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Hochsicherheits-Truck

Der Technologiekonzern ZF treibt die Integration intelligenter Assistenzsysteme ins Nutzfahrzeug voran. Der ZF Innovation Truck 2016 wartet mit Schlüsseltechnologien fürs autonome Fahren auf. Er zeigt, was ZF im Hinblick auf Automatisierung, Vernetzung, Sicherheit und Elektrifizierung heute leistet.

Die 66. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover hat mit ihrem Fokus auf Technologie und Effizienz dem Begriff der Ingenieurskunst neue Facetten hinzugefügt. Endgültig vorbei sind auch die Zeiten heimeliger Truckerromantik. Das Nutzfahrzeug der Zukunft hat keinen singenden Computer an Bord. Stattdessen weisen intelligente mechatronische Systeme den Weg in eine Mobilität ohne Unfälle und Emissionen. Eine große Rolle spielen dabei Schlüsseltechnologien fürs autonome Fahren. Hier bestimmt ZF als Technologielieferant maßgeblich Tempo und Richtung der Entwicklung. Der Konzern aus Friedrichshafen will Nutzfahrzeugen das Sehen, Denken und Handeln beibringen. „See – Think – Act“ – unter dieses Motto stellt der Zulieferer seine strategischen Entwicklungsziele. Wohin die Reise geht? ZF ist auf dem besten Weg zu einem integrierten Technologieanbieter. Das Portfolio enthält hybride und elektrische Antriebe für Busse, schwere und leichte Lkw. Künftig gibt’s noch mehr Hightech ab Werk. Leistungsstarke Sensoren, perfekt vernetzte Fahrzeugsysteme und Software, die elektronische Steuerungen intelligenter macht. Für ZF steht der Dreiklang aus Sehen, Denken und Handeln für eine umfassende Systemkompetenz. Anders ausgedrückt: für Technologie aus einer Hand.

ZF_IAA2016_Stand_2016-09-21_4972Physisch umgesetzt hat der Technologiekonzern aus Friedrichshafen sein IAA-Motto im ZF Innovation Truck 2016. See – Think – Act: Das elegant gestylte Fahrzeug verfügt rundum über ein Arsenal von Sensoren, die zusammen ein dreidimensionales Bild des Umfelds ermöglichen. Das elektronische Gehirn des Trucks verarbeitet diese Daten und trifft auf dieser Basis seine Fahrentscheidungen. Die entsprechenden Fahrbefehle setzt der Lkw anschließend mit Hilfe einer fortschrittlichen Mechanik wie dem elektrifizierten Antriebssystem und der Lenkung direkt in die Tat um. Im Prinzip kommen solche sensorischen Fähigkeiten bereits im Pkw zur Anwendung. Andererseits stellt ein schweres Nutzfahrzeug einen Pkw allein im Hinblick auf seine Abmessungen um ein Vielfaches in den Schatten. Dass die ZF-Ingenieure für ein Fahrzeug dieser Größenordnung ein zuverlässiges System entwickelt haben, ist die eigentliche ingeniöse Leistung.

Der ZF Innovation Truck 2016 gibt einen faszinierenden Ausblick auf die Möglichkeiten neuer Sicherheits- und Komfortassistenten, die auf einer hohen Integration intelligenter Systeme beruhen. Die mit Abstand spektakulärste Funktion ist der Evasive Maneuver Assist (EMA), den ZF zusammen mit WABCO entwickelt hat. Das Assistenzsystem kann künftig in teilautomatisierten Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen, in denen der Fahrer die Instanz für Fahrentscheidungen ist. Es stellt aber auch eine Vorstufe zum voll autonomen Nutzfahrzeug dar. Hier wie dort steht hinter dem EMA die Idee, dass ein Fahrzeug die Fähigkeit besitzen sollte, auch in Grenzsituation angemessen reagieren zu können. Gefragt ist das etwa dann, wenn der Fahrer einen Stau übersieht. Der Evasive Maneuver Assist erkennt in diesem Fall mit Hilfe von Frontkamera und Radarsensoren, ob die automatische Notbremsfunktion oder die eingeleitete Notbremsung des Fahrers ausreicht, um vor dem Hindernis zu stoppen. Das System vermeidet in der Folge einen Crash, indem es das Fahrzeug nach einem Lenkimpuls des Fahrers automatisch nach links oder rechts auf den freien Fahr- oder Seitenstreifen dirigiert. Parallel zum Ausweichvorgang übernimmt das EMA den weiteren Bremsvorgang und die Stabilisierung des Nutzfahrzeugs.

Die kongeniale Ergänzung zum Ausweichassistenten EMA ist der ebenfalls als Sicherheits- und Komfortsystem ausgelegte Highway Driving Assist (HDA). Das System spielt seine Fähigkeiten in erster Linie auf der Autobahn aus. Es hält das schwere Nutzfahrzeug aktiv in der Fahrspur und besorgt zudem den korrekten Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Das bedeutet auch, dass der HDA einen Lkw in Eigenregie bremst und beschleunigt, wenn ein Fahrmanöver des Vordermanns das nötig macht. Bei freier Strecke wiederum lässt der Assistent den Truck zu dem Tempo zurückkehren, das der Fahrer im Tempomat gewählt hat.

Der ZF Innovation Truck 2016 spielt seine Intelligenz allerdings nicht nur auf der Strecke aus. Auf dem Betriebshof kommt ein spezieller Rangierassistent zum Zuge. SafeRange nennt sich das System, das den Lkw mitsamt Auflieger oder Hänger selbstständig an die Rampe steuert und auf diese Weise rangierbedingte Unfälle und Ausfallzeiten vermeidet. Die Funktion erinnert an eine zentrale Fähigkeit des ersten ZF Innovation Trucks, den der Technologiekonzern für die IAA Nutzfahrzeuge 2014 auf die Räder gestellt hat. Der entscheidende Unterschied: der aktuelle Innovation Truck vernetzt zur perfekten Navigation seine eigenen Bordsysteme mit der Infrastruktur des Betriebshofs und bezieht zudem GPS-Daten zur Positionierung ein.

Eine Gretchenfrage, die sich stets dann stellt, wenn die Zukunft verhandelt wird, ist die nach der Verfügbarkeit der in Aussicht gestellten Innovationen. Von welchem Zeitrahmen ist also die Rede, wenn Ingenieure mit Hochdruck an neuen Lösungen tüfteln? Eine Antwort könnte sein: zwei Jahre. Genau diese Zeit liegt zwischen dem ZF Innovation Truck 2014 und dem ZF Innovation Truck 2016. Tatsächlich aber liegen Welten zwischen den beiden Fahrzeugen. Das eine steht gewissermaßen für ein erstes Vortasten in neue Sphären des Digitalen. Das andere steht mitten drin in der Zukunft des autonomen Fahrens. Wie es heißt, könnte der Highway Driving Assist innerhalb von zwei Jahren in Serie gehen. Der Evasive Maneuver Assist hingegen dürfte dafür deutlich mehr Zeit benötigen. Hier sind es vor allem rechtliche Erwägungen, die das Tempo bestimmen. Mit dem ZF Innovation Truck ist die Zukunft des Nutzfahrzeugs jedenfalls nicht mehr länger nur Science-Fiction.

Text: Joachim Geiger
Foto: ZF

Autor
Kathleen Kiefer

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