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Kann Technologie die Fahrpersonalsituation entschärfen?

ZF Zukunftsstudie SymposiumDie NFZ-Industrie traff sich Ende September auf der 65. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Mit mehr als 300 Weltpremieren, von denen über zwei Drittel von den Automobilzulieferern kommen, muss sie sich in Sachen Innovationspotential nicht verstecken. Innovationen braucht die Transportbranche – technologisch, in der Prozess- und Personalplanung. Der Lkw ist heute zwar das Rückgrat des Güterverkehrs. Es klafft aber eine immens große Lücke zwischen dem, was Transportunternehmen in Deutschland auf Grund einer starken produzierenden Wirtschaft auf die Straße bringen könnten, und vorhandenem Fahrpersonal.

Wenn nicht auf der IAA, wo sonst lohnt es sich, die Personalsituation im Straßengüterverkehr und die Rolle des Fahrers zu diskutieren? ZF, der FERNFAHRER und die DEKRA haben anlässlich der Veröffentlichung der zweiten ZF Zukunftsstudie Politik, Verbände und Industrie und aktive Fahrer auf dem IAA Symposium „Gehen Europa die Fahrer aus?“ zusammengebracht.

Vernetztes Fahren als Zukunftsfaktor

Die Technologie macht Sieben-Meilen-Sprünge – das zeigt sich an aktuellen Beispielen vom teilautonomen Fahren bis hin zum ZF Innovation Truck. Vor allem das vernetzte Fahren wird die Logistik in kurzer Zeit und nachhaltig verändern. Das betrifft auch den Beruf des Kraftfahrers und seine Einsatzgebiete: Arbeitsteilung und Spezialisierung werden bei der Personalplanung einen höheren Stellenwert einnehmen. Vor allem die Spezialisierung in den Verkehren fördert dann höhere Standards – an das Know-how der Fahrer, aber in sozialer Hinsicht auch an Arbeitgeber. Sie müssen Planbarkeit und Work-Life-Balance in der Ansprache ihres Nachwuchses berücksichtigen, um der Fahrpersonalsituation zu begegnen.

Industrialisierung + Technologie = X ?

Das vernetzte Fahrerhaus und spannende Technologie im Job können eine Chance sein, die junge Generation anzusprechen und Nachwuchs zu gewinnen. Beides ist aber nicht nur ein Image-Faktor für den Nachwuchs. Auch die voranschreitende Industrialisierung des Straßengüterverkehrs wird von den technologischen Entwicklungen unterstützt. Lkw-Verkehre werden in den nächsten Jahren planbarer – das kommt dem Wunsch der Azubis und vieler Fahrer nach einem geregelteren Arbeitstag entgegen. Dass die Industrialisierung immer wichtiger wird, ist eines der Ergebnisse der aktuellen ZF Zukunftsstudie.

VDA-Fachkonferenz während der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover

Fahrer geben den Ausschlag

Wichtig bei all diesen Neurungen ist deren Akzeptanz bei den Fahrern. Die Diskussion mit aktiven Kraftfahrern aus dem Fern-, Nah- und Regionalverkehr zeigt: diese ist nicht selbstverständlich. Wann das teilautonome Fahren Einzug in den Fahreralltag nehmen wird, ist bekanntlich umstritten. Ausbilder, Industrie, Verbände und Politik sind in der Bringschuld dem Nachwuchs die Vorteile der technologischen Neuerungen schon in der Ausbildung zu erklären, den Kraftfahrer-Beruf damit interessanter und wo möglich angenehmer zu gestalten. Nur wenn Fahrer die Technik akzeptieren, kann sie auch ihre Vorteile entfalten.

Entwicklung des Fahrpersonalbestandes
(ZF Zukunftsstudie 2014)

Die Fahrerschaft altert, und zwar dramatisch. Das Durchschnittsalter der Fahrer liegt derzeit bei 46 Jahren – Tendenz steigend. Allein Demografie bedingt brauchen wir also mehr Nachwuchs, in den nächsten fünf Jahren sind das ca. 12.000 Fahrer. Bei 40 Prozent mehr Tonnenkilometer-Leistung, die Lkw bis 2030 auf die Straße bringen, verschärft sich diese Zahl. Zudem haben wir in Deutschland ein geringes Ausbildungsengagement (nur 11 Prozent der Betriebe in Deutschland bilden aus) und hohe Abbruchquoten bei den Auszubildenden, der zudem die Belastungen des Fahrerberufs (wenig Planbarkeit, lange Unterwegszeiten, geringe Vergütung) nicht mehr auf sich nehmen möchte.

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admin

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