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Feld frei für Lang-Lkw in Baden-Württemberg

Lang-Lkw

Wie die baden-württembergische Landesregierung am vergangenen Sonntag bekanntgab, hat sich das Land zur Teilnahme am Feldversuch mit Lang-Lkw entschlossen. Eine Kursänderung, die noch bis Ende des vergangenen Jahres als sehr unwahrscheinlich galt. Die grün-rote Landesregierung hat den Einsatz von Lang-Lkw-Kombinationen stets abgelehnt und gar eine Verfassungsklage auf den Weg gebracht. Diese hat das Karlsruher Gericht jedoch Mitte 2014 abgewiesen. Nun beteiligt sich das Land zusammen mit dem Lkw-Hersteller Daimler an dem bis Ende 2016 angelegten Feldversuch. Eine begleitende wissenschaftliche Studie, die Daimler und das baden-württembergische Verkehrsministerium gemeinsam in Auftrag gegeben haben, soll die Umwelt-, aber auch mögliche Verlagerungseffekte von der Schiene zurück auf die Straße untersuchen. Die Autobahn-Abschnitte, die nun in das sogenannte Positivnetz aufgenommen werden sollen, betreffen die A 5 zwischen Karlsruhe-Mitte bis Rastatt, die A 8 von der bayerischen Grenze bis nach Karlsruhe, in Verbindung mit der Anschlussstrecke auf der A 5 von Karlsruhe nach Rastatt sowie die A 81 von Würzburg kommend zwischen der bayerischen Grenze bis nach Herrenberg. Die Streckenwahl ist nicht zufällig. Ende 2014 hatte Daimler für 17 Strecken, die für die Logistik der Daimler-Standorte im Land relevant und für den Einsatz von Lang-Lkw geeignet sind, beim Landesverkehrsministerium eine Freigabe beantragt. Die nun avisierten Strecken, die das Land bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) für die Nutzung von Lang-Lkw im Rahmen des Feldversuchs anmelden will, entspricht mit 350 Kilometern rund einem Drittel des Autobahnnetzes im Land und ermöglicht dem Lkw-Hersteller seine Fertigungsstandorte in Rastatt, Wörth und Stuttgart-Untertürkheim effektiv miteinander zu verbinden.

Baden-Württembergs Transport- und Logistikunternehmer, die bereits vor drei Jahren eine Beteiligung am Feldversuch wünschten und sich schriftlich an Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gewandt haben, erhielten dagegen keine Antwort. Auf dem Logistikgipfel der Fachzeitschrift trans aktuell vor drei Jahren in Ludwigsburg begründete der Minister seine Ablehnung zur Teilnahme am Feldversuch damit, dass dies Kosten für die öffentliche Hand nach sich ziehen würde, da die vorhandenen Kreisverkehre und Zufahrten den Anforderungen der 25-Meter-Züge nicht mehr genügen würden. Zudem könnten höhere Gewichte längerfristig zu Straßenschäden führen. Die Spediteure befürchten, dass sie mit ihren Streckenwünschen auch weiterhin nicht berücksichtigt werden und fragen sich, trotz der positiven Entwicklung, ob diese und künftige Streckenabschnitte zur „Lex Daimler“ werden.

Daimler begrüßt in einer ebenfalls am Sonntag veröffentlichten Pressemitteilung die Teilnahme Baden-Württembergs am Feldversuch und sieht es als einen „ersten Schritt“ für weitere Aktivitäten des Landes und anderer Bundesländer. Mit der Beantragung der Transportverbindungen hatte das Unternehmen Ende 2014 eine Ersparnis von 3,2 Millionen gefahrener Kilometer prognostiziert. Dies entspräche einer CO2-Reduktion von rund 3.000 Tonnen. Der Lkw-Hersteller sieht jedoch weiteres Potenzial. „Über 8.000 Lkw-Fahrten, zwei Millionen gefahrene Kilometer und 2.000 Tonnen CO2 in Baden-Württemberg bleiben vorerst im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke“, so der für Lkw und Busse Verantwortliche im Daimler-Vorstand, Wolfgang Bernhard, in der Mitteilung. Bisher beteiligen sich die Bundesländer Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen am Feldversuch.

Bleibt noch die Frage der Parkplatzsituation für die 25,25 Meter langen Lkw, die um 6,5 Meter länger sind als ihre herkömmlichen Kollegen. Nach Aussagen des Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt in einem kürzlich geführten Interview mit der Fachzeitschrift trans aktuell, sind bis 2017 weitere 4.000 Lkw-Parkplätze geplant. Bis dahin laufen Überlegungen, die Flächen für Großraum- und Schwertransporte auf den Autobahn-Rasthöfen auch als Parkraum für Lang-Lkw zu nutzen. Diese Probleme dürfte Daimler auf der nun geplanten Positivnetz-Strecke, die quasi zwischen seinen Fertigungsstandorten liegt, kaum haben. Die Lastzüge werden nur an den Ladestationen halten. Nicht zuletzt auch deshalb kommt einigen Spediteuren der plötzliche Sinneswandel im Ministerium als „Lex Daimler“ vor. Auch dürfte sich die logistisch perfekte Verbindung positiv in den Ergebnissen der begleitenden Studie niederschlagen. Für Winfried Hermann stehe bei der Zusammenarbeit in der Studie insbesondere die wissenschaftliche Untersuchung zu den tatsächlichen Klimaschutzvorteilen von Lang-Lkw im Vordergrund, heißt es in einer Erklärung.

Die Vorzeichen für eine positive Bilanz stehen gut. Denn auch die bisherigen Studien-Zwischenergebnisse zum Feldversuch fallen fast durchweg positiv aus. Neben Kraftstoff-Ersparnis und Effizienzgewinn würde der Einsatz von Lang-Lkw die CO2-Emissionen um bis zu 25% senken.

Autor
Jana Bronsch
Kommentare: ( 3 )
  1. Die Wirtschaft bestimmt die Politik. Die Lang- LKW helfen auch nicht weiter, denn bei diesen Dumpinglohnen findet sich kein Nachwuchs mehr

  2. Bin jetzt schon mehrfach am frühen Sonntag Morgen einem Gigaliner begegnet. Interessant ist der Ort, nämlich die Anschlussstelle Rottenburg an der A 81.
    der Lastzug kam aus Richtung Stuttgart und verließ die Autobahn in Richtung Horb. dabei benötigte er den Linksabbiegerstreifen auf die bab, sowie die Richtungsfahrbahn Rottenburg der B 28 a. meines Wissens geht das Positivnetz nur bis zur AS Herrenberg an der A 81. Wie man sieht fahren die scheinbar, wo sie wollen und das Sonntagsfahrverbot gilt wohl auch nicht.

    1. Susanne Scherbaum

      Hallo Herr Hiller,

      vielen Dank, dass Sie Ihre Beobachtung mit uns teilen. Leider haben wir keinerlei Einblicke, ob es sich hier um eine Sondergenehmigung für Spedition handelt.

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