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Schwächen in der Struktur

Marode Brücken sind zu recht ein Medien-Thema – Ukraine hin, Griechenland her – auch bei uns gibt es Probleme, die es zu lösen gilt und bei den Verkehrswegen wird es immer dringender. Wenn die Brücken-Sperrungen, wie zuletzt zwischen Mainz und Wiesbaden, weiter um sich greifen hat das schnell überregionale Auswirkungen. Es handelt sich hier schlicht um die Versorgungsadern der Wirtschaft, aber auch um die der Bevölkerung. Und wenn der SWR-Umweltredakteur Werner Eckert sich schön ironisch darüber auslässt, dass Öl gerade so schön billig sei und es schön sei, dass die Lebensmittel per Laster transportiert und jeder Zeit billig verfügbar seien, dann frage ich mich schon, ob er mit solcher Polemik den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag erfüllt. Denn wie bitteschön sollen denn die Lebensmittel ansonsten in die Läden kommen? Gleisanschluss für jeden Marktstand? Oder kommt nach dem 3D-Drucker jetzt vielleicht der Foodprinter und die Leberwurst per E-Mail?

Schade dass der Umweltredakteur den schwarzen Peter scheinbar der Transportwirtschaft allein unterjubeln möchte, denn Eckert hat vollkommen recht, wenn er schreibt, dass wir alle uns den Lastwagenverkehr leisten und dessen Auswirkungen auch alle zusammen tragen müssen. Denn als Gegenwert haben wir den damit einhergehenden Lebensstandard. Doch Eckert prangert an, dass die Allgemein-Belastungen nicht eingepreist seien im Transport, es gäbe laut einiger nicht weiter genannter Studien 500 Milliarden verdeckte Kosten. Ich wäre mal sehr gespannt auf einen Vorschlag, wie diese denn zu verteilen seien. Der Transportwirtschaft aufdrücken? Das wäre es dann gewesen mit unserer Arbeitsteilung und wir könnten unsere Nahrungsmittel wieder alle selbst anbauen. Fakt ist, der gern zu prügelnde Lkw trägt unheimlich viel zum Lebenskomfort und zur wirtschaftlichen Leistung in diesem Land bei, aber er wird jederzeit von jedermann zum Sündenbock allen Übels abgestempelt.

Ein tolles Beispiel dafür sind doch gerade die Brücken. Schon die Römer konnten welche bauen, die heute noch sicher sind, inzwischen lassen wir Raumsonden auf Kometen landen, aber bringen es nicht fertig, Brücken zu bauen, die den von uns geschaffenen Anforderungen technisch genügen? Auch in den 60er und 70er Jahren gab es schon schwere Lastwagen, doch mit Wartungsarbeiten lässt sich auch gutes Geld verdienen. Im sogenannten Spannbeton-Bauverfahren ist die schnelle Restaurierung quasi schon eingeplant. Denn da entstehen schon in der Bauphase kleine Risse, die das Regen- oder Schmelzwasser schnell zur Stahlarmierung vordringen lässt. Rost und Frostsprengungen führen dann schon nach wenigen Jahren zu teuren Sanierungsarbeiten. Wenn diese dann wegen knapper Kassen verschleppt werden, sind Sperrungen und Abrisse unvermeidlich.

Selbst wenn hier eine Mammutaufgabe auf unsere Gesellschaft zusteuert, mir erscheint es leichter, anforderungsgerechte Baumaßnahmen umzusetzen, als den Gütertransport neu zu erfinden. Die Bahn kommt nicht in die Fläche (oder verbraucht sonst unheimlich viel davon) und einen Himmel voller Drohnen kann und will sich wohl auch (noch) niemand vorstellen.

Foto: Jan Bergrath

Autor
Andreas Techel

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