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Die Zukunft des Straßengüterverkehrs – ZF-Zukunftsstudie in Brüssel vorgestellt

Präsentation der ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER 2.0 im Europäischen Presseclub in Brüssel

Präsentation der ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER 2.0 im Europäischen Presseclub in Brüssel

Müssen wir in Zukunft auf Grund des enormen Fahrermangels in der Logistikbranche fürchten, dass unsere Kühlschränke leer bleiben? Um die Frage nach dem Mangel an Berufskraftfahrern zu klären, kamen im Europäischen Presseclub in Brüssel zahlreiche Köpfe aus Politik und Wirtschaft zusammen. Dort wurden die Ergebnisse ZF-Zukunftsstudie 2.0 vorgestellt, die sich mit dem Problem des Fahrermangels im deutschen Straßengüterverkehr auseinandersetzt. ZF möchte als Auftrags- und Ideengeber der Studie einen stärkeren öffentlichen Diskurs zu diesem Thema anregen. Denn: Es fehlt schlichtweg an Nachwuchs. Wer hält also zukünftig den deutschen Straßengüterverkehr am Laufen?

Wissenschaftlicher Partner und Verfasser der ZF-Zukunftsstudie 2.0 ist das Institut für Nachhaltigkeit in Verkehr und Logistik (INVL) der Hochschule Heilbronn. Mit Teamleiter Prof. Dr. Dirk Lohre haben wir uns über die wichtigsten Studienergebnisse unterhalten.

Herr Prof. Lohre, wird sich der Fahrermangel auf die deutsche Wirtschaft tatsächlich so dramatisch auswirken wie befürchtet?

Prof. Dr. Dirk Lohre, INVL HS Heilbronn

Prof. Dr. Dirk Lohre, Leiter des Instituts für Nachhaltigkeit in Verkehr und Logistik der Hochschule Heilbronn

Fakt ist: es gibt einen klaren Fahrermangel. Der Berufsstand altert. Manche Unternehmen akquirieren ihr Fahrpersonal deshalb bereits im Ausland, mit unterschiedlichen, teils positiven und teils negativen Erfahrungen. Fakt ist aber auch, dieser Fahrermangel wird nicht auf einen Schlag die deutsche Wirtschaft treffen. Es handelt sich um einen längeren Prozess, bei dem permanente Anpassungen möglich, aber auch nötig sind. In den nächsten fünf Jahren werden wir etwa 11% weniger Fahrer haben, wenn die Nachwuchszahlen nicht steigen. Der Fahrermangel nimmt also unterm Strich zu und trifft vor allem den internationalen Fernverkehr deutscher Unternehmen.

 

Woran liegt es denn, dass in Deutschland nicht genügend junge Fahrer in den Kraftfahrerberuf nachrücken?

Die Generation Y ist in der Speditions- und Logistikbranche angekommen! Ein klares Ergebnis der ZF Zukunftsstudie 2.0: der Wunsch der Azubis nach Planbarkeit und Sicherheit ist stärker ausgeprägt als früher, auch der Drang selbst mehr Einfluss zu nehmen auf das, was sie tun. Der Nachwuchs möchte sich nicht alles vorsetzen lassen, will Entwicklungsmöglichkeiten im Job, ein Leistungsgerechtes Entgelt und eine ausgeprägte Work-Life-Balance. Das Problem daran ist, dass eine Ernüchterung bereits während der Ausbildung auftritt – beispielsweise nimmt der Spaß am Fahren im Laufe der Lehre deutlich ab und der Beruf wird auch nicht mehr als so interessant beurteilt.

Wird die Generation Y den Wandel des Berufsprofils der Kraftfahrer vorantreiben?

Fahrertypen im Überblick

Die vier Fahrertypen erklärt

Die vier Fahrertypen erklärt

 

Die ZF Zukunftsstudie zeigt, dass sich das Profil der Berufskraftfahrer bereits im Umbruch befindet. Besonders interessant dabei ist, dass das klassische Bild des Fahrers als King of the Road eigentlich nicht mehr passt. Es verkörpert genau das, was der Nachwuchs nicht mehr bereit ist zu erfüllen. Die nachrückende Generation legt mehrheitlich Wert auf ein stabiles soziales Umfeld und viel Zeit mit Familie und Freunden.

Die Studie stellt vier Fahrertypen dar, von denen sich die Generation Y am ehesten im ‚Überzeugten‘ widerfindet. Dieser Fahrertyp steht für seinen Beruf ein, möchte sein Privatleben aber nicht für den Job opfern.

Die Zukunft des deutschen Fahrpersonals liegt vor allem im nationalen Bereich. Arbeitgeber müssen deshalb dringend überdenken, wie sie aktive Berufskraftfahrer und potentiellen Nachwuchs ansprechen und neue Einsatzkonzepte planen.

Die Transport- und Logistikbranche muss also umdenken! Was genau ist hier zu tun?

Unternehmen müssen auf die sich ändernden Anforderungen eingehen, wenn sie dem Fahrermangel erfolgreich begegnen wollen. Prozesse müssen optimiert und Potenziale aktiver Fahrer besser ausgeschöpft werden. Transportunternehmen werden die Vergütung der Fahrer erhöhen müssen – dies wird aber nur in Bereichen passieren, in denen entweder der Wettbewerb rein national ausgetragen wird oder wo es den Unternehmen gelingt, sich über Spezialisierung von den osteuropäischen Standardanbietern zu differenzieren. Die Potenziale der Industrialisierung sind noch nicht ausgeschöpft, aber auch hier gilt: ein wertschätzender und verlässlicher Umgang mit dem Fahrpersonal ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Zukunft.

Auch die Organisation an den Schnittstellen muss sich  verändern, zum Beispiel durch kürzere Wartezeiten an der Rampe. Dann können sich die Fahrer auf das Wesentliche konzentrieren: Fahren.

Susanne Scherbaum
Autor
Susanne Scherbaum

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