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Multimodal und mit Gas ins Zentrum von Paris

Die Luft in Paris soll besser werden – bei wachsendem Transportaufkommen kein leichtes Ziel. Ein neuer Schritt auf dem Weg dahin sind Pendelzüge, die in die Stadt fahren, kombiniert mit LNG-Lkw auf der letzten Meile.

Das Projekt könnte eine Vorbildfunktion für andere Millionenstädte haben. Im Pariser Stadtteil Chapelle im 18. Arrondissement entsteht zunächst auf einer ehemaligen Eisenbahnbrache ein neues Logistikzentrum, „Chapelle International“, mit einer Fläche von 45.000 Quadratmetern. Hier sollen ab September 2017 täglich zunächst zwei Pendelzüge mit jeweils 60 Wechselbehältern einrollen, die Feinverteilung der Paletten übernehmen dann Gas-Lkw. Auf diese Weise könnten jährlich 2,6 Millionen Lkw-Kilometer und 1.537 Tonnen CO2 eingespart werden, hat die Stadt Paris berechnet.

Das neue Logistikzentrum wird nicht nur mit dem multimodalen Terminal in Dourges (Pas-de-Calais) sowie ab 2018 mit dem Binnenhafen Bruyères-sur-Oise in der Region Île-de-France verknüpft sein, so dass hier die Verkehrsträger Straße, Schiene und Binnenschifffahrt eng zusammenarbeiten können. Der französische Entwickler von Logistikimmobilien Sogaris ist auch eine Kooperation mit dem Eisenbahnoperateur Eurorail und dem Logistikuntternehmen XPO Logistics (früher: Norbert Dentressangle) eingegangen. Und Letzterer hat die Organisation der Lieferkette vom Lager bis zum Laden übernommen.

XPO spricht von einem „Wendepunkt in der Stadtlogistik“, an den man durch die Kombination von Eisenbahn-Shuttle und Straßentransport gekommen sei. Jetzt werde deutlich, „wie eine verlässliche Logistik der letzten Meile aussehen kann, die sich rechnet und Verantwortung gegenüber der Umwelt übernimmt“. Luftverschmutzung, Lärm und Staus könne so gleichermaßen entgegengewirkt werden. In Paris und dem Großraum werden im Durchschnitt immerhin eine Million Lieferfahrten pro Tag gezählt, Tendenz steigend, auch durch die wachsende Zahl von Bestellungen im Internet.

XPO bekam wohl nicht zuletzt auch deshalb den Zuschlag, weil es bereits Erfahrung mit unkonventionellen Lösungen gibt. So schafft das Unternehmen seit Jahren bereits Lebensmittel für die Kette Franprix per Binnenschiff auf der Seine ins Zentrum von Paris. Anfang Juni nun wurde eine Flotte von 31 Iveco Stralis Euro VI Natural Power am neuen Standort Bondoufle bei Paris in Empfang genommen. Mit fünf anderen Gas-Fahrzeugen gleichen Typs, die zuvor ein halbes Jahr lang als Testfahrzeuge dienten, betreibt XPO damit eigenen Angaben zufolge die größte Gas-Flotte Frankreichs.

Von Bondoufle aus wird Paris bis ins Zentrum hinein mit Palettenware bedient. Die Ausstattung der Niederlassung mit Gasfahrzeugen sei eine neue Etappe auf dem Weg, einen so kleinen ökologischen Fußabdruck wie möglich in der Stadtlogistik zu hinterlassen, ließ das Unternehmen wissen. XPO will künftig nicht nur Bondoufle komplett mit Gas-Zugmaschinen ausstatten. Andere Niederlassungen sollen folgen. Als Argumente dafür dienen nicht zuletzt 96 Prozent weniger Feinstaub und 70 Prozent weniger Stickoxide verglichen mit den Euro-6-Grenzwerten.

Dazu passt, dass am 30. Mai eine öffentliche LNG-Tankstelle von Axègaz Solutions Transport in Lille-Lesquin eröffnet wurde. Sie liege an einem der großen Nord-Süd-Transportkorridore und sei die erste im europäischen Projekt „LNG Motion“, teilte Axègas mit. Die Tankstelle soll dazu beitragen, den Markt für Gasnutzfahrzeuge anzuschieben. Bis Ende 2016 sollen weitere Tankstellen in Sainte-Geneviève-des-Bois, Dijon, Corbas und Orange entstehen. Langfristig sind 42 Axègas-LNG-Tankstellen in neun europäischen Ländern geplant.

Autorin: Regina Weinrich
Bildquelle: XPO Logistics

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