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Pressemitteilung: Bald leere Kühlregale?

ZF Zukunftsstudie FERNFAHRER nimmt „Imageproblem Lkw“ unter die Lupe

  • Negatives Ansehen des Frachtverkehrs in Deutschland bedroht Wachstum
  • Absehbarer Fahrermangel durch demographische Entwicklung und fehlenden Nachwuchs
  • Beruf Lkw-Fahrer wird zunehmend unattraktiv
  • Konsumenten und Wirtschaft brauchen leistungsfähige Logistik

Berlin/Friedrichshafen, 06.09.2012 – Der Lkw-Verkehr war für die deutsche Wirtschaft noch nie so wichtig wie heute – und noch nie so unbeliebt: Das negative Image des Straßengüterverkehrs in der Öffentlichkeit kann zu einer Wachstumsbremse für die Logistik werden, des drittgrößten Wirtschaftszweigs in Deutschland. Es verstärkt auch den bereits absehbaren drastischen Fahrermangel: 250.000 Lkw-Fahrer gehen in den nächsten Jahren in Rente – rund 40 Prozent aller Brummifahrer in Deutschland. Ohne dass ausreichend Nachwuchs in Sicht ist. Innovative Ansätze sind nun gefragt. Denn wenn sich Ansehen und Attraktivität von Lkw-Verkehr und Fahrerberuf nicht verbessern, werden Logistik, Handel und auch die Endverbraucher die Folgen spüren.

Das ist der zentrale Befund der heute in Berlin vorgestellten „ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER. Der Mensch in Transport und Logistik“. Sie wurde initiiert von der ZF Friedrichshafen AG und dem Magazin FERNFAHRER. Wissenschaftlicher Partner ist das Institut für Nachhaltigkeit in Verkehr und Logistik (INVL) der Hochschule Heilbronn.

Wirtschaftsmotor als Sündenbock

„Der Straßengüterverkehr hält die deutsche Industrie- und Konsumgesellschaft am Laufen“, betont Prof. Dr. Dirk Lohre, Sprecher des wissenschaftlichen Konsortiums am INVL. Gleichzeitig steht die Branche enorm unter Druck: Neben dem unverdienten Image als vermeintlicher Hauptverursacher von Staus und Umweltverschmutzung und gezeichnet von scharfem Kosten- und Wettbewerbsdruck, sehen die für die Studie befragten Experten die größten Herausforderungen in Fachkräftemangel und demographischem Wandel, grüner Logistik, „Chaosfeld Rampe“ – also die Logistik-Schnittstellen in den Unternehmen ‑ und E-Commerce. Vor allem das veränderte Konsumverhalten durch individuelle Kleinstbestellungen im Internet wird die Fahrersituation und den Fahrerbedarf weiter verschärfen.

Ein Berufsstand geht in Rente

Die Lkw-Fahrer machen drei Viertel aller Beschäftigten im gewerblichen Güterkraftverkehr aus. Rund 250.000 neue Fahrer werden in den nächsten 10 bis 15 Jahren gebraucht. Das wird absehbar eine große Herausforderung, denn Attraktivität und Reputation des Berufsfeldes fehlen. Außerdem trifft der demografische Wandel die Logistik-Branche in doppelter Weise: Zum einen gehen viel mehr Lkw-Fahrer in Ruhestand als neu in den Beruf einsteigen. Zum anderen hat die alternde Gesellschaft in Deutschland, vor allem auf dem Land, auch Auswirkungen auf die Anforderungen an Handel und Logistik.

Negativ-Image belastet Fahrer

Die repräsentative Befragung von Lkw-Fahrern in der ZF-Zukunftsstudie weist nach, dass für sie die negative Reputation ihres Berufsbildes eine echte Belastung bei Berufswahl und Berufszufriedenheit darstellt. So ist eine positivere Wahrnehmung ihrer Leistungen in der Öffentlichkeit für sie sogar noch wichtiger als geregelte Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen und fast so relevant wie eine bessere Entlohnung. Denn: Brummifahrer sind „Überzeugungstäter“: Gut zwei Drittel aller Fahrer wählen ihren Beruf in der Mehrheit nicht wegen des Gehalts, sondern aus Spaß am Fahren (67,8 %). Umso schwerer wiegt, dass die Fahrer vor allem im Fernverkehr mit zunehmender Berufserfahrung immer unzufriedener mit ihrer Situation werden. Und der Anteil der Fernfahrten steigt weiter an, da der Lkw-Verkehr sich noch stärker internationalisieren wird.

Zukunftssicherung: Attraktiver Fahrerberuf sichert Versorgung

Während der Beruf immer anspruchsvoller wird und von Auszubildenden und Aktiven mehr Qualifikation verlangt, sehen Experten, Fahrer und Nachwuchs deutliche Defizite bei der Attraktivität des Berufsbildes. Als kritische Faktoren mit dem drängendsten Verbesserungsbedarf werden genannt: die Einkommenssituation und die soziale Absicherung, die Arbeitsbedingungen mit Überstunden, Termindruck und ungünstigen Arbeitszeiten, ein besseres Berufsimage sowie mehr persönliche Entwicklungsperspektiven. Diesen Herausforderungen muss sich die Branche mit vereinten Kräften stellen, sonst kann absehbar schon in wenigen Jahren die Nachfrage nach qualifizierten und motivierten Fahrern nicht mehr gedeckt werden, was mittel- bis langfristig die gesamtgesellschaftliche logistische Versorgung betrifft.

Aufgaben für die Zukunft

Die Ergebnisse der Befragungen lassen eindeutige Handlungsfelder erkennen: An erster Stelle steht dabei eine positivere Wahrnehmung des Berufsbildes Kraftfahrer und des Lkw-Verkehrs über verstärkte Aufklärung in der Öffentlichkeit und bessere Arbeitsbedingungen für Fahrer. Der Einsatz von Fahrern insbesondere auf Langstrecken muss optimiert und sozial verträglicher werden, um den Beruf attraktiver zu gestalten. Im Nahverkehr können Kosten eingespart und Stress für das Fahrpersonal abgebaut werden, wenn Konzepte für die Schnittstelle Rampe optimiert und Fahrern lange Be- und Entladezeiten erspart bleiben. Auch bessere City-Logistik-Konzepte für kleinteilige Verkehre werden wichtiger. Beides ist Folge des sich individualisierenden Konsums und Handels (Stichworte: Verstädterung und E-Commerce). Weiterführende Ausbildungs- und Rekrutierungsangebote sind maßgeblich, um dem qualitativen Fahrermangel zu begegnen. Zudem sollten Transportunternehmen die Klimabilanz ihrer Flotten weiter optimieren.

Studie liefert erstmals umfassendes Gesamtbild

Die Ergebnisse der „ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER“ sind aufgrund ihrer Methodik im Vergleich zu bisherigen Analysen besonders belastbar. Erstmals wurden nicht nur Branchenexperten, sondern auch Fahrer (repräsentativ) und Nachwuchskräfte der Transportbranche befragt, um ein umfassendes Gesamtbild zur Imageproblematik zu erhalten und Handlungsansätze aufzuzeigen.

Die vollständige Studie als PDF, sowie Bildmaterial und Grafiken finden Sie unter www.zf-zukunftsstudie.de. Gerne senden wir Ihnen ein Ansichtsexemplar zu.

Veranstaltungshinweise „ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER“ auf der IAA 2012

22.09., 14.00 Uhr
Fernfahrer-Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Dirk Lohre, INVL; ZF Stand Halle 17

25.09., 14.30 Uhr
Symposium zur „ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER“, veranstaltet von ZF,
ETM-Verlag und dem VDA; Convention Center, Saal 15/16, Messegelände Hannover

Diese Pressemitteilung als PDF

Pressemitteilung, 06.09.2012

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Diagramme in druckfähiger Qualität

Ansprechpartner Medien

Thomas Wenzel
Leiter Presse Technik
ZF Friedrichshafen AG
Telefon: +49 7541-77 2543
Fax: +49-7541-77 902543
thomas.wenzel@zf.com

ZF ist ein weltweit führender Automobilzulieferkonzern in der Antriebs- und Fahrwerktechnik mit 121 Produktionsgesellschaften in 27 Ländern. Der Konzern mit rund 72.100 Mitarbeitern erzielte im Jahr 2011 einen Umsatz von rund 15,5 Milliarden Euro. Um auch künftig mit innovativen Produkten erfolgreich sein zu können, investiert ZF jährlich rund fünf Prozent des Umsatzes (2011: 750 Millionen Euro) in Forschung und Entwicklung. www.zf.com

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