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Fußballprofi arbeitet an neuem Treibstoff

Fußballbus_1Bei Arsenal London spielt Mathieu Flamini im defensiven Mittelfeld oder als Außenverteidiger. Doch im Energiemarkt geht der französische Fußballprofi jetzt auf Angriff. Für seine Profifußballkarriere hängte der 31-jährige sein Jurastudium an den Nagel, doch nebenher verfolgt er seit sieben Jahren ein anderes Ziel. Er will eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative zum Erdöl auf den Markt bringen.

Zusammen mit seinem Partner Pasquale Granata gründete er 2008 die Firma GFBiochemicals und entwickelte gemeinsam mit Wissenschaftlern am Mailänder Polytecnico und der Universität Pisa eine Produktionstechnologie, die es ermöglicht, kostengünstig Lävulinsäure herzustellen, welche zukünftig Erdöl als Rohstoff ablösen soll. Lävulinsäure wird aus Biomasse wie zum Beispiel Gras, Heu, Holz oder Zellulose gewonnen. In ihrer Firma in Caserta (Italien) produzieren sie seit Juli diesen Jahres den Stoff, der zukünftig vielfältig einsetzbar sein wird und ebnen sich damit den Weg zu einem Markt, der ein zig-Milliarden-Euro-Potenzial besitzt, wenn er tatsächlich eine Revolution des Energiemarktes auslöst.

Die Bandbreite des Produkts ist beeindruckend. Die Lävulinsäure ist nicht nur in der Pharmazie, der Landwirtschaft oder der Lebensmittelherstellung brauchbar, sondern auch in der Industrie und bei der Produktion von alternativen Treibstoffen. Methyltetrahydrofuran, ein Derivat der Lävulinsäure, kann in einem Verhältnis von bis zu 50 Prozent mit Benzin vermischt werden, was zu einer Erhöhung der Fahrzeugleistung und gleichzeitig zu einer Emissionsreduktion führt. Für diese bahnbrechende Produktionstechnologie erhielt GFBiochemicals vor drei Wochen den John Sime Award für die Präsentation der innovativsten Neuentwicklung beim Europäischen Forum für industrielle Biotechnologie und Bioökonomie (European Forum for Industrial Biotechnology and the Bioeconomy) EFIB in Brüssel. Damit ist es dann zwar noch ein weiter Weg bis zum Antrieb schwerer Nutzfahrzeuge, denn die äußeren Einflüsse werden das Tempo der Entwicklung vorgeben: Gesetzliche Vorgaben zu Emissionen und die Entwicklung des Erdölmarktes können mittel- und langfristig für radikales Umdenken in der Antriebstechnik sorgen.

Nicht nur GFBiochemicals sondern viele weitere Unternehmen und Forschungseinrichtungen beschäftigen sich permanent mit der Entwicklung alternativer Antriebe und Treibstoffe, welche bereits im Einsatz sind. Als Beispiel sind hier Biodiesel und Biogas zu nennen, die eine CO2-Reduktion von 66 bzw. 90 Prozent versprechen. Auch HVO (Hydrogenated Vegetable Oil) ist eine Möglichkeit qualitativ hochwertige biologische Dieseltreibstoffe zu produzieren, die eine Emissionsreduktion um 90 Prozent versprechen. Dazu benutzt man Altöl, Rapsöl, Palmöl und Tierfett. HVO hat ein hohes Potenzial für breite Anwendungen bis hin zu Flugtreibstoff, da er sich je nach Anforderungen des Antriebs zusammenstellen lässt. In Deutschland wird HVO bereits in geringen Mengen dem herkömmlichem Diesel beigemischt, könnte aber auch als Reinkraftstoff fungieren.

Text: Carina Belluomo
Foto: MAN

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admin

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