« | »

Elektroantrieb verdrängt Diesel aus der Stadt

ZF AVE130

 

Dem immer größer werdenden Bedarf von lokal emissionsfreien Nutzfahrzeugen in Ballungszentren gerecht zu werden, ist bekanntermaßen eine große Herausforderung. Doch der Fortschritt steht nicht still, vor allem im Bereich von Elektroantrieben. Laut einer Studie des US-Marktforschungsinstituts Pike Research soll die Nachfrage nach E-Bussen bis 2018 jährlich um 26,4% steigen. Dabei stellen Asien, Nordamerika und Europa die Top-Regionen dar. Neben China, wo die größte Nachfrage in diesem Sektor besteht, sind laut Pike Studie auch in Westeuropa beständig steigende Zahlen zu erwarten und die Fahrzeughersteller sind bereits darauf vorbereitet.

Im Rahmen der weltweit größten Fachmesse für Elektro- und Hybrid-Mobilität eCarTec in München gewann ZF mit dem E-Antriebssystem AVE 130 in der Kategorie „Powertrain & Electronics“ am vergangenen Montag den Bayrischen Staatspreis. Werner Hechberger, Senior Manager Sales Achs- und Getriebesysteme für Busse bei ZF, bekräftigte bei der Überreichung des Preises, dass umweltschonende, alternative und zugleich wirtschaftliche Antriebskonzepte auch für den ÖPNV wichtig seien, je mehr Emissionen und Lärm die Menschen und die Umwelt in urbanen Ballungszentren beeinträchtigten.

Das AVE 130 ist ein Antriebssystem, das in eine Vollniederflurachse integriert ist. Demnach handelt es sich einerseits um eine fortschrittliche Niederflurachse, doch zugleich ist es ein vollwertiger elektrischer Antrieb. Sowohl die Tatsache, dass das Antriebssystem den Verbrauch in Hybrid- oder rein elektrischen Konfigurationen deutlich senkt, als auch die Eigenschaft, als einzige lokal völlig emissionsfreie Antriebsquelle in Bussen zu dienen, sind Stärken, aufgrund derer sich ZF den eCarTec Award in diesem Jahr sichern konnte. Ein weiterer Vorzug des AVE 130 sind die nahe am jeweiligen Antriebsrad verbauten Elektromotoren. Sie leisten zweimal 125 Kilowatt und liefern ein maximales Drehmoment von zweimal 485 Newtonmetern. Daher reicht selbst für Gelenkbusse meist nur eine elektrische Antriebsachse aus. Zudem funktioniert der Antrieb kombiniert mit einem Energiespeicher oder einer Brennstoffzelle genauso gut wie in fahrspurabhängigen Bussen mit einer Oberleitung. Kurz und gut: Es spielt keine Rolle, was als Stromquelle dient. Effizient macht dieses System, dass ZF für die AVE 130 in Zukunft weitere entscheidende Systemkomponenten anbietet. Zum einen ist das die eigenständig entwickelte elektronische Steuereinheit. Weiterhin können Fahrzeughersteller mit einem Wechselrichter das System noch perfektionieren. Vorteile für den ÖNPV ergeben sich daraus, dass rein elektrisch betriebene Busse leise und völlig ruckfrei beschleunigen können und Schaltvorgänge komplett entfallen. Außerdem erlaubt dieses Antriebssystem Raum für zusätzliche Steh und Sitzplätze im Heck sowie eine weitere Tür.

Der Platz vorne links wird jedoch noch lange Zeit von einem Berufskraftfahrer besetzt bleiben. Denn trotz aller Bestrebungen autonome Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, die bereits auf Autobahnen sicher fahren könnten, wird die Komplexität des Stadtverkehrs von dieser Technik erst als letztes erschlossen werden.

Text: Carina Belluomo und Andreas Techel

Autor
Andreas Techel

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *