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App-Hilfe für Englandfahrer

Buddy AppLkw-Fahrer gehen auf dem Weg nach England ein großes Risiko ein. Wird bei ihnen an Bord ein blinder Passagier gefunden, müssen sie mit drastischen Strafen rechnen. Eine App will jetzt Abhilfe schaffen.

Bislang füllen Fahrer vor Beginn der Fahrt ein Formular aus, auf dem sie ihre Sicherheitschecks festhalten. Dieser wackelige Beweis wird durch die „Driver Buddy App“ auf eine andere Grundlage gestellt, denn mit dem Smartphone kann die Ist-Situation dokumentiert werden. Der Fahrer geht wie üblich ums Auto und macht dabei Fotos. Die werden dann zusammen mit den Fahrer- und Fahrzeugdaten sowie Ort und Zeit gespeichert und auf sichere Server übertragen. Der „Buddy“ soll für den Fahrer ein „Kumpel“ sein.

Entwickelt hat das System Barry Southon, ein Sicherheitsexperte, der nach eigenen Angaben für das britische Innenministerium und das US-Militär gearbeitet hat. Southon fand die Situation der Fahrer unhaltbar, denn sie trügen die Beweislast und würden größtenteils zu Unrecht zur Kasse gebeten. „Jetzt gibt es den Nachweis, dass die Sicherheitschecks zu Beginn der Fahrt gemacht wurden“, betont er. Zuvor hat er zahlreiche Gespräche mit der Transportbranche und Rechtsexperten geführt, auch zur British Border Force, dem Grenzschutz, habe er einen guten Draht.

Derzeit nutzen nach Angaben des Anbieters knapp 200 Fahrer die App. Sie kann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen und getestet werden. Wird sie regelmäßig eingesetzt, wird dafür eine Gebühr von etwa 5,50 Euro pro Woche fällig. „Das ist sehr moderat, wenn man bedenkt, dass die Strafe über 2.700 Euro beträgt“, sagt Southon. Die bloße Tatsache, dass man mit dem System arbeite zeige den Strafverfolgungsbehörden bereits, dass man alles versuche, um illegale Einwanderung zu verhindern.

Southon hat zwei Jahre lang an der App gearbeitet und gleichzeitig auch ein Kamerasystem entwickelt, mit dem das Fahrzeug überwacht werden kann. Diesen „Driver Buddy“ gibt es in zwei Versionen, einmal mit vier Kameras (Driver Buddy 4) und einmal mit acht Kameras und zusätzlichem CO2-Sensor (Driver Buddy 4+). Damit lässt sich ein gewaltsames Eindringen zwar nicht verhindern, aber der Fahrer hat über einen kleinen Monitor auf dem Armaturenbrett seinen Lkw immer im Blick. Bricht jemand ein, wird er in Echtzeit gewarnt und kann sofort die Grenzschützer alarmieren, die dann das das weitere Vorgehen übernehmen.

Der Driver Buddy kann innerhalb von zwei Stunden von einem Fahrzeugelektriker installiert werden, sagt Southon. Dabei hänge die Positionierung der Kameras vom jeweiligen Auflieger ab. Für gewöhnlich würden drei Kameras im Trailer und eine wasserfeste unterhalb des Lkw angebracht, wo sie zur Überwachung der Achsen diene. Militäreinsätze in schwierigem Gelände hätten ihn gelehrt, dass das Material robust sein muss, betont der Brite.

Text: Regina Weinrich

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