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Cybersecurity in der vernetzten Fahrzeugwelt

Fotolia_53727911_XL.jpg--Amendo_optOb am heimischen Computer oder dem Rechner am Arbeitsplatz – Updates sind manchmal zwar lästig, doch auch notwendig, damit alles einwandfrei funktioniert. Auch die unzähligen Apps auf dem Smartphone fordern beinahe täglich ihre Update-Dosis. Alles ganz normal und letztlich sind wir auch froh, dass wir stets mit der aktuellsten Software ausgestattet sind. Ein Virus oder eine Spyware sind das Schreckensszenario eines jeden Anwenders. Doch wie ist es um die Sicherheit der vernetzen Fahrzeuge bestellt? Diesem Thema widmete sich das Advanced Driver Assistance (ATZ)-Symposium, das Mitte April zum ersten Mal in Frankfurt am Main stattfand. Die Konnektivität zwischen Fahrzeugen bedeutet gleichzeitig das Ende eines sicheren internen Netzwerks. Cybersecurity ist das, was die Branche im aufkeimenden Zeitalter der autonomen Fahrzeugmobilität umtreibt. IT-Experten streben unter anderem ganzheitliche Sicherheitskonzepte an, die sowohl die OEMs als auch Zulieferer und deren Zulieferer einbinden. Standards seien entscheidend. Entsprechendes gilt auch für die Software-Updates. Gerade die Verteilung dieser Updates biete laut Experten Einfallmöglichkeiten für Manipulationen. Wobei jede Schnittstelle wie WLAN, Bluetooth oder NFC ein solches Gefährdungspotenzial mit sich bringen würde.

Schreckensszenarien eines manipulierten Fahrzeugs erscheinen im Pkw-Bereich vielleicht noch als recht unwahrscheinlich. Doch im vergangenen Sommer demonstrierten Computerexperten, wie sich ein Fahrzeug aus der Ferne hacken lässt und legten über das Infotainmentsystem des Fahrzeugs dessen Motor lahm. Mit dieser Demonstration wollten die Computerexperten, die sich auf Hacker-Konferenzen wie Def Con treffen, die Fahrzeugindustrie wachrütteln und auf Sicherheitslücken hinweisen.

Ein solcher Aufwand könnte für Kriminelle nicht im Verhältnis zum Gewinn stehen. Anders sieht es aber im Bereich der Transportbranche aus. Da würde sich eine solche „Investition“ durchaus schnell lohnen. Geht es doch da nicht um das Fahrzeug selbst, sondern um die teure Fracht. Anstatt beim geplanten Hub oder Kunden anzukommen, könnte diese woanders hin umgeleitet werden. Solche Szenarien lassen sich ausweiten, wenn man an die Möglichkeiten der Platoons denkt. Nicht jedes einzelne Fahrzeug würde da das Ziel von Kriminellen sein, sondern „nur“ das Führungsfahrzeug.

Um solche Szenarien nicht Wirklichkeit werden zu lassen arbeiten die Experten an Sicherheitskonzepten. Als Beispiel für eine Standardisierung  wurde die bereits bestehende ISO NWIP für das Automotive Security Engineering aufgeführt. Ein Antrag der DIN für eine sichere Kommunikation sowie die Steuereinheiten laufe gerade. Auch ist es so, dass weder OEMs noch die Zulieferer bei der Entwicklung solcher Sicherheitsstandards von Null beginnen müssten. Ein sicheres Software-Management wie bei Smartphones und im Zahlungsverkehr der Banken existieren bereits und könnten durch entsprechende Anpassungen adaptiert werden.

Außerdem laufen zahlreiche Tests – nicht nur bei der Entwicklung von autonom und vernetzt fahrenden Fahrzeugen, wie das zum Beispiel auf der Zehn-Millionen-Dollar-Anlage des University of Michigan Mobility Transformation Centers, oder kurz Mcity, geschieht. Seit der Eröffnung der aufwändigen Anlage im Juli 2015, die wie eine Kulissenstadt mit unzähligen Verkehrsteilnehmern, Kreuzungen, Gassen und sogar unterschiedlichen Fahrbahnbelägen ausgestattet ist, testen zahlreiche Automobilhersteller, Zulieferer und Forschungsinstitute dort ihre neuesten Entwicklungen. Auch ZF, Partnerunternehmen und Gründungsmitglied des Betreiberkonsortiums, nutzt Mcity für die Systementwicklung. Außerdem dient Mcity auch der Analyse der Versicherungshaftung und der Klärung rechtlicher Aspekte. Allesamt Faktoren, die neben der Cybersicherheit, eine entscheidende Rolle für die Zukunft der autonomen Mobilität spielen werden.

Foto: fotolia/Tomasz Zajda

Autor
Jana Bronsch

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