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Autonome im Hamburger Hafen

Die Vorstellung, wie die Endstufe eines vollkommen autonomen Nutzfahrzeugs aussehen könnte, hat vielerlei Ausprägungen. Allen gemeinsam ist wohl, dass ein Fahrer nicht mehr an Bord sein muss. Die Lkw-Hersteller haben die Version des autonomen Güterverkehrs längst auf dem Schirm. Das Arbeitsfeld für die vollautonomen Lkw werden am Anfang gegenüber dem öffentlichen Verkehr abgeschlossene Räume sein. Dazu bieten sich Bergbauminen, Salzstöcke, Häfen und Produktionsstätten der Industrie an. Die Feldversuche dazu finden bislang meist hinter den Kulissen statt.

Eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion an den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg zum Thema „Unbemannte Van-Carrier im Hamburger Hafen“ vom 28. April wirft jetzt ein Schlaglicht auf die neueste Entwicklung. Aus der Antwort der Landesregierung geht hervor, dass die für das Hafenmanagement zuständige Hamburger Hafenbehörde (HPA) mit potenziellen Kooperationspartnern Gespräche über ein Projekt zum autonomen Fahren von Lkw im Hafen führt. Die Hamburger Medien berichten mittlerweile Details dazu. Der Verhandlungspartner ist demnach der VW Konzern. Auf der Hand liegt, dass die autonomen Lkw ein entsprechendes Markenlogo tragen werden. Dass Scania in den nächsten Wochen erstmals einen als Baustellenfahrzeug konzipierten autonomen Lkw vorstellen wird, deutet die Fähigkeit der Wolfsburger zu diesem Projekt an.

Wie es heißt, ist im Hamburger Hafen ein auf drei Jahre angelegter Feldversuch geplant. Das Projekt soll im Sommer starten und in mehreren Stufen stattfinden. Die erste Phase des Testbetriebs wird den Berichten zufolge auf einem abgeschlossenen Areal stattfinden. Derzeit sind die Verantwortlichen offenbar dabei, die geeigneten Strecken für die selbst fahrenden Lkw im Hafen festzulegen. Phase zwei könnte dann im regulären Hafenverkehr stattfinden. Denkbar wäre, dass die autonomen Lkw den Transport von Containern zwischen den Terminals und den Depots übernehmen.

Der Hamburger Hafen ist als zweitgrößter Containerhafen Europas für ein solches Projekt prädestiniert. Um den reibungslosen Umschlag zwischen den Hafenanlagen sicher zu stellen, ist innovative Logistik gefragt. In Projekten für intelligentes Hafenmanagement hat man bereits Erfahrungen mit Technologien wie Induktivschleifen, Video- und Bluetooth-Sensoren gesammelt. Wenn demnächst im Hafen autonome Lkw Transportaufgaben übernehmen, wäre das eine schöne Referenz für ein anderes Projekt: Hamburg will sich als Gastgeber für den ITS-Weltkongress für Intelligente Transportsysteme im Jahr 2021 bewerben.

Dass sich der VW Konzern jetzt dem Anschein nach im Hamburger Hafen engagiert, könnte ein kluger Schachzug sein. Die Unternehmensberatung Roland Berger hat in einer im April vorgelegten Studie zum Stand der Automatisierung bei Lkw festgestellt, dass es weder Hersteller noch Transportunternehmer sein werden, die dem autonomen Lkw den Weg frei machen. Die Studie hat dafür andere treibende Kräfte ausgemacht. Es werden letztlich neue Geschäftsmodelle und veränderte Kundenbedürfnisse sein, die mit ihren Nachfragen einen Markt für die Autonomen schaffen.

Das fahrerlose Transportfahrzeug ist übrigens mit einem ausgezeichneten Artikel in der Wikipedia präsent. Autonome Lkw kommen darin allerdings nicht vor. Vielleicht ist das gut so. Schließlich würde ein Update des Artikels den Lkw auf eine Stufe mit Flurförderzeugen stellen. Für die Freunde des Nutzfahrzeugs wäre das wohl keine schöne Vorstellung.

Text: Joachim Geiger
Bild: Matthias Rathmann

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