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Leiser Saubermann

Mit dem E-Force rollt die Zukunft leise und emissionsfrei durch die Städte.

Mit dem E-Force rollt die Zukunft leise und emissionsfrei durch die Städte. Der Elektro-Lkw des Schweizer Iveco-Stralis-Umbaus demonstriert eindrucksvoll, dass das rein elektrische Fahren nicht nur ein Konzept für Pkw ist.

Ungewöhnlich – wer zum ersten Mal in einem rein elektrisch betriebenen Lkw Platz nimmt, der wird von der schieren Ruhe überwältigt. Das Drehen des Zündschlüssels quittiert das Fahrzeug mit einem leisen Surren und zarten Geräuschen des Luftstroms, der den Fahrersitz in seine Startposition bringt. Mehr ist nicht zu hören. Der Fahrer thront in einem Iveco Stralis-Chassis über zwei wassergekühlten Synchronmotoren, die über ein Eingang-Getriebe ihre Kraft an die Antriebsachse weitergeben. Auf der Fahrzeugfront steht in großen Lettern E-Force, ein Schweizer Familienbetrieb, der sich der Elektrifizierung von Lkw verschrieben hat – mit Erfolg. Beim Tritt aufs Fahrpedal ist die Drehmomentstärke des Lkw sofort auszumachen.

Insgesamt bringen die beiden Elektromotoren maximal 300 kW (408 PS) auf den Leistungsprüfstand. Das reicht für ein auf 18 Tonnen Gesamtgewicht ausgelegtes Fahrzeug gut aus. Zudem ist der Verteiler ladewillig – gerade einmal eine Tonne Nutzlast ist der E-Lkw hinter seinen Verbrenner-Brüdern. Und bis zu 300 Kilometer Reichweite bringt der emissionsfreie Lastenträger auch noch mit, zumindest bei moderaten Außentemperaturen. Für die Wintermonate findet sich in der Optionsliste für den E-Force eine Warmluftversorgung für Batterien, die einen Teil der kältebedingten Kapazitätsminderung ausgleicht.

Das alles klingt nach Zukunftsmusik, ist aber bereits in der Transportbranche angekommen. So setzt Ludwig Meyer Logistik den E-Truck im Großraum Berlin bereits als Verteilerfahrzeug im Frischetransport ein. „Bei unseren Überlegungen zu Elektro-Antrieben haben wir uns ausschließlich gefragt, was für unsere Prozesse in regionalen Distributionslogistik relevant ist“, sagt Meyer Logistik- Geschäftsführer Matthias Strehl. Als relevant bezeichnet Meyer Logistik unter anderem emissionsfreies Fahren, aber auch den geräuscharmen Betrieb der Fahrzeuge im innerstädtischen Bereich. Beides kann der E-Force leisten. Denn Emissionen erzeugt das Fahrzeug lediglich indirekt über den Strom aus der Steckdose, lokal ist es emissionsfrei.

Die CO2-Einsparung gegenüber einem herkömmlichen Lkw mit Dieselaggregat beziffert E-Force mit 750 g/km. Die Energie für den Antrieb kommt aus zwei 400 Volt-Batteriemodulen, die jeweils eine Kapazität von 120 kWh haben und an einem 63 Ampere-Anschluss binnen sechs Stunden vollgeladen sind. Bei 32 Ampere verdoppelt sich die Ladezeit. Die Batterien sind über einen einfach gestalteten Mechanismus binnen fünf Minuten austauschbar. Das heißt, wer die noch hohen Anschaffungskosten von 60.000 Euro pro Batteriemodul zusätzlich aufbringt, kann die Reichweite des Lkw per Wechsel auf der Tour verlängern. Zudem ist es möglich, den Lkw nur mit einer Batterie zu fahren und so für kürzere Touren die Nutzlast zu erhöhen.

In Sachen Geräusche ist der E-Force gut aufgestellt: Das Elektroaggregat ist mit einer Geräuschemission von gerade einmal 45 dB(A) leiser als die Abrollgeräusche der Reifen oder das Luftgeräusch beim Befüllen des Sitzdämpfers. Wie bei Elektrofahrzeugen üblich, ist auch der E-Force in der Lage, Bremsenergie zurückzugewinnen. Einem Lkw-Fahrer geht das Bremsen via Rekuperation relativ leicht von der Hand. Denn dazu aktiviert der Fahrer in gewohnter Weise per Lenkstockhebel den siebenstufigen Retarder, der die Bewegungsenergie des Fahrzeugs bis zu einem gewissen Grad in Batteriestrom umwandelt. Geht der Fahrer nur vom Gaspedal, rekuperiert der Lkw nicht, sondern wechselt in eine widerstandoptimierten Segelmodus, um den Schwung des Fahrzeugs auszunutzen. Wer nur kurz rekuperieren möchte und dazu nicht den Lenkstockhebel einsetzen, der kann auch mit dem umgebauten Kupplungspedal die Energierückgewinnung stufenlos steuern.

Am Ende bleibt der immer der gleiche Eindruck von E-Fahrzeugen: Der Lkw funktioniert und hat das Zeug, den Verteilerverkehr im Nahbereich zu übernehmen. Die größte Herausforderung bleiben die Kosten für Elektrofahrzeuge. Laut E-Force rechnet sich der E-Lkw im Vergleich zu einem Dieselfahrzeug bei einer jährlichen Laufleistung von rund 40.000 Kilometern. Das ist bei täglichem Einsatz des Fahrzeuges gut machbar. Vielleicht motiviert das manchen Fuhrparkleiter zum Kauf eines E-Force, dann ist es irgendwann auch nicht mehr ungewöhnlich. in einem elektrisch angetriebenen Lkw zu fahren.

Text: Markus Braun

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