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Intelligente Netzwerke

„iLAN“ nennt die Ladungskooperation ELVIS ihren Ansatz für mehr Effizienz durch Umstellung auf Depot-, Begegnungs- und Hubverkehre. Das an einen großen Computerhersteller erinnernde Kürzel steht für intelligentes Ladungsnetzwerk. Den Feldversuch wollen die Logistiker im Oktober starten.

Die anvisierte Effizienzsteigerung soll vor allem durch einen produktiveren Fahrzeugeinsatz zustande kommen. Dahinter steht der Gedanke, dass die Fahrzeuge nicht mehr stundenlang stehen, weil Fahrer etwa darin ihre Ruhezeiten verbringen, sondern die Räder im Idealfall rund um die Uhr laufen. Das will ELVIS dadurch erreichen, dass die Lkw zum Ende einer Lenkzeit wieder an ihr Depot zurückkehren, wo sie ihre nächste Reise antreten und die Fahrer getauscht werden. Dieses Aufbrechen der Fahrer-Fahrzeug-Bindung ist laut der ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER ideal auf den Fahrertyp 3, den „Rationalen“ zugeschnitten. Er betrachtet das Fahrzeug eher als Produktionsmittel, denn als „Zweitwohnsitz“ und legt mehr Wert auf geregelte Arbeitszeiten. Somit könnte das Modell „iLAN“ gerade für solche Fahrer sehr attraktiv sein.

Was einleuchtend klingen mag, ist in der Umsetzung ein anspruchsvolles Unterfangen: ELVIS musste ein deutschlandweites Netzwerk mit festen Depots schaffen, zwischen denen die Ladeeinheiten bewegt werden können. Die Depots mussten geografisch sinnvoll auf die Republik verteilt werden, wobei es ELVIS wichtig war, das Netz möglichst dicht zu knüpfen: Die Stützpunkte sollten nicht weiter als eine halbe oder ganze Lenkzeit voneinander entfernt sein. Dafür hat ELVIS vorsichtig rund 250 beziehungsweise 500 Kilometer veranschlagt. Im ersten Fall fährt der Fahrer durch und wieder zurück, im zweiten trifft man sich auf halber Strecke (gegebenenfalls ebenfalls in einem Depot) und tauscht den Auflieger.

Die Frage ist nur, wie viele Sendungen innerhalb des ELVIS-Verbunds überhaupt für diese Art der Produktion infrage kommen, sich also als Depot- oder Begegnungsverkehre darstellen lassen oder möglicherweise sogar als Hubverkehre geeignet sind, wenn man noch das ELVIS-Teilladungshub in Knüllwald dazu nimmt. Das Institut für Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt (FH EF) hat dies von Juni bis November vorigen Jahres aufgrund von 500.000 Sendungsdaten simuliert. Die Daten stammen aus einem Kreis von 17 ELVIS-Partnern, die zusammen mit dem Hub in Knüllwald 21 Depots in Deutschland stellen. Teilnehmer der ersten Stunde sind die Speditionen Schwarz aus Herbrechtingen und LIT aus Brake, die IT dahinter liefert das Systemhaus Eikona aus Volkach.

Das Ergebnis der Betrachtung: 135.372 der analysierten 500.000 Sendungen kommen grundsätzlich für „iLAN“ infrage, 31.117 sind im aktuellen Netzwerk bearbeitbar, was einer Quote von 23 Prozent entspricht.

Das Ergebnis stimmt die Entwickler zuversichtlich, was den anstehenden Feldversuch angeht.

Dazu müssen die Sendungsdaten Elvis in Echtzeit zur Verfügung stehen, so dass das System den Projektteilnehmern zu einer bestimmten Deadline – wahrscheinlich am späten Nachmittag – Vorschläge für ein dynamisches Routing unterbreiten kann. Möglich machen soll das ein ausgeklügelter Algorithmus, der täglich aufs Neue berechnet, welche Sendungen sich als Depot-, Begegnungs- oder Hubverkehr möglichst wirtschaftlich abwickeln lassen.

Weitere Interessenten, die sich an „iLAN“ beteiligen wollen, sind laut ELVIS willkommen. Die Unternehmen müssen sich verpflichten, ein bestimmtes Gebiet zu bedienen, wahrscheinlich eine bestimmte Zahl an Fahrzeugen dort vorhalten und im Idealfall auch eigene Sendungen mitbringen.

ELVIS-Vorstand Jochen Eschborn macht sich schon lange dafür stark, dass Ladungsverkehre stärker auf Wirtschaftlichkeit getrimmt werden, daher verspricht er sich von „iLAN“ besonders viel: „Wenn es uns gelingt, die Verkehre zu industrialisieren, also Fahrerarbeitszeit und Fahrzeugeinsatz zu entkoppeln, sind Kostenersparnisse bis zu 20 Prozent möglich“, prognostiziert er. Und ganz nebenbei trage man dazu bei, den Fahrermangel zu entschärfen, weil durch planbare Einsatzzeiten und die tägliche Rückkehr nach Hause das Berufsbild gerade für junge Menschen deutlich attraktiver werde.

Text: Matthias Rathmann, Andreas Techel
Bildrechte: Krone

Autor
Andreas Techel

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