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Kraftfahrer 4.0

Digitale VernetzungIndustrie 4.0, Arbeit 4.0 und auch Logistik 4.0 – Begriffe, die immer häufiger durch die Medien flattern und doch höchst unterschiedlich interpretiert werden. In der Regel steht der Zahlencode „4.0“ für die Vernetzung von Maschinen oder von Prozessen, die als System mit hohem Automatisierungsgrad besonders effizient und leistungsstark sind.

Im Straßengütertransport finden sich bereits zahlreiche Beispiele. Ob dies ausgeklügelte Telematiksysteme sind, die sämtliche Parameter eines Transports transparent halten, oder der teilautonom fahrende Lkw, der durch die zeitweilige Übernahme von Lenkrad, Gas und Bremse auf einfacher Strecke bald kostbare Lenkzeit einspart – das ist erst der Anfang. Die Vernetzung, technische Autarkie von Systemen und die Automation wird noch sehr viel stärker zunehmen.

Wie das aussehen könnte? So zum Beispiel: Die Telematik eines Transportunternehmens berücksichtigt die Anforderungen der verschiedenen Kunden regional sowie zeitlich, disponiert entsprechend die zur Verfügung stehende Flotte und ordert gegebenenfalls zusätzliche Fahrzeuge beim Vermieter, da auch die Kalkulation hinterlegt ist. Die Fahrzeuge selbst sind so „intelligent“, dass sie etwa unterwegs benötigte Verschleißteile selbständig in eine Werkstatt bestellen, die sich gut in die Routenplanung einbauen lässt. Dies ist nur ein kleines Szenario, doch Transport 4.0 könnte allumfassend wirken: vom Auftragsmanagement mit automatisierter Rechnungserstellung über die Transportsteuerung bis hin zur bedarfsgerechten Akquise, wenn das System per Suchmaschine nach potenziellen Kunden suchen würde.

Wird dann im Warenverkehr niemand mehr mit keinem sprechen und sich nur noch die Computer ihre Zahlenkolonnen hin und her schicken, während auf den Straßen fahrerlose Lastzüge umherrollen, die in den Ladestellen von Robotern be- und entladen werden? Der Eindruck könnte entstehen. Aber es ist davon auszugehen, dass die Vielfalt der Warenversender und -empfänger, der Transporteure selber und der höchst unterschiedliche regionale Entwicklungsstand ein derartiges Szenario erst in einigen Jahrzehnten entstehen lässt. In wenigen besonderen Kunden-Transporteur-Beziehungen vielleicht sogar früher. Die Technik wäre wohl fast so weit, aber in der Fläche werden die genannten Strukturen ein ganz anderes Tempo vorgeben.

Dennoch gilt für alle Beschäftigten in der Logistik, dass sich das Berufsbild immer stärker verändern wird. Die Entscheider stehen vor der Herausforderung, Weichen zu stellen, die zum eigenen Unternehmen und zum Kundenstamm passen, um den Trend der immer schmaleren Margen durch Effizienz aufzuhalten. Auf operativer Ebene empfiehlt es sich, offen für das Thema Vernetzung zu sein und die nötige Flexibilität zu entwickeln. Der Chef wird sich in diesen komplexen Zeiten über jeden freuen, der konstruktiv mitdenkt.

Autor
Andreas Techel

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