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Autonom auf der A8

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) und Daimler Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard haben Spaß auf der Jungfernfahrt im autonom fahrenden Mercedes-Benz Actros.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) und Daimler Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard haben Spaß auf der Jungfernfahrt im autonom fahrenden Mercedes-Benz Actros.

Am Freitag den 2. Oktober rollte erstmals ein autonom fahrender Lastzug im ganz normalen Verkehr einer deutschen Autobahn mit. Mercedes-Benz bekam dafür von der baden-württembergischen Landesregierung im wahrsten Sinne des Wortes „grünes Licht“ und Ministerpräsident Winfried Kretschmann nahm während der Jungfernfahrt sogar auf dem Beifahrersitz platz. Am Steuer saß Daimler Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard, der sich sichtlich über diesen Meilenstein freute.

Und die Freude war ansteckend: „Klasse war’s“, kommentierte Kretschmann seine Mitfahrt und er habe jederzeit ein sicheres Gefühl gehabt. Nur 20 Minuten dauerte die Runde zwischen dem Rasthof Denkendorf und dem Stuttgarter Flughafen, doch künftig will der Lkw-Hersteller noch viele weitere Erfahrungen mit der Technik sammeln. Eingebaut ist sie in einem serienmäßig vom Band gelaufenen Actros, der nun als Versuchsfahrzeug im öffentlichen Verkehr mitfahren darf. Die Landesregierung plant, in Baden-Württemberg ein technologieoffenes Testfeld zu schaffen, das außer der Autobahn auch Landstraßen und Stadtgebiete mit einschließt. Dafür müsse allerdings noch der Landtag zustimmen. Dies wäre ein erster Schritt, die Rahmenbedingungen für dies Technologie zu schaffen. Am Schluss sind dann noch Änderungen der Straßenverkehrsordnung und der Wiener Konvention erforderlich. Hier sieht Bernhard die Politik gefordert, die richtigen Weichen zu stellen.

Weitere wichtige Punkte, die es zu klären gilt, sind allerdings Haftungsfragen, falls doch einmal etwas schief geht. Momentan läge die Verantwortung noch beim Fahrer, weil er das Kommando über die Lenkung habe, sagte Bernhard dazu der Stuttgarter Zeitung.

Die intelligente Vernetzung der heute schon zur Verfügung stehenden Sensoren ermöglicht das selbständige Fahren von Lkw.

Die intelligente Vernetzung der heute schon zur Verfügung stehenden Sensoren ermöglicht das selbständige Fahren von Lkw.

Beim teilautonomen Fahren kann der Fahrer an geeigneten Streckenabschnitten der Autobahn dem Computer das Kommando übertragen, muss aber jederzeit bereit sein, in den Fahrbetrieb einzugreifen, falls etwa eine unübersichtliche Baustelle das System überfordern sollte. Der „Highway Pilot“, wie Daimler die Technik nennt, kommuniziert das auch rechtzeitig an den Fahrer. Das System soll laut Bernhard vor allem für mehr Sicherheit sorgen. So werde die Technik nie müde und ließe sich auch nicht ablenken. Zudem steige damit die Effizienz, da der Lkw mit all seinen Sensoren und dem GPS-Wissen zur Topografie jederzeit die richtige Entscheidung über das Tempo treffen kann. Auch der Job des Fahrers könne dadurch attraktiver werden.

Diese Chance hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Etwa was zukünftige Ausbaustufen an Freiraum ermöglichen, wie diese lenkfreie Zeit genutzt und rechtlich per Tachograf bewertet wird. Ohne Zweifel liegt hier viel Potenzial, den Beruf attraktiver zu gestalten. Auch hier ist die Politik gefordert, zusammen mit der Transportbranche klare Ziele zu den Möglichkeiten der Technik zu definieren.

Foto: Karl-Heinz Augustin
Grafik : Daimler

Autor
Andreas Techel

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