lang-Lkw – ferngesteuert an eine Rampe andocken zu lassen. Per Fingerzeig auf einem Tablet-PC konnten selbst Lkw-Unerfahrene das 25,25 Meter lange Ungetüm mit zwei Knickwinkeln kinderleicht und äußerst präzise rückwärts rangieren. Moderne Sensorik und Komponenten aus den Regalen von ZF und Openmatics machten das möglich. Zudem lassen sich die Rangiermanöver des Hybrid-Lkw rein elektrisch durchführen, so dass in Lagerhallen oder ähnlichen Gebäuden kein Lärm und keine Abgase entstehen.

Mit einer Rückblende auf diesen Meilenstein lenkte Dr. Stephan Demmerer, Leiter Strategie & Portfolio im Geschäftsfeld Lkw- und Van-Antriebstechnik von ZF anlässlich des „Zukunftskongress Nutzfahrzeuge 2015“ den Blick auf den Smart Parking Assist. Dieser Einparkassistent krönt derzeit ein ZF-Versuchsfahrzeug namens Advanced Urban Vehicle – ein Stadtauto, das extrem wendig, lokal emissionsfrei unterwegs sowie mit Fahrer und Umwelt vernetzt ist. Auf der Pkw-IAA demonstrierte ZF damit, welche Möglichkeiten intelligent zusammengeführte Entwicklungen des Konzerns bieten könnten.

Der Smart Parking Assist manövriert das Fahrzeug dank ausgeklügelter Sensorik und einer Elektrolenkung mit Einschlagwinkeln von bis zu 75 Grad in Lücken, die ihm nur 30 Zentimeter Luft nach vorn und hinten gewähren. Der Fahrer kann dazu auch aussteigen und dann die Parkfunktion mittels Applikation auf Mobiltelefon, Tablet oder Smart-Watch auslösen. Das Advanced Urban Vehicle sucht danach selbständig in Schrittgeschwindigkeit die Umgebung nach der passenden Parklücke ab und leitet den Einparkvorgang nach Erfolg selbstständig ein.

Mit dieser Studie will ZF zeigen, welches Potenzial die intelligente Vernetzung einzelner Fahrwerk-, Antriebs- und Fahrerassistenzsysteme in sich trägt. Nach der Übernahme der amerikanischen TRW Automotiv-Gruppe haben die Friedrichshafener alle Komponenten selbst im Haus, um ein voll automatisiertes Fahrzeug wie das Stadtauto auf die Räder zu stellen. Dennoch will ZF nicht als Fahrzeughersteller auftreten, aber die volle Bandbreite der Möglichkeiten seinen Kunden anbieten.

Und bei der Zukunftstechnik für einen Kleinwagen wird es vermutlich nicht bleiben. Schon häufig haben Fahrzeughersteller und Zulieferer Entwicklungen aus dem Automobilgeschäft für Nutzfahrzeuge adaptiert und umgekehrt. Tempomat, Spurhalte- oder Notbremsassistent belegen dies. Ein autonom agierender Einparkassistent für mittelschwere Solo-Lkw im städtischen Lieferverkehr wäre ebenso sinnvoll wie für Sattel- und Gliederzüge im Fernverkehr, wenn sie sich auf dem Speditionshof auf engstem Raum bewegen müssen. Wer weiter in Richtung Vernetzung denkt, könnte sich auch dieses Szenario an einer großen Ladestelle vorstellen: Der Fahrer bekommt auf seiner Smartwatch in der Wartezone mitgeteilt, dass Tor Nummer 37 bereit zum Ladevorgang ist. Er bestätigt dann mit einem Klick auf das Display und der Lastzug bewegt sich automatisch dorthin. Der Fahrer könnte so wertvolle Lenkzeit einsparen.

Text: Frank Hausmann

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