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Die ZF-Zukunftsstudie Fernfahrer 2.0 auf der IAA – „der Job muss wieder sexy werden“

Die ZF-Zukunftsstudie. Podiumsdiskussion auf der IAA

Mit diesem schönen Satz brachte Moderatorin Jasmin La Noutelle eine der Handlungsempfehlungen der Studie genau auf den Punkt. Wenn das nicht gelingt, wird schon in wenigen Jahren der Personalbedarf an Kraftfahrern in Deutschland nicht mehr zu decken sein. Das haben auch die Wissenschaftler vom Institut für Nachhaltigkeit in Verkehr und Logistik mit der ZF-Zukunftsstudie Fernfahrer klar nachgewiesen. Am vergangenen Wochenende diskutierte dazu ein Expertenteam gleich zweimal auf dem ZF-Stand und bezog auch das Publikum mit ein, dass die Fakten mit Beispielen aus der Praxis lebhaft bekräftigen konnte.

Für die ZF Friedrichshafen AG wechselten sich Susanne Scherbaum und Thomas Wenzel ab. Beide Unternehmenssprecher betonten, dass die Bedeutung der Logistik für die Industrie und auch für die Gesamtbevölkerung viel zu wenig präsent sei. Thomas Wenzel erklärte: „Die Transportbranche existiert heute in einer Art Parallelwelt und wird nicht wahrgenommen. Wir wollten mit dieser Studie die Diskussion wieder in Gang setzen.“ Die Probleme der Logistikbranche können durchaus volkswirtschaftliche Dimensionen erreichen. In der Industrie gibt es dafür ein Bewusstsein.

Einerseits wird überall das Wachstum der Transportleistung prognostiziert, aber es finden sich nicht mehr ausreichend Fahrer, die die Anforderungen erfüllen könnten. Dazu verhindert der zunehmende Konkurrenzdruck aus dem Osten, dass die Unternehmen, etwa durch höhere Löhne, den Job attraktiver machen können. Eine klassische Zwickmühle. Der Fachjournalist und Branchenkenner Jan Bergrath ergänzte neue Zahlen: „Die Mautstatistik zeigt, dass 40 Prozent aller Lkw auf deutschen Straßen aus dem Ausland kommen. Die Kabotage wird kaum kontrolliert. Weniger als 15.000 Menschen sind jährlich in der Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Dem stehen jedes Jahr rund 20 bis 30.000 Kollegen gegenüber, die aus dem Job ausscheiden.“ Matthias Ball war früher selber Berufskraftfahrer, ehe er sich zum Kraftverkehrsmeister fortbildete und zur Dekra-Akademie wechselte. Sein Weg aus der Krise besteht auch darin, die Ausbildung der Fahrer zu verbessern. „Wir müssen aber gleichzeitig die Quereinsteiger fördern“, sagte er. Dazu ergänzte sein Kollege Reinhard Buchsdrücker, der am Sonntag das Mikrofon in die Hand nahm: „Gerade bei der Ausbildung ist gutes Qualitätsmanagement gefragt.“ Recht hat er, denn wie die Studie belegt, macht sich mit zunehmender Ausbildungsdauer oft Enttäuschung bei den Nachwuchskräften breit. Hier leistet die ZF-Zukunftsstudie auch einen wichtigen Beitrag, denn mit rund 700 Auszubildenden wurde fast jeder zehnte aller deutschen Nachwuchsfahrer interviewt. Hier kam ein deutlicher Wertewandel heraus, der bei künftigen Planungen zu berücksichtigen ist. So ist es den jungen Leuten, sehr wichtig, dass Beruf und Privatleben gut zusammenpassen.

Licht am Horizont zeigt sich in den Möglichkeiten, all diesen Problemen zu begegnen. So könnten sich die Unternehmen etwa durch den Verbund im Systemverkehr mit mehr industrialisierten Abläufen besser gegen die Billig-Konkurrenz behaupten oder mit Zusatzleistungen Mehrwert generieren. In beiden Fällen ließen sich auch die Ansprüche der Fahrer leichter umsetzen, als im klassischen Fernverkehr.

Hierfür müssen aber Politik und Wirtschaft die Weichen stellen. Das könnten unter anderem flexiblere Lenk- und Ruhezeiten sein, die eine bessere Work-Life-Balance fördern könnten.

ZF stellte auf der Messe die Tabletsteuerung für Lastzüge vor. Damit könnte künftiges Rampenpersonal den Lkw an den Ladestationen übernehmen und der Fahrer könnte sich rein auf das Fahren beschränken. Das machen die meisten ohnehin am liebsten und so könnte auch für potenzielle Anwärter dieser Job wieder sexy werden.

Bilder der Podiumsdiskussion

 

Autor
Andreas Techel
Kommentare: ( 2 )
  1. Die Idee der Tabletsteuerung ist endlich einmal ein guter vorschlag. Es kann doch nicht sein, daß der fahrer seinen LKW, sowie die Ladung sicher zum Kunden bringen muss, um dann auch noch die Arbeit anderer verrichten muß. Das beinhaltet das be-und entladen . Da muss man sich wundern, wenn es zu Unfällen durch übermüdung kommt. Die Firmen sparen so an Personal auf kosten der LKW-Fahrer! Ausserdem, ist es versicherungstechnisch nicht abgesichert. Durch diese Methode muss in den meisten Fällen, auf notwendigen
    Ruhepausen verzichtet werden! Dort muss man den Finger in die Wunde legen um dieses zu ändern!

    1. Susanne Scherbaum

      Sehr geehrter Herr Kroel,
      es freut uns natürlich sehr, dass Sie in dem Thema ‚automones Rangieren‘ über Tablet als guten Vorschlag erachten. Wir haben mit vielen Fahrern auf der IAA sprechen können und das Feedback war durchaus positiv. Seitens ZF werden wir natürlich das Thema weiter vorantreiben.
      Mit freundlichen Grüßen
      Susanne Scherbaum

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