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Digitale Transformation

Die 66. IAA Nutzfahrzeuge 2016 in Hannover schreibt sich nichts weniger als die Zukunft der Mobilität, des Transports und der Logistik auf die Fahne. Sie wird als weltweite Leitmesse in diesen Bereichen Trends identifizieren, beschleunigen und selbst in Gang setzen. Die Besucher werden neue Fahrzeugkonzepte, alternative Antriebe, Systeme, Komponenten und spannende Designstudien besichtigen. Es wird dynamische und interaktive Fahrvorführungen geben, geführte Touren übers Messegelände und Konferenzen in Sachen Automatisierung, Connectivity, Clean Power und Urbanisierung. Keine Messe zuvor, so heißt es in den Vorberichten, habe so viel Zukunft gezeigt wie jetzt die IAA im September. Die Euphorie mag berechtigt sein. Manchen Besuchern dürfte sich allerdings eine schwierige Aufgabe stellen. Die Faszination für das technologisch Machbare ist nämlich eine Sache. Eine andere ist es, dieses Machbare auch zu begreifen. Wenn das Verständnis für Technologie am Ende ein Privileg von Eingeweihten ist, könne die Euphorie des Publikums über den Fortschritt leicht ins Gegenteil umschlagen.

Die Digitalisierung der Wertschöpfungskette ist ein Megatrend, den die IAA aufgreifen wird. Die digitale Transformation vernetzt Nutzfahrzeuge und macht sie zu autonomen Einheiten. Nutzfahrzeughersteller und Zulieferer arbeiten an digitalen Geschäftsmodellen für Entwicklung, Vertrieb und After Sales. Neue Prozesse werden die Kommunikation verändern. Verkäufer und Kunden können künftig Fahrzeugkonfiguration gemeinsam in der virtuellen Realität besprechen. Die Fahrzeuge selbst werden Daten produzieren, die in völlig neue Software-Produkte einfließen. Die IAA ist eine Standortbestimmung für die ganze Nutfahrzeugbranche. Sie zeigt, welche Unternehmen schon heute die Zukunft gestalten. Sie gibt aber auch eine Ahnung davon, welche Berufe, Fähigkeiten und Qualifikationen der Mitarbeiter in Zukunft gefragt sind.

Die Arbeitswelten der Nutzfahrzeughersteller und Zulieferer verändern sich rapide. Treiber dieser Entwicklung ist einmal mehr die digitale Transformation. Sie nimmt in den meisten Unternehmen ihren Ausgang in den IT-Abteilungen. Dort entsteht eine neue Kultur des Experimentierens und Lernens. Kennzeichen dieser IT-Welt sind agile Strukturen. Diese ersetzen gewissermaßen ein Zuviel an Bürokratie durch leichtfüßige Abläufe. Autonome Arbeitsgruppen passen sich anstehenden Arbeiten und nicht der Firmenstruktur an. Gleichzeitig entsteht eine neue Führungskultur, die sich von starren Hierarchien verabschiedet und auf eine Kommunikation zwischen Führung und Mitarbeitern auf Augenhöhe abstellt. Ziele dieser Transformation sind die maximale Freisetzung von Kreativität und schnelle Innovationsergebnisse. Einschlägige Stellenanzeigen für Projektmanager verlangen von den Bewerbern die Fähigkeit zur Arbeit in interdisziplinären Teams. Auf der persönlichen Ebene sind nicht nur analytische und kommunikative Fähigkeiten gefragt, sondern auch die digitale Vernetzung. Das Digitale, so scheint es, wird im Berufleben zu einer persönlichen Kompetenz.

Auch die Logistik 4.0 setzt auf die digitale Vernetzung der Glieder der Transportkette. Die meisten Zukunftsmodelle sehen den Fahrer als den digitalen Nutzer. Er ist ein Logistiker, der unterwegs seine Tour disponiert, neue Aufträge plant und die Buchhaltung durchführt. Sein Büro und seine Kommunikationszentrale ist der autonome Lkw. Dieses Berufsbild ist vorerst natürlich nur eine Projektion. Die Realität sieht anders aus. Berufskraftfahrer sind in aktuellen Arbeitsplatzbeschreibungen immer noch im Brummi, Laster oder Truck auf Achse. Sie befördern Güter von A nach B, erstellen Abrechnungen und planen Fahrten nach wirtschaftlichen Aspekten. Die Arbeitsagentur beschreibt als einen Trend in diesem Beruf ein Parkleitsystem für Lastkraftwagen, das Fahrern dabei hilft, auf Raststätten und Autohöfen einen Parkplatz zu finden. Die Moderne findet hier noch nicht statt. Für die Experten der Arbeitsagentur wäre es jetzt ein Leichtes, sich ein aktuelles Bild der Branche zu machen. Die IAA bietet dazu eine gute Gelegenheit.

Text: Joachim Geiger
Bild: Fotolia/ Female photographer

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admin

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