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Auf die Praxis kommt es an

Ab dem kommenden Monat, genauer ab dem 2. Mai, tritt die Richtlinie Weiterbildung 2016 zur „Förderung der Weiterbildung in Unternehmen des Güterkraftverkehrs mit schweren Nutzfahrzeugen“ in Kraft. Die wichtigsten Änderungen im Vergleich zu 2015 sind, dass schon Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen zuwendungsberechtigt sind.

Diese Senkung der Gewichtsgrenze geht mit der Mautpflicht für entsprechende Fahrzeuge einher. Das Förderprogramm ist Teil der sogenannten „Mautharmonisierungszusage“ und wird aus den Lkw-Mauteinnahmen finanziert. Eine weitere wichtige Änderung betrifft die Fördergruppe sowie die Höhe der Zuwendungen. Wie die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur und Koordinatorin der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik, Dorothee Bär, am vergangenen Donnerstag in einer Pressemitteilung verlautbaren ließ, steigt ab der neuen Förderperiode die Förderhöhe.

Demnach bekommen kleine Unternehmen 70 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten als nichtrückzahlbaren Zuschuss erstattet. Bei den mittleren Unternehmen sind es 60 Prozent und Großunternehmen erhalten 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Als kleines Unternehmen gelten Betriebe, die weniger als 50 Personen beschäftigen und deren Jahresumsatz beziehungsweise Jahresbilanz 10 Millionen Euro nicht übersteigt. Um in den Genuss der 60-Prozent-Förderung zu kommen, dürfen mittlere Unternehmen die Personalgrenze von 250 Beschäftigten und einen Jahresumsatz von höchsten 50 Millionen (Jahresbilanz von höchstens 43 Millionen) nicht überschreiten. „Damit ist das Gros, also etwa 90 Prozent der deutschen Frachtführer abgedeckt“, meint Fachjournalist und Branchenkenner Jan Bergrath. Er begrüßt die neue Förderrichtlinie zur Weiterbildung auch deshalb, weil nun auch praxisorientiere Weiter- und Ausbildungsmaßnahmen förderfähig werden. Nach Dorothee Bär sei die Förderung damit stärker an die Lebenswirklichkeit der Fahrerinnen und Fahrer angepasst.

In der Tat kommen nun auch so wichtige praktische Fortbildungsmaßnahmen wie Ladungssicherung, Fahrsicherheit, Schadensprävention und auch Fahrertrainings zum kraftstoffsparenden Fahren zum Zuge. Betrifft also alle Themenbereiche, die in der täglichen Fahrerpraxis Anwendung finden und somit nicht nur theoretisch relevant sind. „Es ist ein großer Unterschied, ob man etwas nur theoretisch erlernt, oder praktisch umsetzt. Die bisherigen Kurse sind reine Theorie, die in 7 Zeitstunden abgesessen wird, ohne dass eine Prüfung in Anschluss erfolgt“, sagt Bergrath und fügt hinzu: „Eigentlich müssten alle Fahrer mittlerweile auf dem gleichen Ausbildungstand sein, was beispielsweise die Ladungssicherung angeht, sind sie aber nicht.

Umso bedeutender ist jetzt, dass auch praktische Fortbildung gefördert wird.“ Oft würde unter Kollegen Halbwissen zu dem einen oder anderen Thema verbreitet werden, was gravierende Folgen haben könne. „Mit der neue Richtlinie ist nun ein wichtiger Anreiz geschaffen worden, den praktischen Anteil bei der Aus- und Fortbildung zu erhöhen beziehungsweise überhaupt einzuführen“, sagt Bergrath. Vor allem bei der Ausbildung sei es wichtig, dass die Fahrer praktisch geschult werden. Denn die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Bereich Berufskraftfahrer ist nach wie vor rückgängig.

Wie aber auch schon in der ZF Zukunftsstudie FERNFAHRER 2.0 festgestellt, sind es gerade die kleinen und mittleren Betriebe, die zumeist ausbilden. Deshalb setzte die Förderrichtlinie, die bis zum 31.12.2020 gilt, laut Bergrath an der richtigen Stelle an, um der Problematik des Nachwuchsmangels bei den Berufskraftfahrern entgegenzusteuern.

Autor
Jana Bronsch

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