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Filmhelden


Dass die vier in der ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER 2.0 ermittelten Fahrertypen keine theoretischen Muster sind, zeigt der Kurzfilm, den die Studienpartner zur Studienvorstellung auf der diesjährigen Nutzfahrzeug IAA präsentierten. Der Film zeigt vier echte Fahrer in ihrem Arbeitsalltag und wie sie zu ihrem Beruf kamen. Aber wie wurden die Helden der Straße zu Filmhelden der ZF-Zukunftsstudie? Das Making Of des Films verrät es.

Die kurvenreiche Strecke führt von Monschau-Kalterherberg über Mützenich zur belgischen Landstraße N 57 und dann durchs Hohe Venn weiter nach Eupen. Es sieht einfach beeindruckend aus, wenn der weiße Scania von Gordon Fickert langsam durch das Viadukt einer steinernen alten Eisenbahnbrücke fährt – und Gordon dabei erzählt, warum er sich im Linienverkehr einfach wohl führt. Schließlich hat er dabei einfach mehr Zeit für seine Freundin.

Eine ideale Szene für den Film – eben was fürs Auge, sozusagen. Auf dem Weg zum Treffpunkt mit Gordon an der E 40 in Belgien hat es der Regisseur sofort erkannt. Ein gutes Motiv, wie man beim Film so sagt. Und in der Tat – Gordon und sein Sattelzug sind Helden der Dokumentation „Vier Lkw-Fahrer – Heute und Morgen“.

Am Ende des Drehtags zeigt Martin Schunk Gordon und seiner Freundin Nina die Szenen.

Am Ende des Drehtags zeigt Martin Schunk Gordon und seiner Freundin Nina die Szenen.

Am 30. September wurde der Film auf der Nutzfahrzeug-IAA zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Das kurzweilige Werk ist die Ergänzung zur ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER in bewegten Bildern. Die vier Fahrertypen, die sich in Zukunft herauskristallisieren werden, sind heute schon im Einsatz: Der „Berufene“, der „Rationale“, der „Überzeugte“ und der „Zufällige“.

Industrialisierte Logistik

Jeder Mensch tickt anders und so hat auch jeder seine eigene Einstellung zum Beruf. Für viele Lkw-Fahrer ist es deshalb auch völlig normal immer um sechs Uhr morgens zu Arbeit zu gehen und den Lkw am Feierabend auf dem Betriebshof abzustellen, ohne ihm eine Träne nachzuweinen, wenn dieser im Schichtverkehr gleich wieder vom Gelände rollt.

Diese rationale Einstellung zum Beruf hat Christian Schulz von Köppen aus Duisburg. Und er steht dazu, wie er mitten im Werk von Bayer Uerdingen klar vor der Kamera erzählt: Es ist ein Job wie jeder andere.

Mitten im Werk von Bayer Uerdingen gibt Christian Schulz ein klares Statement zum Job.

Mitten im Werk von Bayer Uerdingen gibt Christian Schulz ein klares Statement zum Job.

Auf Anfrage von Unternehmer Köppen war es tatsächlich möglich, Christian auf seinem Weg über das neue Check-in Gate bis direkt an die Ladestelle zu begleiten, wo er im Rahmen einer industrialisierten Logistik auch die Beladung selbst durchführt. Natürlich in Begleitung des Pressesprechers. Eindrucksvolle Bilder sind so entstanden.

Geheiligtes Blech

Auf der anderen Seite gibt es Fahrer wie Peter Schmickler von Silo-Fachspedition H. Freund aus Frechen. Man kann ihm eine gewisse emotionale Bindung zu „seinem“ Lkw durchaus nachsagen. Jahrelang war er mit dem Hängerzug einer Bonner Möbelspedition bis nach Indien unterwegs, die Möbel in seiner Wohnung, die auch eine Rolle im Film spielt, sind Andenken an diese Zeit. Im Urlaub könnte Peter nicht wirklich ruhig schlafen, aus purer Sorge, ein Aushilfsfahrer würde einen Kratzer ins geheiligte Blech machen. Deshalb bleibt sein DAF XF in der beeindrucken Lkw-Halle stehen. Auch bei der Rheinbraun in Niederaußem gab es sofort eine Drehgenehmigung. Experten werden es vielleicht erkennen: Wenn Peter mit seinem Super Space Cab in die Verladestation rangiert, muss er vorher die Luftfederung absenken. Sonst würde er mit dem Dach der hohen Kabine oben an die altehrwürde Anlage stoßen. Geärgert hat ihn nur eins: Dass nach der Dusche im Werk seine gerade frisch polierte Kabine Spuren des kalkhaltigen Wassers zeigt. Normalerweise reinigt Peter nach der Verladung immer nur den Auflieger. Der ist übrigens schon 30 Jahre alt und wurde von Kässbohrer auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

Vom Dachdecker zum Lkw-Fahrer

Und schließlich gibt es Hartmut Wolf von Spedition Berners aus Mechernich, der nach einem Unfall seinen ursprünglich Beruf als Dachdecker aufgeben musste. Er absolvierte daraufhin eine Umschulung und hat sich heute, wenn auch erst nach einer gewissen Anlaufzeit, im neuen Umfeld arrangiert. Die lokale Arbeitsagentur hat seine Ausbildung bei der Dekra Akademie finanziert. Die Szene in der Disposition zeigt, wie motivierend Freundlichkeit am Arbeitsplatz auch sein kann. Drei junge BKF-Auszubildende durften als Belohnung für ihre Leistung den Trailer vorladen und sichern. Harald hat sich, wie er bei den Dreharbeiten verriet, riesig gefreut, als er letztes Jahr von seinem ersten DAF CF in einen MAN TGX umsteigen durfte. Denn dort hat er Platz für seine Gitarre, die er gelegentlich mit auf Tour nimmt.

Mit Blick fürs Detail

Nach der Montage ermöglicht die sogenannte GoPro-Kamera einen Blick unter den Lkw im fahrenden Betrieb.

Nach der Montage ermöglicht die sogenannte GoPro-Kamera einen Blick unter den Lkw im fahrenden Betrieb.

Diese vier Fahrer, die dem Idealtypus des Studiencharakters entsprechen und keine Scheu vor einer Kamera haben, sind erstaunlich schnell gefunden, als Hauptsponsor ZF den Auftrag für den Film freigibt. Dank dem Engagement der Fahrer und deren Speditionen war es auch möglich, szenische Finessen umzusetzen. Beispielsweise hat es allein eine halbe Stunde gedauert, auf der Grube der Spedition Freund in Frechen eine sogenannte GoPro-Kamera an der Welle des Nebengetriebes zu befestigen, um bei der Ausfahrt des Lkw aus der Halle einen kurzen Blick auf den ZF-Intarder des DAF zu erlauben.

Martin Schunk ist ein erfahrener Kameramann, sein Schwerpunkt ist der Motorsport, derzeit die Berichterstattung über die DTM, auch sein Assistent, Martin Amrein, ist als Experte für Ton und Licht lange im Geschäft.

An seinem Schnittcomputer fügt Martin Schunk die einzelnen Szenen inhaltlich zusammen.

An seinem Schnittcomputer fügt Martin Schunk die einzelnen Szenen inhaltlich zusammen.

Der Aufwand, der allein hinter den gefilmten Aussagen der Fahrer während der Fahrt steckt, spielt sich abseits des von der Kamera eingefangenen Bildes ab. Eine GoPro und eine Minikamera sind für die Aufnahme fest an der Windschutzscheibe befestigt, dazu zeichnet Schunk mit seiner Sony-Digitalkamera das Gespräch des Fahrers mit dem Regisseur vom Beifahrersitz auf. Vorher bekommen die Fahrer noch ein Mikrofon, sie werden, im Filmjargon, „verkabelt“. Lauter kurze, schnelle Sequenzen entstehen so, die eine oder andere Wiederholung ist nötig, bis alles im Kasten ist. Die Souveränität der Filmlaien ist bestechend. Eine Woche später, im Studio in Ludwigshafen, entsteht dann im Schnitt aus den besten Bildern die kompakte Handlung. In einem Kölner Tonstudio schließlich gibt Josef Tratnik, ein bekannter WDR-Sprecher, den vier Fahrerportraits die nötige Emotion. Denn die vier Kollegen üben ihren Beruf mit großer Leidenschaft aus. Jeder auf seine Art.

Text: Jan Bergrath
Fotos: Jan Bergrath

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admin
Kommentare: ( 1 )
  1. […] Uns gefällt der aufwändig gedrehte 16-Minuten-Clip: Eindrucksvolle Bilder, sympathische Fahrer, engagierte Speditionen und moderne Fahrzeugflotten geben einen tollen Einblick in den Alltag der Transportbranche. Wie der Film entstanden ist, lesen Sie hier. […]

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