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Augenblick mal!

AutobahnKurz mal auf dem Smartphone die ein oder andere Kurznachricht lesen, gleich beantworten und danach die neueste Meldung aus dem Weltgeschehen checken – das geht doch auch am Lenkrad eines 40-Tonners, oder? Sofern Sie schon mit einem der beiden aktuell auf der Welt befindlichen autonom fahrenden Lkw unterwegs sind, sicher kein Problem.

Andernfalls gilt: Das Erwischtwerden, 60 Euro zahlen und einen Flensburger Punkt kassieren, ist noch das geringere Übel. Viel schlimmer ist das Risiko eines schweren Unfalls, das bei den genannten Tätigkeiten extrem ansteigt, wie die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in einer kürzlich durchgeführten Untersuchung ermittelte. In der Simulatorstudie wurde untersucht, inwieweit der Smartphonegebrauch sich auf das Fahrverhalten auswirkt. In zwei Versuchsreihen konnten Probanden zum einen selbst den Zeitpunkt bestimmen, wann sie zum Smartphone greifen, in einem anderen Versuchsaufbau konnten die Teilnehmer den Zeitpunkt der Bearbeitung fahrfremder Tätigkeiten nicht wählen.

Statistik1Das untersuchte Aufgabenspektrum umfasste das Lesen und Schreiben von SMS oder E-Mail, Eingeben einer Telefonnummer sowie Informationsabruf aus dem Internet. Einer Versuchsgruppe standen dazu Spracherkennung und Vorlesefunktion zur Verfügung. Die Studienteilnehmer schätzten die meisten fahrfremden Tätigkeiten als prinzipiell gefährlich ein.

Dementsprechend sind auch die Ergebnisse. In kritischen Verkehrssituationen machten Fahrer, die mit ihrem Smartphone beschäftigt waren, mehr Fahrfehler. Vor allem die Spur- und Abstandshaltung waren beeinträchtigt, da der Blick vom Straßengeschehen abgewandt war. Unerwartete Situationen, schwierige Straßenverhältnisse oder unübersichtliche, kurvenreiche Straßen sind durch diese Ablenkung noch schwieriger abzuschätzen, da sich die Anzahl der Blicke aufs Handydisplay auf bis zu 30 Sekunden summieren. Besonders bei komplexen Internetseiten mit viel Fließtext verschiebt sich die Konzentration von der Straße auf das Mobilfunkgerät. Auch das Schreiben von Textnachrichten erfordert viel Aufmerksamkeit, was im Ernstfall den nötigen Reaktions- und Bremsweg extrem verlängert.

Gerade bei monotoner gleichmäßiger Fahrt auf der Autobahn ist die Verlockung groß, doch ein unvorhergesehenes Ereignis, zum Beispiel der Fehler eines anderen, kann dann zur Katastrophe führen. Die Serie der Lkw-Auffahrunfälle in der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass hier dringender Handlungsbedarf herrscht. Doch bis zum flächendeckenden Einsatz autonom fahrender Lkw werden sicher noch gut 10 Jahre vergehen. Bis dahin sind Fahrerfortbildung und Appelle an die Vernunft das einzige Mittel gegen smarte Telefone in Lenkradnähe.

Bild: Matthias Rathmann
Grafik: BASt
Autor
Jana Bronsch

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