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Gute Zeiten für die Kleinen

Automobile Lösungen für die Zukunft der letzten Meile sind rar. Das könnte Kleinlieferwagen eine Karriere in der Logistik ermöglichen. Allerdings müssen die Autohersteller die Mini-Vans dazu teilweise neu erfinden.

Innovative Transportmittel für die letzte Meile sind bei Logistikern derzeit en vogue. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis elektrische Lastenräder und Trikes, Paketdrohnen und Zustellroboter zur Grundausstattung eines Fuhrparks gehören. Automobile Lösungen hingegen musste man bislang mit der Lupe suchen. Dabei könnte die Zukunft durchaus auch auf vier Rädern rollen.

Ginge es nach der Unternehmensberatung Roland Berger, kommen kleine Vans in den nächsten zehn, 15 Jahren groß raus. In der aktuellen Ausgabe ihrer „Automotive Insights“ nehmen die Marktexperten Fahrzeugkonzepte ins Visier und rechnen dabei den Kleinlieferwagen besten Chancen für eine Karriere auf der letzten Meile aus.

Bis 2030, so heißt es, soll sich der Marktanteil dieser Fahrzeuge verdoppeln, während der Gesamtmarkt der Vans in dieser Zeit nur leicht zulegt. Gute Zeiten also für VW Caddy, Fiat Dobló Cargo, Mercedes-Benz Vito und Renault Trafic? Im Prinzip schon. Allerdings muss sich der Kleintransporter im Hinblick auf seine Funktionalität in Zukunft deutlich verändern.

Was den Marktforschern vorschwebt, ist ein Kleinlieferwagen mit vielfältigen Talenten. Bei Licht betrachtet beschreibt die Prognose einen Paradigmenwechsel für den Bau dieser Fahrzeuge. Natürlich bezieht der Kleinlieferwagen der Zukunft die Energie für den Vortrieb aus einer Batterie. Er hat jede Menge Telematik an Bord, um sich unterwegs mit Auftraggebern, Spedition und Kunden zu vernetzen. Hier sind Applikationen im Spiel, von denen aktuelle Modelle nur träumen können. Dass ein Van im Hinblick auf Leistung und Geschwindigkeit eine ordentliche Performance an den Tag legt, ist in Zukunft jedoch ebenso wenig erforderlich wie eine aufwändige Ausstattung oder ein bestimmtes Design.

Kriterien wie Verarbeitung, Zuverlässigkeit und Robustheit werden umso wichtiger. Damit einher geht der Anspruch, das Lieferauto für vorausschauende Wartungsarbeiten und Ferndiagnosen mit der Werkstatt zu verbinden. Zunehmen dürften auch die Ansprüche auf Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit.

Eine zentrale Anforderung der Zukunft an die kleinen Vans ist eine ausreichende Flexibilität. In der Prognose verwischen sich in diesem Punkt die Grenzen zwischen Logistik und individueller Mobilität. Der Kleinlaster der Zukunft kann daher Güter ebenso transportieren wie Menschen. Er ist also Taxi und Transportmittel. Sind keine Passagiere an Bord, nehmen zusätzliche Güter den freien Platz ein und umgekehrt. Die klare Botschaft der Unternehmensberater: Kleinlieferwagen müssen im Hinblick auf ihre technische Konstruktion einfacher werden, dabei aber auch flexibel für verschiedene Aufgaben sein.

Wie dieser Kleinlieferwagen der Zukunft aussehen könnte? Dazu braucht es keine Animationen und aufwändige Modelle. Das Fahrzeug gibt es nämlich schon. Die Deutsche Post DHL hat mit ihrem „Streetscooter Work“ ein Elektrofahrzeug im Einsatz, das die Blaupause für neue Modelle in diesem Segment abgeben könnte.

Nach Bonn, Bochum und Köln soll der Stromer jetzt auch in Stuttgart die Fahne der CO2-freien Paketzustellung hoch halten. Mittlerweile sind über 1000 Einheiten im Einsatz. Die neueste Version mit höherer Ladekapazität und größerem Elektromotor hat der Logistikkonzern gerade unter dem Label „Streetscooter Work L“ auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover vorgestellt. Das Fahrzeug soll in der kombinierten Zustellung von Briefen und Paketen sowie in der reinen Paketzustellung zum Einsatz kommen.

Der „Streetscooter Work“ ist konsequent auf Funktion getrimmt. Dass daraus ein Design entstehen kann, das die Herzen erwärmt, wissen Freunde des Lieferwagens Renault 4 seit den 60er Jahren. Die Ähnlichkeiten des DHL-Kleinlasters mit dieser Ikone des Automobilbaus mögen im Auge des Betrachters liegen. Es braucht jedoch keinen Hellseher, um dem knuffigen Elektromobil eine ansehnliche Laufbahn in der Paketzustellung vorauszusagen. Wie es heißt, punktet der DHL Streetscooter in den Kategorien Robustheit und Ergonomie, Funktionalität und Nutzen sowie bei den Total Cost of Ownership (TCO).

Laut DHL hat der Elektrolaster auch schon Begehrlichkeiten bei Kommunen und Handwerkern geweckt. Dank seiner modularen Bauweise ließe sich das Fahrzeug problemlos an die Anforderungen dieser Kunden anpassen.

Text: Joachim Geiger // Bild: DPDHL

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