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Logistikkonzepte der Zukunft

Stressfaktor Laderampe

Das globale Transportvolumen steigt, Lieferketten werden länger – viele Produkte hinterlassen längst einen internationalen Fußabdruck. Wie können Verlader und Transporteure diese komplexen Warenströme im Griff behalten?

Mit 122 Produktionsgesellschaften, acht Hauptentwicklungsstandorten, 33 Servicegesellschaften und über 650 Servicepartnern ist Logistik auch für ZF ein weltweites Thema. Wir haben mit Peter Heim, Logistikleiter bei ZF, über die besonderen Herausforderungen an Verlader und Spediteure gesprochen.

Peter Heim

Peter Heim Leiter zentrale Logistik, ZF Friedrichshafen AG

Herr Heim, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in der Automobillogistik?

Es gibt ein starkes Wachstum, allerdings nicht in Europa sondern in Asien – vor allem in China. Dort boomt das Geschäft regelrecht. OEMs und Verlader gehen mit den Märkten – die Folge sind kompliziertere und teurere Lieferketten. Außerdem macht die internationale Entwicklung Verlader verwundbarer gegenüber äußeren Einflüssen wie zum Beispiel Währungsschwankungen oder gesetzliche Regelungen. Daher ist es wichtig, risikomindernde Strategien und Abläufe zu entwickeln.

Welche Trends gibt es in der Automobillogistik, um diese Herausforderungen zu bewältigen?

Bei so vielen schnellen Veränderungen gilt es mit Hilfe klarer Strukturen und fähigen Mitarbeitern bestmögliche Vorkehrungen zu treffen. Auf regionaler Ebene setzt die Logistik lokale Ziele und baut auf eine regionale Lieferantenentwicklung. International sind globale Partner mit lokalem Netzwerk und Wissen gefragt. Für eine reibungslose Zusammenarbeit sind weltweite Standards ideal, die so robust wie anpassungsfähig sind und allen Partnern in der Logistikkette schnelle Reaktionen ermöglichen.

Welche Rolle spielt ZF bei der aktuellen Trendsetzung?

Die Internationalisierung der Logistik geht an uns natürlich nicht vorbei. Wir setzen auf ein neues Logistik-Konzept, das wir gerade erproben. Unser Ziel ist es, die globalen Warenströme zwischen unseren Werken und Lagern divisionsübergreifend zu bündeln und flexibler und transparenter zu gestalten. Ein wichtiger Teil davon ist ein aktives Transport-Management-System. Das setzt zum Beispiel einheitliche Standards für elektronische Transport-Bestellungen oder ermöglicht automatische Buchungen. So bleibt ZF von Dienstleistungsunternehmen operativ unabhängig, kann jedoch die gesamte Lieferkette im Blick behalten und steuern.

Was bedeuten die neuen Ansätze für Speditionen?

Für Lieferanten und Dienstleister bringt das klarere und einfachere Zuständigkeiten. Das heißt nicht, dass ZF jeden Prozess in der Tiefe selbst durchführt. Allerdings werden die einzelnen Arbeitsschritte durch die übergreifende Steuerung von ZF für alle nachvollziehbarer. Wir erwarten sowohl ein ansprechendes Qualitätsniveau als auch eine gewisse Flexibilität beim Einsatz der Dienstleister. Das verhindert einen ungesunden Einfluss Einzelner und sichert ein marktadäquates Kostenniveau.

Welche Rolle spielt das Thema Fairness bei diesem partnerschaftlichen Verhältnis?

Fairness spielt bei ZF eine große Rolle. Wenn es um Ausschreibungen geht, versuchen wir im Vier-Augen-Prinzip zu akzeptierten Nominierungen zu kommen. Dazu arbeiten zwei Abteilungen bei ZF zusammen: Einkauf und Logistik. Schwierig ist, dass beide unterschiedliche Interessen beim Beschaffungsprozess haben. Während der Einkauf besonderen Wert auf Kosteneinsparung legt, tendiert die Logistik dazu, ein funktionierendes System nicht sofort zu ändern. Gute Dokumentation der Entscheidungskriterien und ein gemeinsames Verständnis garantieren faire Entscheidungen, die unterschiedliche Interessen beachtet. Keinesfalls geht der Zuschlag automatisch an den Dienstleister mit dem günstigsten Angebot.

Susanne Scherbaum
Autor
Susanne Scherbaum

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