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Fahrermangel im Fokus: Die ZF-Zukunftsstudie 2014

Spedi-Lounge_031213_Lohre „Kraftfahrer? Nein Danke!“ Immer weniger junge Menschen möchten den Beruf des „King of the Road“ ergreifen. Die ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER kam im Jahr 2012 zu diesem alarmierenden Ergebnis. Die Arbeitsbedingungen und das schlechte Image des Berufs halten Jugendliche wie Quereinsteiger davon ab, ihn zu ergreifen. In diesem Jahr wird nun die Fortsetzung der Studie durchgeführt und das Ergebnis aus 2012 als Grundlage genommen. Das zentrale Thema: Die Folgen des (drohenden) Fahrermangels für das deutsche Transportgewerbe. Die Arbeiten an der Studie sind gerade in vollem Gange. Prof. Dr. Dirk Lohre der HS Heilbronn, Sprecher des wissenschaftlichen Konsortiums im INVL und Leiter der Studie, klärt in unserem Interview über den Ablauf der Studie auf und welche Themenfelder abgedeckt werden.

Prof. Dr. Dirk Lohre, INVL HS Heilbronn

Prof. Dr. Dirk Lohre, Leiter des Instituts für Nachhaltigkeit in Verkehr und Logistik der Hochschule Heilbronn

Prof. Lohre, an welchem Punkt der Studie befinden Sie sich gerade?

Wir haben im März den ersten Meilenstein geschafft: Die Experteninterviews sind abgeschlossen. Wie auch bei der Studie 2012 haben wir unsere Analysephase in zwei große Blöcke aufgeteilt: Zum Einen qualitative Interviews mit ausgesuchten Experten aus der Branche, zum Anderen quantitativ messbare Umfragen unter Berufskraftfahrern. Wir werden auch wieder in einem gesonderten Teil Nachwuchsfahrer befragen.

Sie haben die Experteninterviews bereits abgeschlossen. Wie haben Sie diese durchgeführt?

Bei diesem Teil der Studie war uns besonders wichtig, dass wir ein breites Spektrum an Ansichten abdecken. Wir haben dieses Jahr 30 Experten befragt, darunter Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter sowie Unternehmer, Fahrzeughersteller, Fahrer und Vertreter der Politik. Wir haben für die Interviews im Vorfeld einen Gesprächsleitfaden entwickelt, der drei Themenbereiche abdeckt: die aktuelle und zukünftige Situation des Fahrermangels, Einsatzprofile und Motivation der Fahrer sowie die Leistungsmessung des Fahrpersonals. Im Anschluss haben wir die Interviews transkribiert und die gesamten Daten miteinander abgeglichen, um Übereinstimmungen und Unterschiede zu identifizieren.

Worauf lag der Fokus bei den Experteninterviews?

Im ersten Block konzentrieren wir uns konkret auf das Thema Fahrermangel und seine Folgen. Inwiefern er sich bereits heute abzeichnet, ob einige Branchen mehr betroffen sind als andere, welche Folgen dieser für die Wirtschaft haben wird oder ob sich der Markt ganz einfach selbst reguliert. Wir wollten von unseren Experten auch eine Einschätzung dazu, ob die Entwicklungen vielleicht Konsequenzen für die Ausbildung haben werden.

Der zweite Themenschwerpunkt richtet sich an die Motivation der Fahrer und deren Einsatzbereiche. Warum wird jemand Kraftfahrer, welche Typen von Berufsausübenden gibt es? Ob sich daraus vielleicht Einsatzprofile ableiten lassen… Ebenfalls haben wir abgefragt, ob der Beruf des Fernfahrers wie er heute aussieht überhaupt noch attraktiv sein kann für die sogenannte Generation Y. Diese Altersgruppe stellt sehr hohe Ansprüche an ihren Job, aber auch eine gute Work-Life-Balance ist ihr sehr wichtig. Wir wollen herausfinden, ob das Berufskonzept überdacht werden muss.

Im dritten Block fokussierten wir die Leistung eines Fahrers und wie diese gemessen werden kann. Ist das volkswirtschaftlich verwendete Maß Tonnenkilometer überhaupt geeignet? Wird der Fahrermangel dazu führen, dass die Leistung neu definiert werden muss? Dies sind Beispiele für solche Fragen.

Was werden die nächsten Schritte Ihrer Arbeit sein?

Derzeit läuft die Phase, in der die Fragebögen durch das Fahrpersonal ausgefüllt werden. Hierfür waren die Experteninterviews übrigens auch sehr wichtig. Die Antworten und Ansichten haben uns bei der Ausarbeitung des Fragebogens für die Berufskraftfahrer hilfreiche Anregungen gegeben.

Den Fragebogen haben wir an den DEKRA Weiterbildungszentren, sowie bei der SVG und an einige Unternehmen verteilt. Dieses Jahr ist der Fragebogen auch im Magazin FERNFAHRER veröffentlicht worden. Wir sind auf die Ergebnisse sehr gespannt und hoffen, der Branche wichtige Impulse geben zu können.

Susanne Scherbaum
Autor
Susanne Scherbaum
Kommentare: ( 10 )
  1. Sehr geehrte Damen und Herren.
    Ich habe auch an der Umfrage teilgenommen.
    Es brennt in der Transportbranche.
    Wir haben einen Verein gegründet „Allianz im deutschen Transportwesen“ welcher aus der Actie in de Transport Germany entstanden ist. http://www.Aidt-ev.org Schauen sie doch mal rein und setzen sie sich mit Herrn Udo Skoppeck in Verbindung.
    Vielen Dank.

    1. Es brennt ja eigentlich schon immer in der Speditionsbranche!
      Fragt euch doch mal warum!

  2. Der Fahrermangel ist nicht nur dem demografischen Wandel geschuldet. Auch weil das Lohn/Leistungsverhältnis nicht mehr stimmt sind viele (gute) Fahrer zur Industrie abgewandert. Das Gefälle zwischen Fahrern die fahren können (Gliederzüge rangieren) und Möchtegerndrivern die LKW bewegen,
    wird zunehmend steiler. Das verschärfte Punktesystem in Deutschland führt ebenfalls dazu, das Fahrer ihren Job an den Nagel hängen.
    Viele Spediteure klagen darüber, das sie zumindest teilweise nicht mehr kostendeckend arbeiten könnten. Aus kaufmännischer Sicht müssten sie umstrukturieren oder ihre Firma dichtmachen. Warum tun sie sich nicht zusammen, veröffentlichen ihre Bilanzen und schließen ihre Betriebe zu einem Stichtag? So sähe effektiver Protest aus.
    Zumindest das Problem des Fahrermangels wird sich in absehbarer Zeit lösen. Durch Automatisierung und Digitalisierung werden in den nächsten fünf bis fünfzehn Jahren nicht nur LKW-Fahrer überflüssig. In nahezu allen Branchen verschwinden in den nächsten 20 Jahren bis zu 75% der Arbeitsplätze (Einkommensplätze).
    Machen wir uns also darüber Gedanken, wie eine Gesellschaft Einkommen ohne (bezahlte) Arbeit generieren kann!

    1. Susanne Scherbaum

      Vielen Dank für den durchaus kritischen Beitrag. Mich würde Ihre Meinung hierzu interessieren, liebe Blogleser.

  3. Sogar unser heimisches Arbeitsamt rät vom Berufskraftfahrer ab ! Immer mehr Burn Out gefährdete Fahrer ( ich mit 25 ebenfalls) musste mich umschulen lassen! Ungesunde Ernährung, wenig Freizeit und bewegung führt zu übergewicht und durch das Rauchen erhöt sich noch dass Herzinfakt / Schlaganfall risiko. Keine Parkplätze und duschen. Kein Internet. Dazu noch keine anerkennung. Nein ! und kein Danke

    Die Branche weckte dass schlimmste in mir. Ich fühle mich ausgebeutet, verachtet und vergewaltigt vom System! Ich wünschte mir ich könnte die Zeit zurückdrehen…..

    Größen wie DHL, Hermes, Linde Gas setzen alle auf Sub Unternehmer… diese geben uns den rest!

  4. […] Informationen zur Berufsgruppe der Kraftfahrer und die Entwicklung dieser Branche bietet die ZF-Zukunftsstudie.de regelmäßig an. Damit Sie mit Ihrer Stellenausschreibung einen möglichst großen Erfolg haben, […]

  5. Fahrermangel? Nein, den gibt es nicht. Es gibt eher ein Mangel an Speditionen, die Ihre Fahrer als das Behandeln was Sie sind: Menschen die durch Ihre Arbeit vernünftiges Geld verdienen wollen und nicht mit einem besseren Schmerzensgeld abgespeist werden , bei dem man noch Hartz IV beantragen muss, damit man als arbeitender Mensch seine Familie ernähren kann.

  6. Wenn zwischen Stundenzeiten und erhaltendem Lohn ein so grasser Unterschied besteht , ist es kein Wunder das niemand auf den Bock will. Wer bei 40 bewerbungsgesprächen 4 Stück dabei hat die eine 2 als erste Zahl haben , da braucht sich Industrie und Spedition nicht wundern das keiner Arbeiten will in einer Branche wo 13 Std Tage an der Tagesordnung sind

    1. Nur 13 Stunden? Bist du dir da ganz sicher?

  7. Es gibt in dieser Branche definitiv keinen Fahrermangel! Denn wenn es einen solchen Mangel geben würde dann hätten wir die paradoxe Situation, daß der Lohn (Preis für die erbrachte Arbeit) steigen müßte, da ja nach der Marktpreis-Theorie der Preis durch Angebot und Nachfrage gebildet wird! Das heißt, bei hoher Nachfrage und geringerem Angebot müßte ja der Preis, in diesem Falle der Lohn, steigen, was er aber definitiv nicht tut! Also ist das ganze Gequatsche vom Fahrermangel meiner Meinung nach nur vorgeschoben!

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