Die Stadt ist der Ort, an dem die analogen Auswirkungen des digitalen Handel(n)s stattfinden.
Kerstin Groß, Leiterin Geschäftsbereich, Industrie, Energie, Verkehr, Umwelt, IHK Mittleres Ruhrgebiet

Die letzte Meile befindet sich weder im luftleeren Raum noch auf dem Reißbrett des Logistikplaners, sondern in physisch mitunter sehr heterogenen Umgebungen, in denen sich die Zielpunkte der Belieferung, die Adressaten und Warenempfänger, befinden. Wird zwischen privaten und gewerblichen Empfängern unterschieden, ist deutlich zu erkennen, dass selbst in vermeintlich vergleichsweise homogenen Gegenden die Bedingungen einer Anlieferung deutlich unterschiedlich sein können. So kann in der Regel eine Großzahl gewerblicher Empfänger in außerstädtischen Gewerbegebieten erreicht werden. Der Einzelhandel setzt mit seinen Ladengeschäften jedoch auf räumliche Kundennähe und ist in schwerer zu erreichenden Innenstadtlagen vertreten. Ebenso ist Privatempfänger nicht gleich Privatempfänger: Frei stehende Einfamilienhäuser in ländlichen Gegenden bieten einem Zustellfahrzeug hinreichend Park- und Rangiermöglichkeiten, sodass hier selbst Anlieferung von Stückgut vergleichsweise reibungslos funktionieren kann. Raumknappheit in bevorzugten Wohngegenden von Metropolregionen macht die Zustellung wegen eingeschränkter Rangiermöglichkeiten bereits in der Anfahrtsphase ineffizient.

Elektromobilität ist die Grundlage für Nachtbelieferungen.
Birgit Heitzer, Leiterin Logistik Konzern, REWE Group

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© Kara / Fotolia

Weiterhin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen privaten und gewerblichen Empfängern in ihrer zeitlichen Erreichbarkeit: Im Vergleich zu Privathaushalten haben Unternehmen feste Öffnungszeiten und verfügen über Personal zur Warenannahme.

Wir wollen alle eine bunte, lebenswerte Stadt. Logistik sorgt für ein breites Warenangebot und somit für attraktive Innenstädte.
Rainer Kiehl, Project Manager, City Logistik United Parcel Service Deutschland

Dementsprechend geht diese Studie davon aus, dass die Umgebung der letzten Meile Spielregeln und Gestaltungsfreiraume definiert, die Logistiker auf dem Weg zum Empfänger einhalten müssen beziehungsweise nutzen können.

Die Stadt mit all ihren Filialen des lokalen Handels ist ein riesiges Warenlager für eine schnelle und effiziente Lieferung – bloß haben viele Händler dies noch nicht erkannt.
Niels Fischer, Geschäftsführer, Liefery

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Besondere Faktoren sind hier mit der geografischen Umgebung selbst verknüpft:

  • Infrastruktur,
  • Verkehrsdichten,
  • aber ebenso Lieferzeitfenster oder
  • durch Umweltzonen beschränkte Einfahrten.

Auch die Verfügbarkeit geeigneter Fachkräfte ist für Logistiker eine wesentliche Spielregel: Nur mit qualifiziertem Personal kann überhaupt Warentransport und -übergabe auf der letzten Meile abgewickelt werden.

Eine der größten Herausforderungen und Notwendigkeiten der nächsten Jahre besteht im Wandel zu einer nachhaltigeren Metropol-Logistik. Nachhaltig heißt sauberer und leiser! Zur Erreichung dieses Ziels gibt es kein Patentrezept – es helfen aber innovative Ideen. Es zeichnet sich bereits heute ab, dass diese in den Unternehmen der Branche in hoher Anzahl vorhanden sind!
Frank Horch, Senator Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg

In diesem Kapitel werden gezielt Schlaglichter auf die folgenden Trends geworfen, die das „Spielfeld“ der letzten Meile im Sinne der Handlungsfreiheit und Gestaltungsoptionen der Logistiker bestimmen:

  • Wandel und Renaissance der Innenstadt,
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  • Verfügbarkeit von Fachkräften,
  • Regelungen zur Luftreinhaltung,
  • die Leise Logistik,
  • Anforderungen an eine sichere Lieferkette der letzten Meile.

Die genannten Aspekte werfen bereits heute Schatten zukünftiger Entwicklungen voraus. Sie werden daher zunächst charakterisiert und schließlich mit den Kundenanforderungen zu einem Gesamtbild von Wünschen und Zielen sowie den Möglichkeiten und Grenzen auf der letzten Meile verschnitten. Auf die daraus entstehenden Herausforderungen müssen Logistiker der letzten Meile Antworten finden. Ob bestimmte Innovationen Lösungen auf diese Herausforderungen liefern und was dies konkret für die Stakeholder der letzten Meile bedeutet, wird im nächsten Schritt analysiert.

Das komplette zweite Kapitel können Sie im pdf weiterlesen.

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