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Elektrische Spannung

Der amerikanische Autobauer Tesla ist auf dem Weg zum elektromobilen Komplettanbieter. Neben Sport Utility Vehicles (SUV) und Pick-ups will der Elektropionier künftig auch Sattelzugmaschinen und Busse mit rein elektrischem Antrieb bauen.

Masterplan, Part Deux nennt Tesla-Chef Elon Musk diesen Ausblick auf die Ziele seines Unternehmens, das damit auch im Güterverkehr nach den Sternen greift. Der elektrische Lkw ist derzeit noch in einem frühen Stadium der Entwicklung. Das erste Modell einer Sattelzugmaschine soll bereits im nächsten Jahr erscheinen.

Ein Indiz dafür, welche Richtung das Projekt nehmen könnte, ist das Engagement von Tesla-Top-Manager Jérôme Guillen, der das Tesla Model S an den Start gebracht hat. Auch mit schweren Kalibern hat der Franzose bereits Erfahrungen. Für Daimler hat er den Freightliner Cascadia auf die Räder gestellt. Als Vice President of Programs soll Guillen jetzt bei der Entwicklung des elektrischen Lkw die Feder führen. Klar ist bereits heute, dass der Truck die Hardware für den autonomen Fahrbetrieb an Bord haben wird. Der Masterplan sieht übrigens vor, dass künftig alle Tesla-Fahrzeuge mit redundanten Systemen fürs Selbstfahren ausgestattet sein sollen. Fällt ein System aus, tritt das andere mit den gleichen Aufgaben in Aktion.

Dass CEO Elon Musk seine strategischen Ziele in einem Blog auf der Homepage des Unternehmens veröffentlicht, passt ins Bild eines ambitionierten Start-ups. Andererseits hat Tesla genau diesen Status längst abgelegt. Die lockere Kommunikation schmälert jedoch nicht die Relevanz des Gesagten. Renommierte Börsenanalysten jedenfalls nehmen den Tesla-Chef genau beim Wort. Unterm Strich trifft der Masterplan, Part Deux jedoch auf gemischte Zustimmung. Die Ziele würden in der Logik der Unternehmensentwicklung liegen, die wirtschaftlichen Risiken seien jedoch hoch und die Finanzierung problematisch.

Tatsächlich dürfte das Jahr 2016 für Tesla auch aus einem anderen Grund ein wichtiges Jahr werden. Wie es aussieht, muss sich das Unternehmen auf seinem eigenen Terrain einem veritablen Wettbewerber stellen. Die Rede ist von der in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah beheimateten Nikola Motor Company, die schon im Frühjahr ihre Pläne für den Nikola One vorgestellt hatten. Gründer und Chef ist Trevor Milton, der ebenfalls hochfliegende Pläne in Sachen Elektromobilität verfolgt. Einem rein elektrischen Truck räumt Milton im Fernverkehr keine Chance ein. Er geht mit seinem Lkw-Konzept einen anderen Weg.

Der Nikola One ist ein Erdgas-Elektro-Hybrid. Das Fahrzeug mit dem spektakulären Design soll es auf eine Leistung von 2.000 PS und ein Drehmoment von 5.016 Newtonmetern bringen. Wie es heißt, sorgen sechs Elektromotoren an den Rädern für Vortrieb. Den Strom für die Traktionsbatterie soll eine Gasturbine hinter dem Fahrerhaus erzeugen. Die Reichweite des Trucks gibt Nikola Motor mit rund 2.000 Kilometern an. Laut Milton ist der Nikola One ein über mehrere Jahre von Grund auf neu entwickeltes Fahrzeug, das in besonderer Weise an die Erfordernisse des Hybridantriebs angepasst ist. Nach eigener Einschätzung ist Nikola Motor damit dem Wettbewerb um 15 Jahre voraus. Das Datum für die Weltpremiere des echten Prototypen steht nun fes: Am 2. Dezember 2016 soll in Salt Lake City der Vorhang fallen. Zwar sollen die ersten Fahrzeuge erst 2019 in den Handel kommen, doch gegen eine Gebühr von 1.500 Dollar ist der futuristische Sattelschlepper bereits heute vorbestellbar.

Autor: Joachim Geiger
Bildquelle: Tesla

Autor
Kathleen Kiefer

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