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Lkw-Empfehlungsnetz

LKW Empfehlungsnetz

2015 hat Stuttgart vom Navigations-Hersteller Tomtom einmal mehr den Titel „Stau-Hauptstadt Deutschlands“ verliehen bekommen. Nirgendwo in der Republik läuft der Verkehr schleppender als in der schwäbischen Landesmetropole. Abhilfe soll nun ein Lkw-Empfehlungsnetz schaffen. Es ist Teil einer EU-Initiative, die auf den Namen Civitas 2move2 getauft wurde. Das Ziel ist ein effizienterer und nachhaltigerer Stadtverkehr, der für viele Ballungsräume Europas von zentraler Bedeutung ist. So auch in Stuttgart, wo man als Teil dieses Projekts versuchen will, den Straßengüterverkehr intelligenter zu lenken.

2,5 Millionen Euro Fördermittel fließen dafür über vier Jahre hinweg in die Stadt. Sie investiert es unter anderem in eine emissionsabhängige dynamische Verkehrssteuerung und in ein Lkw-Empfehlungsnetz, das von Verkehrsplanern der Universität Stuttgart ausgearbeitet wurde. Hierbei werteten die Forscher zunächst aktuelle Verkehrsströme aus und informierten dann in öffentlichen Sitzungen und Workshops die Bevölkerung über die Ergebnisse.

Das mehr oder weniger Erstaunliche: Nur sechs Prozent der Verkehrsteilnehmer sind schwere Lkw, trotz der Megabaustelle Stuttgart 21 mitten im Zentrum nutzen diese Lkw bereits ziemlich konsequent die am meisten für sie geeigneten Strecken. Wie also nun Alternativen schaffen?

Bei der ersten öffentlichen Sitzung, die der Autor besuchte, fanden sich sofort mehrere Bürgerinitiativen, die Gefahr im Verzug wähnten und sofort möglichst sämtliche Lkw aus der Stadt verbannen wollten. Auf die Frage, wie dann einer der stärksten Wirtschaftsstandorte der Republik seinen Warenaustausch und die Versorgung der Bürger gewährleisten sollte, fiel tatsächlich die Vokabel „Lastenfahrrad“. Zumindest mit Straßenverengungen, Tempo-30 auf B10 und B27, und Lkw-City-Maut sollte man es dem Lkw so unangenehm wie möglich machen.

Zum Glück ist dem Verkehrsmanagement der Stadt Stuttgart durchaus bewusst, warum Lkw auch als Nutzfahrzeuge bezeichnet werden, aber dennoch ist schwer verständlich, dass bei nur sechs Prozent Verkehrsteilnehmern angesetzt werden soll. Vielmehr müsste doch über die 94 Prozent der anderen nachgedacht werden. Vor allem zur Rush Hour sitzen hier einzelne Personen in ihren Pkw und schleppen sich von Ampel zu Ampel, dabei gilt der Öffentliche Personenverkehr im Raum Stuttgart als einer der bestorganisiertesten hierzulande.

Die ganze Diskussion zeigt jedoch, dass der Lkw leider in manchen Teilen der Bevölkerung als Bedrohung gesehen wird, bestenfalls noch als notwendiges Übel. Progressive Vorschläge aus dem Bereich der Logistik, wie etwa Öffnung der Busspuren für schwere Lkw, hätten demnach sicher eheblichen Überzeugungsbedarf. Immerhin konnte in diesem Plenum erklärt werden, dass Lkw nur auf den Bedarf von Bevölkerung und Wirtschaftsbetrieben ein bestimmtes Ziel ansteuern und dass es eigentlich keine vernünftige Alternative zu ihm gibt. Um seine Fahrt dann wenigstens so effizient und ökologisch verträglich zu machen, müsste er möglichst gleichmäßig rollen. Diese Botschaft ist zumindest den Verkehrsplanern in Stuttgart sehr wohl bekannt. Ob sich dies umsetzen lässt in der engen Stuttgarter Kessellage und mit den vielen Pendlern aus dem Umland, wird sich zeigen.

Bild: Jacek Bilski

Autor
Andreas Techel

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