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Neue Konzepte gegen Verkehrsprobleme

Unfall A8 Stau

Was würden Sie in 285.000 Stunden so alles machen? Eine schöne Weltreise unternehmen, ein Haus bauen oder eine Firma gründen? Schöner als im Stauzu stehen ist es allemal, doch genau das taten Sie und viele ihrer Leidensgenossen im Jahr 2014 auf deutschen Autobahnen. Auf einer Gesamtlänge von 960.000 Kilometern waren Verkehrsstörungen anstatt freier Fahrt angesagt. Wie der ADAC berichtet, sei zwar eine Steigerung der Staus von 415.000 im Jahr 2013 auf 475.000 im vergangenen Jahr der besseren Erfassung der Verkehrslage geschuldet und nicht der Verschlechterung der Verkehrsgegebenheiten. Dennoch zeigen die Fakten deutlich, dass die Situation dringend neue Lösungen braucht. Vor allem im Hinblick auf die Verkehrsprognosen für das Jahr 2030, die eine dramatische Verschärfung der Bedingungen prophezeien, besteht Handlungsbedarf. Die Kapazitätsengpässe auf den deutschen Autobahnen kommen nicht von ungefähr: Von den geplanten 2.200 Autobahnkilometern, die laut dem Bedarfsplan bis zum Jahr 2015 vordringlich ausgebaut werden sollten, wurden per Ende 2014 nur rund die Hälfte realisiert.

Die Folgen manifestieren sich langfristig nicht nur in den gigantischen Staulängen, sondern auch in der Erhöhung der CO2-Emissionen und als Wachstumsbremse für die Wirtschaft. Denn eins ist klar, das internationale und globale Frachtvolumen wird sich bis zum Jahr 2050 um das Vierfache erhöhen. Das geht aus dem International Transport Forum (ITF) der OECD hervor. Bedingt durch die Verschiebung der Haupthandelsroute von derzeit über den Nordatlantik hin zu Nordpazifik, steigt die Entfernung, die internationale Güterfracht zurücklegt. Damit zusammenhängend prognostiziert das ITF der OECD eine Erhöhung der CO2-Emissionen bis 2050 um 290 Prozent. Dies entspräche einer Vervierfachung und stünde den avisierten Klimazielen entgegen. Aber nicht nur die Zunahme des internationalen Frachtverkehrs würde die Klimaziele torpedieren, sondern vor allem auch der nationale Frachtverkehr. So wurde erstmals identifiziert, dass zwar der nationale Anteil 10 Prozent der internationalen Güterverkehre ausmacht, aber 30 Prozent der CO2-Emissionen verursacht. Die nationale Politik ist also keinesfalls außen vor. Im Gegenteil. Auf nationaler Ebene, wo eben keine Abkommen notwendig sind, können entscheidende Schritte unternommen werden, um Klimaziele und Wirtschaftswachstum zu erreichen.

Wie das Handelsblatt berichtet, gibt es aus Berlin auch nahezu revolutionäre Vorhaben, um der Stauproblematik auf deutschen Autobahnen Herr zu werden. Eine Art Bundesfernstraßengesellschaft sei demnach in Planung, die dann für Planung, Bau und Unterhalt der Schnellstraßen zuständig sein würde. Die Firma Asfinag in Österreich gilt als Vorbild für das geplante Konzept und würde vielversprechende Lösungsätze auf gleich mehreren Ebenen bieten. Die Finanzierung würde sich direkt aus den Maut-Einnahmen speisen und nicht mehr aus den Steuergeldern. Die Gesellschaft würde aber dennoch im Staatsbesitz bleiben. Für Großinvestoren, wie Versicherer, gäbe es wiederum durch die Möglichkeit der privaten Beteiligung an dieser Gesellschaft, Investitionspotenzial, um beispielsweise die private Altersvorsorge von Arbeitnehmern zu garantieren. Für die Verkehrspolitik würde dieser Lösungsansatz eine Loslösung von der Abhängigkeit vom Bundeshaushalt bedeuten. Es klingt alles nach einem Masterplan für das zukünftige Infrastrukturmanagement. Inwieweit sich die Bundesländer, die durch eine solche Gesellschaft auch an Macht verlieren würden, auf einen solchen Vorstoß einlassen, ist zunächst fraglich. Stimmen sie dem zu, müsste sogar das Grundgesetzt geändert werden. Es bleibt zu hoffen, dass der Leidensdruck in der Infrastruktur als hoch genug erachtet wird, um die angedachte Revolution umzusetzen.

Bild: Matthias Rathmann

 

Autor
Jana Bronsch
Kommentare: ( 2 )
  1. Ja, dann hoffen wir mal, dass es besser wird.

  2. Hoffentlich wird sich die Stau-Situation auf deutschen Autobahnen doch verändern. Die Lkw-Fahrer verlieren so wirklich hunderte Stunden und die Umweltbelastung wird so auch nicht kleiner. Ich fahre bei TELS Group schon seit 4 Jahren und wenn ich alle meine Staustunden zusammenzähle.. äh…

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