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Nachwuchskräfte-Boom lässt auf sich warten – ein Beitrag von Jan Bergrath

Young Professional Truck Award 2013

Young Professional Truck Award 2013

Die Zahl der Azubis stagniert auf hohem Niveau. Quereinsteiger legen dank beschleunigter Grundqualifikation zu. Eine Lösung der Nachwuchsproblematik ist trotzdem nicht in Sicht.

Obwohl viele Experten die Einführung des Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetzes 2009 eher skeptisch sahen und vor einem massiven Einbruch beim Erwerb des Lkw-Führerscheins Klasse C/CE warnten, ist nun das Gegenteil der Fall. Seit der Einführung ist ein konstanter Anstieg zu verzeichnen.

Ausbildungsverträge stagnieren (Quelle DIHK)

Ausbildungsverträge stagnieren (Quelle DIHK)

Im vergangenen Jahr absolvierten 14.609 Teilnehmer die 140-stündige Ausbildung. Die anschließende Prüfung vor der IHK haben rund 83 Prozent bestanden. Die stagnierende Bestehensquote führen die einzelnen IHK auf ein paar „Unverdrossene“, die bereits zum fünften oder sechsten Mal den Anlauf nehmen und verhindern, dass die Quote auf 90 Prozent steigt.

Ausbildungsentwicklung in Zahlen

Aktuell bilden deutsche Transportunternehmen 7.322 junge Menschen zum Lkw-Fahrer aus. Das geht aus den neuesten Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in Berlin hervor. Im Lehrjahrgang 2013/14 ist die Zahl der Lehrverträge mit insgesamt 3.206 erstmals wieder leicht gesunken.

Absolventen der beschleunigten Grundqualifikation (Quelle DIHK)

Absolventen der beschleunigten Grundqualifikation (Quelle DIHK)

Ein weiterer kritischer Punkt: Von den 2.416 Lehrlingen, die vor drei Jahren begonnen haben, sind 2.087 zur Prüfung angetreten. Bestanden haben diese am Ende 1.736. Damit liegt die Abbrecherquote mit knapp 30 Prozent etwas über dem Durchschnitt aller Ausbildungsberufe.

Die Begründungen aus der Branche sind immer wieder dieselben: die oft mangelnde soziale Kompetenz der jungen Frauen und Männer. Dabei folgt meist sofort die Einschränkung, die Mädchen hätten die besseren schulischen Leistungen. In diesem nach wie vor männerdominierten Beruf seien sie später auch gründlicher, beispielsweise bei der Aufbereitung der Frachtpapiere.

Wege zum Traumberuf Lkw-Fahrer

Nach Meinung von Adalbert Wandt, Präsident des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), würden sich junge Menschen oft ein falsches Bild von ihrem künftigen Beruf machen. Abhilfe könnten Praktika schaffen. Interessenten hätten die Möglichkeit auszuprobieren, ob sie sich unter den gegebenen Wettbewerbsbedingungen ein Berufsleben am Lenkrad eines Lkw wirklich vorstellen könnten.

Durch regelmäßige Gespräche mit vielen jungen Fahrern zeigt sich aber, dass die Problemlage deutlich vielschichtiger ist, als es zunächst scheint. Beispielhaft dafür steht vielleicht die Vita von Marc-Phillip Fehde. Der junge Mann aus Freiburg absolviert gerade seine dreijährige Ausbildung bei der Spedition Dischinger aus Ehrenkirchen. Begonnen hat er seine Lehre bei einem Transportunternehmen aus der Region – und hätte dort fast das Handtuch geworfen, weil er, wie er es beschreibt, nichts lernen durfte, sondern sich als billige Arbeitskraft im Lager ausgenutzt fühlte.

Unter den Lehrlingen gibt es auch immer wieder junge Menschen, die ihre erste Ausbildung abbrechen und in ihren Traumberuf wechseln. So wie Timo Pfaff aus Schwenningen. Die Lehre als Steinmetz beendete er vorzeitig und folgte seinem Vater zur Spedition Effinger in Brigachtal. Dort konnte er die Ausbildung verkürzen und ist nun Teil des Teams.

Investition in die Zukunft

Vor allem mittelständische Transportbetriebe unternehmen vieles um für sich und die eigene Branche zu werben. Doch selbst Besuche in den Schulen und Aktionen auf den Ausbildungsmessen und bei Nutzfahrzeugtage auf dem städtischen Marktplatz bringen oft nicht den gewünschten Erfolg. Vor allem in wirtschaftlich starken Regionen, wie beispielsweise Raum Karlsruhe, haben Jugendliche viele Möglichkeiten bei der Wahl ihrer Ausbildungsstelle. Es im letzten Jahr viel schwieriger geworden, motivierte junge Leute zu finden, berichtet die Spedition Nuss aus Wörth. Waren es bislang immer fünf bis sieben BKF-Azubis pro Jahrgang, so sank die Zahl bei Nuss auf zwei Lehrlinge. Konzertierten Aktionen, wie der Bildung einer Berufsschulklasse, werden dadurch schwieriger und weil die vielen kleinen Betriebe eben doch nicht so mitziehen, wie es nötig wäre.

Deshalb legt die Wörther Spedition großen Wert auf die Ausbildung. Die Lehrlinge werden, wie es der Lehrplan vorsieht, über die einzelnen Stationen im Betrieb für den Beruf fit gemacht. Auch das Vorurteil, viele Azubis seien bei Lehrbeginn zu jung, wiederlegt Nuss: Michael Kühn etwa hat bei der Spedition neben der Ausbildung in der Werkstatt so lange Lkw auf dem Betriebsgelände rangiert, bis er den Führerschein CE mit genau 18 Jahren ausgehändigt bekam. Mit bestandener Prüfung bekam er den Code 95 – und darf nun allein gewerblich Lkw fahren.

 

Jan Bergrath

Jan Bergrath (Bild: Jochen Diekmann)

Jan Bergrath ist als freier Journalist seit 25 Jahren überwiegend für die Zeitschrift FERNFAHRER und das Magazin trans aktuell, die im ETM-Verlag in Stuttgart erscheinen, im Einsatz. Darüber hinaus publizierte Bergrath im Tagesspiegel, Stern und dem Kfz-Anzeiger. Seinen thematischen Schwerpunkt hat er auf die Bereiche Arbeitsmarkt in der Logistik sowie Fahrermangel und Nachwuchsförderung gelegt.

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