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Kontroverse Diskussionen beim Logistik-Kongress in Stuttgart

Fair Play zwischen Verladern, Dienstleistern, Politik und Wissenschaft

Der Logistik-Kongress zum Thema „Fair Play“ in der Stuttgarter Liederhalle diente dem Austausch zwischen Verlader, Dienstleister, Politik und Wissenschaft.

Der Logistik-Kongress Baden-Württemberg 2014 hat mit dem Titel „Fair Play“ ein Zeichen für die Notwendigkeit einer gut funktionierenden Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten in der Logistikbranche gesetzt. Die Diskussionsrunden und Fachvorträge dienten dem Austausch über die Möglichkeiten, ein faires Miteinander in Beschäftigung und Wettbewerb zu gestalten.

Das Themenspektrum reichte dabei von Zeitarbeit über Tarifautonomie bis zu Compliance und Auftragsvergabe. Dabei wurde klar, dass zu viel Regelungswut verunsichert, zu wenige Regeln aber Probleme schaffen – Lohndumping, Ausbeutung, schlechte Arbeitsbedingungen und mehr. Dabei sei aber „Fair play“ im Wirtschaftsleben durchaus möglich, sagte Andrea Kocsis, Stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Leiterin des Bundesfachbereichs Postdienste, Speditionen und Logistik.

Wir sind optimistisch, dass wir uns auf einem guten Weg befinden. Doch in den letzten Jahren ist der Wettbewerb über die Löhne geführt worden.

Der Spagat zwischen Wettbewerb und klaren Sozialbedingungen brauchte Partner, die ein Interesse an der Einhaltung haben. Sonst geht die Spirale stets nach unten.

Nach Meinung von Prof. Dr. Christoph Lütge, Wirtschaftsethiker an der Technischen Universität München, ist die Politik für die Regeln zur Einhaltung von moralischen Normen zuständig.

Grundsätzlich bringen Regeln eine Verbesserung der Moral für das System,

sagt Lütge. Manche Unternehmen befürchten zwar, dass etwa durch Compliance-Regeln die Schranken sehr eng gesetzt würden. Doch es gebe trotzdem immer noch genügend Spielraum für die Unternehmen.

In großen Unternehmen braucht es jemanden, der für die Einhaltung der Compliance-Regeln sorgt,

sagt Jörg Mannsperger, Mitglied des Dekra Vorstands und Leiter der Dekra Akademie. Darum kümmere sich auch Dekra als Dienstleister. Dabei sei die Zeitarbeit zu unrecht in Verruf geraten. Diese stehe nicht für Lohndumping, sondern biete ein Tor zurück in eine feste Beschäftigung.

Dass ein Unternehmen in die Ausbildung investieren muss, betonte Karlhubert Dischinger, Spediteur und Präsident des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL). Er kritisierte eine Entwicklung bei Verladern und Industrie hin zu mehr Größe und dadurch mehr Unpersönlichkeit. Dischinger wünscht sich auch mehr Selbstbewusstsein der Branche:

 Da müssten die Unternehmen selbst dran arbeiten, dass Fahrer und Lageristen zu ihrem Beruf stehen.

Eine große Herausforderung liege darin die Internationalisierung und den Trend zur Kabotage vernünftig zu lösen. Er stellte zugleich aber klar:

 Wir wollen keine billigen Leute, sondern gut ausgebildete Fahrer.

Das Thema Zeitarbeit wurde ebenfalls kontrovers diskutiert. Für Mannsperger stünden die Ergebnisse des Mindestlohns in keinem Verhältnis zu dem Widerstand, der daraus entstünde.

 Die überwiegende Zahl unserer Unternehmer sind moralische Menschen,

sagte er und beklagte die Regelungswut in Deutschland. Doch für Andrea Kocsis hat der vermehrte Zeitarbeitnehmereinsatz dazu geführt, dass es eine zweite Reihe von Belegschaft gibt, mit geringerem Verdienst und der Drohung an die Stammbelegschaft, was ihnen passieren könnte. Ein Riegel nach unten sei deshalb absolut notwendig gewesen.

Fair Play zwischen Verladern und Speditionen zum Wohl der Belegschaft scheint ein Problem zu sein, das noch nicht gelöst ist. Einfache Lösungen gibt es nicht, doch mit Vernunft, Qualität und klaren Regeln lässt sich vieles erreichen. Auf der Suche nach Kompromissen zwischen dem freien Spiel der Kräfte und der kompletten Regelung sind Transparenz und Fairness zentrale Punkte.

Bildergalerie

Text und Bilder: ETM Verlag

Autor
Jana Bronsch

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