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Gut versorgt: Die Initiative DocStop kümmert sich um medizinische Hilfe für Lkw-Fahrer

DocStop

Starke Kopfschmerzen oder eine verstopfte Nase wegen der man nicht mehr richtig atmen kann – für Kraftfahrer sind diese Probleme oft kein leichtes Unterfangen. Längere Zeit am Stück unterwegs zu sein bedeutet für sie, auch lange auf die hausärztliche Versorgung verzichten zu müssen. Einfach so mit einem 40 Tonnen schweren Lkw in die nächstgelegene Gemeinde zu fahren um dort einen Arzt aufzusuchen, den man nicht kennt, der einen aber zeitnah behandelt, gestaltet sich für die meisten Fahrer überaus schwierig. Das dachte sich auch Rainer Bernickel, als er mit Partnern den Verein DocStop für Europäer e.V. 2007 gründete. Der ehrenamtlich arbeitende Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die medizinische Unterwegsversorgung für Lkw-Fahrer in Europa zu verbessern. Wer sich während seiner Fahrt nicht gut fühlt, kann einfach die DocStop Hotline anrufen, die dem Trucker dann einen Arzt in der Umgebung nennt, der am Programm teilnimmt. Die DocStop Mediziner nehmen die Lkw-Fahrer dann bevorzugt an die Reihe, sodass sie wenig Zeit verlieren. Wir haben mit Rainer Bernickel über seine Motivation und seine Initiative gesprochen.

 Herr Bernickel, warum haben Sie die Initiative DocStop ins Leben gerufen?

Seit meinem Start bei der Polizei im Jahr 1970 hatte ich einen ganz persönlichen Draht zu den Lkw Fahrern, weil sie für mich in der Kausalkette im Straßenverkehr das schwächste Glied sind. In meinen Anfangszeiten von 1970 bis 1980 nannte man sie noch Könige der Landstraße. Jeder wusste, welche verantwortungsvolle Aufgabe sie wahrnehmen, indem sie ein ganzes Land mit den erforderlichen Konsumgütern versorgen. Heute bewerten die Menschen sie nur noch als Geschwindigkeitsreduzierer im öffentlichen Verkehrsraum. Auf erforderliche Hilfen können sie nur selten hoffen. Insgesamt kann man sagen, dass die Wertschätzung der Berufskraftfahrer durch die Bevölkerung sehr gering ist. Daher ist es mir eine Herzensangelegenheit, diese Berufsgruppe zu unterstützen und zu fördern. Außerdem habe ich während meiner Tätigkeit als Polizist bei der Autobahnpolizei die mittlerweile bundesweiten „Fernfahrerstammtisch“ ins Leben gerufen. Hier kam auch der Hinweis, man fühle sich während der Abwesenheiten von den Speditionshöfen medizinisch unterversorgt. Daraufhin entwickelte ich über ein Jahr lang das DocStop-Konzept um eine Verbesserung der untragbaren Situation zu schaffen.

Wie war die Anfangszeit der Initiative für Sie? Stießen Sie auf Begeisterung bei den angesprochenen Personen oder eher auf Unverständnis?

Die Anfangszeit war schwierig und mit „Klinkenputzen“ verbunden. Ich musste viele Kilometer fahren und Gespräche mit Vertretern aus der Industrie, Verbänden, Politik und den dringend benötigten Medizinern führen sowie Überzeugungsarbeit leisten. Bei der Suche nach Medizinern, die sich in das gewünschte Konzept integrieren ließen, ging es relativ leicht und ich traf auf ein großes Verständnis bei den Ärzten. Die Gründe waren unterschiedlichster Natur und die Hilfsangebote kamen immer sehr spontan.

Wie rekrutieren Sie die teilnehmenden Ärzte?

Dies geschieht zum Beispiel über die Veröffentlichung von Berichten zum Thema „fehlende medizinische Unterwegsversorgung für Lkw Fahrer“ in Fachzeitschriften für Mediziner, aber auch durch viele persönliche Kontakte und auf Empfehlungen. Außerdem haben sich einige Vorträge bei Tagungen von Medizinern und auf medizinischen Fachmessen als sehr hilfreich erwiesen.

DocStop KRONE-Trailer

Übergabe der ersten 5 KRONE-Trailer

Wie sieht die Organisation aus? Wie motivieren Sie ihre Ehrenamtlichen und welche Arbeiten verrichten diese?

Mit der Gründung des gemeinnützigen Vereins DocStop für Europäer e.V. sind wir 2007 gestartet. Es bedurfte keiner besonderen Motivation der jetzigen Vereinsmitglieder, alle sind „Überzeugungstäter“, kennen das Berufsbild und stehen voll hinter den Statuten des Vereins. Der Vereinsvorsitzende, Joachim Fehrenkötter, ist eine ideale Besetzung auf dieser Position, da er als Spediteur die gesamte Bandbreite der Logistik und des Speditionsgeschäftes, aber auch die Probleme der Berufskraftfahrer kennt.

Wissen die meisten Fahrer von Ihrem Angebot?DocStop_Infocard_06-13Nach intensiven Recherchen und Befragungen der Fahrer bei meinen europaweiten Fahrten gehen wir davon aus, dass bislang bundesweit ca. 50 Prozent der Bus-& Lkw Fahrer DocStop kennen. Nach sieben Jahren harter Arbeit steigt der Bekanntheitsgrad kontinuierlich. Es gibt natürlich immer noch viel zu tun und daher freuen wir uns über die Beteiligung und Unterstützung unserer kompetenten Fördermitglieder und Unterstützer.

Wie machen Sie Ihr Angebot publik?

Da unsere Partner und Förderer zu einem großen Anteil aus der Transport-und Logistikbranche kommen, sind die Veröffentlichungen über DocStop in deren Kommunikationsmitteln sehr hilfreich. So erzielen wir eine häufige Berichterstattung in den Fachmedien. Außerdem bewirkt die Mund zu Mund Propaganda sehr viel.

DocMobil

Einsatz des DocMobils beim Sicherheitstag in Niedersachsen

Wir führen auch regelmäßig Fahrten im bundesweiten Autobahnnetz mit unserem „DocMobil“, das von Mercedes Benz gesponsert wurde durch. Dabei suchen wir das persönliche Gespräch mit den Berufsgruppen, um so das Bewusstsein für die medizinische Unterwegsversorgung zu steigern.Diese Wege haben sich bewährt und das Angebot wird sehr gut angenommen. Viele positive Rückmeldungen durch die Nutzer bestätigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Fahrerinnen und Fahrer sind sehr froh, während der oft tagelangen Abwesenheit von den Speditionshöfen auf eine gut organisierte medizinische Hilfe zurückgreifen zu können.In welchen Ländern versorgt DocStop die Fahrer?

Unser Hauptaugenmerk liegt derzeit noch auf Deutschland. Hier soll das Netzwerk noch weiter ausgebaut werden. In Padborg, Dänemark, gibt es innerhalb eines großen Logistik-und Gewerbeparks dank der Unterstützung des Dänischen Transportverbandes (ITD) vier DocStop Points, die aktive Hilfe anbieten. Mit dem polnischen Partner trans.org werden sehr zeitnah auch in Polen DocStop Anlaufstellen zur Verfügung stehen. In der letzten Woche haben wir Gespräche in Österreich geführt und hoffen, ein medizinisches Netzwerk mit unseren Partnern schnell aufbauen zu können. Ganz frisch im „Programm“ sind erste Kontakte mit einem Logistikverband in Holland.

DocStop

DocStop ist Dank Hotline und Internet rundum die Uhr erreichbar

Weiter Informationen zur Initiative DocStop für Europäer e.V. gibt es auf der Homepage und auf Facebook

Susanne Scherbaum
Autor
Susanne Scherbaum

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