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Mauterlass für sichere Lkw

Wer diese Woche die Verkehrsmeldungen verfolgt hat, den packt der Grusel. Auf der A1 krachen vier Lastzüge ineinander, ein 14-Jähriger stirbt beim typischen Fahrradunfall seitlich neben einem abbiegenden Lkw. Unfälle, die mit dem heutigen Stand der Technik längst vermeidbar sind. Der ZF Innovation Truck behält sein Umfeld stets per Kamera im Auge, Pkw von Google, Audi und Daimler sowie der Future Truck aus gleichem Hause zeigen, wie problemlos und vor allem sicher Fahrzeuge bereits autonom fahren können. Da es hier um ganz viel Verantwortung und Haftungsfragen geht, steht bei allen diesen Entwicklungen die Sicherheit an vorderster Stelle. Natürlich kann jetzt nicht jeder Transporteur die Flotte umstellen, zumal der komplett autonom fahrende Truck noch gar nicht erhältlich ist, doch viele verantwortungsvoll denkende Unternehmer statten ihre Fahrzeuge mit allen Sicherheitsfeatures aus, die es gerade gibt. Auch das bringt schon viel, aber es ist eine freiwillige idealistische Leistung. Monetäre Entlastung auf breiter Front wäre wünschenswert.

Viele der aktuellen Assistenten unterstützen den Fahrer gerade da, wo es gefährlich ist. Sie warnen vor Müdigkeit oder legen bei Gefahr eine Vollbremsung ein. Bei eintönigem Stop-and-go-Verkehr übernehmen sie in manchem Pkw gar schon komplett das Steuer. Gerade Berufskraftfahrer könnten hier etwas Entlastung finden, was ebenfalls ein Beitrag zur Sicherheit wäre. Doch die hart umkämpften Groschen im Transportgewerbe machen die Investition nicht gerade leicht. Es braucht positiven, rechnenswerten Anreiz.

Ist es nicht langsam überholt, die Maut nach Schadstoffklassen zu staffeln? Schon die Euro 5 Fahrzeuge haben hervorragende Abgaswerte erzielt. Natürlich ist saubere Luft elementar für uns alle, aber wer den volkswirtschaftlichen Schaden kennt, den allein Staus verursachen, geschweige denn schwere Unfälle, der muss doch schnell zu der Erkenntnis kommen, dass die Förderung von Sicherheitstechnik schon mittelfristig weit spürbarere Effekte erzielen könnte, als der Wirtschaft die nächste Euro-Norm aufzubrummen. Wie die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im Bericht Mensch und Sicherheit schon 2010 vorrechnete, kosten die Verkehrsunfälle uns jährlich weit über 30 Milliarden Euro. Hier ließe sich eine Menge einsparen, wenn sämtliche Neufahrzeuge, ob groß oder klein, mit entsprechender Technik ausgestattet wären. Dabei meine ich nicht nur Abstandsradar, sondern auch Car-to-Car- oder Car-to-X-Kommunikation. Technik, die vorhanden ist, die aber mangels Förderung zusätzliche Kosten bedeutet. Ich bin sicher, dass nicht nur alle Angehörigen von Verkehrsopfern der Meinung sind, dass dem Unfallwahnsinn mit allen Mitteln zu begegnen ist. Wie viele Opfer muss es also noch geben, bis hier ernsthaft gehandelt wird?

Foto: Thomas Rosenberger

Autor
Andreas Techel
Kommentare: ( 1 )
  1. Den einen Aspekt gegen den anderen ausspielen ist sicher auch nicht die Lösung. Als langjähriger Berufskraftfahrer (über 40 Jahre unfallfrei) weiß ich den Wert des technischen Fortschritts sehr zu schätzen. Allerdings sind selbst fahrende Systeme auch eine Haftungsfrage für die es noch keine gesetzliche Grundlage gibt.
    Entgegen dem enormen Fortschritt in der Technik ist meines Erachtens die Physische und Psychische Qualifikation des bedienenden Personals oft nicht ausreichend.
    Die Dreijährige Ausbildung oder die bestandene Grundqualifikation zum BKF macht noch kein Qualifiziertes Personal aus.
    Eine Intensive Eignungs- und Gesundheitsprüfung würde hier den Spreu vom Weizen trennen und viele Unfälle vermeiden helfen.
    Gefahren und in der Folge Unfälle gibt es aber immer da, wo Menschen arbeiten die Fehler machen.
    Wenn es technisch möglich ist, menschliche Fehler und deren Folgen weitgehend zu minimieren sollte man hier nicht sparen ,da durch die Vermeidung solcher Unfälle ein vielfaches der Investitionssumme gespart wird.

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