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Das Einmaleins für Lkw-Gegner

Das Einmaleins für Lkw-Gegner

Ob Verstoß gegen das EU-Recht oder nicht, Befürworter und Gegner der Pkw-Maut führen derzeit heiße Diskussionen über die Einführung der von manchen Politikern als „Schlagloch-Soli“ (Torsten Albig, SPD) bezeichneten Gebühr. Der Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen, Anton Hofreiter, brachte die Kritik an der Maut auf den Punkt: „So wird bei den Autofahrern doppelt abkassiert“.

Lkw -Fahrer und Spediteure können über diese Argumentation nur den Kopf schütteln. Denn sie wissen, was (eigentlich) auch Herr Hofreiter und seine Kollegen wissen: Lkw zahlen nicht nur Kfz-Steuer und Mineralölsteuer wie alle, sondern obendrein die Autobahnmaut. In der Pseudo-Argumentation schwingt auch immer mit, dass durch eine Pkw-Maut alle belastet würden, durch eine Lkw -Maut jedoch nur die ungeliebten Lkw. Das ist natürlich Unsinn, denn Transportunternehmer können gar nicht umhin, die Mautgebühren auf die Transportpreise umzulegen, wie sollte es sonst gehen. Und die höheren Transportpreise werden natürlich letztlich genauso an den Verbraucher durchgereicht. Mit der gleichen Logik könnte man auch Müll günstig entsorgen, indem man ihn einfach in Nachbars Garten kippt, denn dann ist er ja erst mal „weg“.

In der Diskussion um die Maut wird immer wieder angeführt, ein Lkw nutze die Straßen wesentlich mehr ab als ein Pkw. Dabei überbieten sich manche in ihren Berechnungen. Demnach belastet ein Lkw die Straßen mal so stark wie schlappe 10.000 Pkw, mal sind es 70.000, mal 100.000 und mal 160.000.

Es werden die wildesten Zahlen genannt, da darf es denn auch mal ein bisschen mehr sein. All diese Zahlen haben aber gemein, dass sie kaum durch seriöse Quellen belegt werden. Oft wird zur Legitimierung eine Studie genannt, die erstens aus den USA und zweitens über 50 Jahre alt ist, der sogenannte AA SHO Road Test von 1958-1960.

Stattdessen ließe sich das auch ganz anders berechnen. Ein großer Lkw wiegt (ungefähr) leer etwa 15 Tonnen und kann 25 Tonnen zuladen, also etwas mehr als das eineinhalbfache seines eigenen Gewichtes. Ein Mittelklasse-Pkw wiegt (ungefähr) 1,5 Tonnen. Diese 1,5 Tonnen werden meistens bewegt, um durchschnittlich 1-2 Menschen zu transportieren, also einen Bruchteil des Eigengewichtes. Wenn man als Berechnungsgrundlage den Treibstoffverbrauch pro transportierter 100 km zu Grunde legt, verbraucht der Pkw durchschnittlich 8,5 mal so viel wie der LKW. Im Klartext: Wenn ein Pkw um 200 kg über 100 Kilometer zu transportieren etwa 7-8 Liter Sprit verbraucht, steht dem gegenüber, dass der Lkw 35 Liter verbraucht, dafür aber stattdessen 24 Tonnen Ladung befördert. Für das 120-fache an Zuladung braucht er also nur das 5-fache an Treibstoff.

Laut Kraftfahrtbundesamt gab es im letzten Jahr 43,8 Mio angemeldete Pkw und 120.000 Lkw mit zulässigem Gesamtgewicht von 20-40 Tonnen. Demnach kommen 365 Pkw auf einen großen Brummi. Man braucht nicht mal einen Taschenrechner, um herauszukriegen, wer also anteilig gigantisch viel mehr an Treibstoff verbraucht, CO2 ausstößt und Unfälle verursacht.

Manche Politiker möchten mehr auf die Bahn verlagern, allen voran die Grünen. Dass die Bahn das nicht schafft, hat niemand aus der Straßengüterverkehrs-Branche zu verantworten. Wir in dieser Branche fühlen uns durch die Bahn nicht bedroht. Sie ist schon lange keine ernst zu nehmende Konkurrenz mehr, weil zu teuer, zu langsam und zu unflexibel. Wenn die Grünen es hinkriegen würden, die Bahn dazu zu bringen, auch nur die Hälfte der für die nächsten 20 Jahre prognostizierten Wachstumsraten im Transportaufkommen aufzufangen, wäre allen geholfen. Niemand in der Transportbranche hätte etwas dagegen. Aber die Bahn kann oder will das nicht schaffen, wie selbst Bahnchef Grube einräumt.

Wenn man das berücksichtigt, würde es die Vernunft gebieten, mangels Alternative dem Lkw das Leben leichter zu machen. Aber „Politikfähigkeit“ wird anscheinend nur denen zugeschrieben, für die Populismus wichtiger ist als gesunder Menschenverstand.

Autor: Jochen Dieckmann

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admin
Kommentare: ( 9 )
  1. Sehr schöner Kommentar ….gefällt mir wirklich sehr…aber hilft das uns wirklich weiter??? Wann ändert sich wirklich etwas? Wann wird den Spediteuren endlich aus der Politik, und dann letztlich uns den Kraftfahrern dem letzten Glied in der Kette Rückendeckung gegeben? Ich denke 90 % machen ihren Job aus Überzeugung und Leidenschaft und lieben ihn. Wir sind das Rückrad dieser Gesellschaft ….aber 100 % der Kraftfahrer haben die Faxen wirklich dicke denn wir bekommen es nicht gedankt .

    1. Susanne Scherbaum

      Hallo Herr Drewke, Herr Diekmann trifft mit seinem Beitrag den Nerv der Zeit. Als wir vor zwei Jahren die erste Studie veröffentlicht haben, war das Interesse in der Öffentlichkeit verhalten. Seit der Ankündigung, dass wir zur IAA 2014 eine Fortsetzung der ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER machen werden, hat sich viel getan. Das Interesse an dem Thema ist gestiegen und wir sind mit vielen Spediteuren, Verbänden und Politikern im Gespräch. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse der zweiten Studie und die allgemeine Ressonanz. Am Samstag den 27. September und am Sonntag den 28. werden wir auf der IAA in Hannover auf dem ZF-Stand (samstags) und auf dem Dekra-Stand (sonntags) die neue ZF-Zkunftsstudie FERNFAHRER vorstellen und mit dem Publikum diskutieren. Kommen Sie doch einfach vorbei.

  2. Den Beitrag finde ich richtig gut und vor Allem gut argumentiert. So wird aus der Verdrehung von Tatsachen mal wieder die Wahrheit heraus geholt. SUPER 😉

  3. Endlich mal ein Artikel der ordentliche fakten bringt!!!
    Vielleicht sollte man noch erwähnen, daß ähnlich wie das Bildunssystem zu DDR-Zeiten auch der gütertransport mit der Bahn gut funktionierte, da wurdem die Güter nur die letzten km mit lkw transportiert und es klappte…
    Doch heutzutage fungieren Lkw ja als rollende & mobile zwischenlager…

  4. Ich wünsche mir einen Streik von 2 Wochen, alle LKW und Transporter abmelden und alle Fahrer zum Arbeitsamt. Dann würden mal alle wachgerüttelt und wir Fahrer würden wieder menschlich behandelt und nicht wie Sklaven.

    1. Susanne Scherbaum

      Hallo Herr Fricke, das wäre natürlich eine drastische Maßnahme, die ich so nicht befürworten kann. Vielleicht schaffen wir es das Image der Branche positiv zu verändern, so dass den Fahrern die angemessene Wertschätzung entgegen gebracht wird.

      1. Dazu müßten aber einige LKW-Fahrer wieder normal gekleidet sein und nicht mit verdreckten T-Shirts und Jogginghosen bei den Kunden vorfahren!

  5. Sehr geehrte Frau Scherbaum,

    darf man bei 2.0 etwas mehr wissenschaftlichen Tiefgang erwarten? Z.B. Analyse des Unfallgeschehens (öffentlicher vs. nichtöffentlicher Verkehrsraum), Gründe für die frühe Verrentung mit 60,78 Jahren, Qualitäten der verschiedenen Ausbildungsgänge, Kenntnisse und Fertigkeiten der Prüfer, fehlende Organisation auf Seiten AN und AG (im Vergleich zu NL oder DK) oder die deutsche Palettentausch-Idiotie. Ich meine, schon die BAUA-Studien 179, 278, 558, 576, 577, 741 und 1033 sollte man als Forscher kennen. In 1.0 steht davon aber nichts. Deswegen ist auch der Fragenkatalog von 2.0 reichlich am Thema entlang, aber nicht mittendrin. Ich werde mal am 27.9 auf der IAA mir die Sache anhören.

    @Jochen: Hast Du gut gemacht.

    1. Susanne Scherbaum

      Sehr geehrter Herr Braun,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider kann eine Studie nicht immer alle Aspekte abdecken. Alleine Ihre Anmerkungen zeigen, dass die Branche viel Stoff für weitere Studien bietet. Die ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER 2.0 knüpft an die erste Studie an und stellt den Beruf des Fernfahrers wieder in den Mittelpunkt. Die Studie wird diese Woche veröffentlicht und kann ab 04.September hier auf dem Blog kostenlos runtergeladen werden.

      Auf der IAA werden wir sowohl am 27. September auf dem ZF-Stand als auch am 28. September auf dem DEKRA / ETM Stand die Studie präsentieren und diskutieren. Zusätzlich findet am 30. September im Rahmen der VDA Fachveranstaltungen auf der IAA eine weitere Präsentation zur Studie statt http://www.iaa.de/programm/fachveranstaltungen/#/veranstaltung/gehen-europa-die-fahrer-aus-zukunftsszenarien-fr-d/36.

      Wir würden uns freuen, wenn Sie einen der Termine wahrnehmen könnten und Ihren Standpunkt direkt mit Prof. Dr. Lohre diskutieren.
      Wir sehen uns auf der IAA
      Susanne Scherbaum

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