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Fröhliches Miteinander

WeTruck  Lkw-Mitfahrzentrale

Missverständnis ist oftmals der Ursprung vieler Verkehrsprobleme. Fußgänger, Radfahrer und Pkw-Lenker haben meist keine Vorstellung davon, was es bedeutet, einen 40-Tonner durchs Verkehrsgetümmel zu steuern. Die Folgen sind nicht selten katastrophal. Radfahrer sterben im „Toten Winkel“ abbiegender Lkw, im Auto wird oft das Reaktionsvermögen oder auch das Tempo eines Lastzuges falsch eingeschätzt, was beim Crash schlimmste Auswirkungen haben kann. Moderne Sicherheitsassistenten federn hier schon viel ab und deren Technik entwickelt sich immer weiter. Nicht nur aus Sicherheitsaspekten ist ein jeder Wissenstransfer zum Thema Lkw in Richtung „Normalbevölkerung“ zu begrüßen. Gerade bei Überholmanövern zwischen zwei Lkw vergessen doch sehr viel Menschen, wie die letzten Pakete vom Lieblingsversandhändler nach Hause kamen, oder wie der berühmte Joghurt seinen Weg in den Supermarkt findet. Unser Wirtschaftssystem basiert zu großen Teilen auf der Leistungsfähigkeit des Straßengüterverkehrs und daher macht es Sinn, diese zu akzeptieren und nicht als den natürlichen Feind von fast allem zu betrachten.

Einen interessanten Beitrag zu mehr „Völkerverständigung“ will Victor Clément leisten: Mit „WeTruck“ startete der 24-jährige Franzose eine Lkw-Mitreiseplattform für Reisende. In der aktuellen Ausgabe des FERNFAHRER erschien dazu der folgende Artikel.

Unterwegs nach Burgund

Angefangen hat alles damit, dass der 24-jährige Victor Clément seine Großmutter im Burgund besuchen wollte. Mit dem Auto wäre das ein Klacks gewesen – eine gute Stunde Fahrt. Ohne Auto hatte er eine teure Zugfahrt mit einem großen Umweg über Paris von mehr als drei Stunden zur Auswahl und eine einzige Mitfahrgelegenheit im Pkw morgens um 6.30 Uhr. Der Management-Student aus Rouen entschied sich für Letztere und stellte fest, dass viele Lkw in seine Richtung unterwegs waren. „Da habe ich mir gedacht: Der Lastwagen wäre für mich das ideale Transportmittel.“

Internet-Plattform „WeTruck“

Er beschloss, Lkw und Reisende zusammenzubringen. Die Beta-Version der Plattform „WeTruck“ soll im Frühjahr an den Start gehen. Clément sieht Vorteile für beide Seiten, etwa, dass sich der Straßengütertransport eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen kann. Die Preise sollen bei zehn Cent pro Kilometer für die Fahrgäste liegen. WeTruck will eine Provision einbehalten, der Rest geht an die Fuhrunternehmen. Angeboten werden sollen freie Plätze in Nutzfahrzeugen von 3,5 Tonnen bis 44 Tonnen. Nachdem erste Artikel über sein Vorhaben in französischen Zeitungen erschienen waren, habe sich eine große Zahl interessierter Unternehmen bei ihm gemeldet, berichtet Clément. Für den Lkw als Personentransporter spricht, dass er im Gegensatz zu Bus und Bahn oder Flugzeug in die entlegensten Winkel fährt. Gerade im ländlichen Frankreich abseits der wenigen großen Zentren ist die Verkehrsanbindung ein Problem. „Lkw fahren in Regionen, die vom normalen öffentlichen Verkehr kaum bedient werden oder abgeschnitten sind“, betont der Initiator des Startups. Das gelte auch für Vororte und Grenzregionen zu den Nachbarländern. „Lkw fahren zu allen Tageszeiten und auch bei Nacht. Das erlaubt uns zeitliche Ergänzungen der Angebote von Bus und Bahn.“

Testversion in Arbeit

Für die Mitfahrer gebe es noch weitere wichtige Gesichtspunkte. So seien die Fahrer Profis, die sich an Lenk- und Ruhezeiten hielten, die Fahrzeuge seien gut gewartet und ließen sich meist über GPS orten. Das gewähre ein hohes Maß an Sicherheit. Derzeit wird an der Testversion gearbeitet, die den Kontakt zwischen Reisenden und Transporteuren ermöglichen soll. Für WeTruck stellen sich auch viele juristische oder versicherungstechnische Fragen. „Wer ist wofür verantwortlich?“, fragt der Jung­Unternehmer. Er arbeitet derzeit mit etwa zehn Unternehmen und einigen Freunden an der Umsetzung des Projekts. „Ich selbst reise regelmäßig im Lkw und stehe ständig in Kontakt mit Transporteuren, um zu verstehen, wie sie organisiert sind“, sagt er.

Fotocredit: WeTruck
Autor: Regina Weinrich

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