Logistik ist für sich kein Selbstzweck, sondern dient dazu, die Bereitstellung von Gütern und Informationen zu ermöglichen. Letztendlich gibt der Endkunde einer Ware indirekt vor, wie Logistikketten, die ihn beliefern, gestaltet sein können. Der Endkunde, sei es ein Unternehmen oder eine Privatperson, ist also immer Zweck und Zielpunkt der letzten Meile. Aus diesem Grund nimmt die ZF-Zukunftsstudie hier ihren Ausgang, nämlich bei den Anforderungen und Bedürfnissen des Endkunden.

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„Den Endkunden“ gibt es natürlich nicht. Die ZF-Zukunftsstudie nimmt daher stets verschiedene Perspektiven ein, um so die Standpunkte, Erwartungen und Eigenschaften möglicher Endkunden abbilden zu können. Um es klar zu sagen: Ein Endkunde ist im Sinne dieser Studie nicht immer der im Onlinehandel bestellende Haushalt, sondern ebenso der Händler oder Handwerker, der mit palettierter Handelsware oder eiligen Ersatzteilen beschickt wird. Zu den wesentlichen Merkmalen, die eine bestimmte Gruppe von Endkunden beschreiben, zählen beispielsweise Alter und berufliche Situation bei Privatpersonen oder Wirtschaftszweig und Betriebsgröße bei Unternehmen.

Wer die Zukunft der Logistik in den Blick nehmen will, ist auf der ‚letzten Meile‘ richtig: Kaum irgendwo sonst verdichten sich so viele Zukunftsentwicklungen und mögliche Konzepte der Logistik.
Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen, Institutsleiter, Fraunhofer IML

Obwohl in der Realität jedes Unternehmen und jede Privatperson individuelle Ansprüche und Erwartungen an die Logistik der letzten Meile haben, gibt es eine Reihe gesellschaftlicher Trends, denen sich gegenwärtig und mit Blick auf die nahe Zukunft niemand entziehen kann. Dazu zählen im Wesentlichen:

  • der demographische Wandel, also Verschiebungen der Alterspyramide, die jedoch regional, speziell in Metropolregionen, teils in völlig verschiedenen Bahnen verlaufen,
  • die Veränderung der Art und Weise, wie Lebensmittel den Weg zum Endverbraucher finden, nämlich zunehmend durch Vorkonfektionierung und flexible Zustellung oder Abholung,
  • die Beschleunigung der Endkundenbelieferung, die sich beispielsweise in Angeboten wie der taggleichen Zustellung („Same Day Delivery“) ausdrückt und schließlich
  • der Trend der Ökologie, der sich einerseits in einem zunehmend durch Umweltbewusstsein geprägten Konsum äußert, aber auch im Bestreben von Handel und Gewerbe, als verantwortungsvolle Mitglieder der Gesellschaft Belastungen der Umwelt und der Gesundheit der Bürger zu reduzieren.

Die Zustellung von Paketen muss sich dem Tagesrhythmus der Kunden anpassen, nicht umgekehrt.
Niels Fischer, Geschäftsführer, Liefery

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Da diese Trends gesamtgesellschaftlich relevant sind, wirken sie heute und in naher Zukunft auf die Anforderungen an die Logistik der letzten Meile. Ausgehend von diesen Trends wird daher zunächst ein generisches Bild der gesellschaftlichen Erwartungen an die letzte Meile gezeichnet. Demgegenüber werden Ansprüche spezifischer Endkunden, wie beispielsweise kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe oder Singlehaushalte, erst dann besprochen, wenn es darum geht, Geschäftsmodelle und Technologien der letzten Meile veränderten Kundenansprüchen gegenüberzustellen.

Der erste Trend, der in naher Zukunft maßgeblich die Gesellschaft und damit die von ihr geäußerten Anforderungen an die letzte Meile beeinflusst, ist der demografische Wandel.

Bis 2020 ist ein Marktpotenzial der Same Day Delivery von 15-20 % der B2C-Pakete durchaus realistisch.
Dr. Karl Pfaff, Director Sales Development, General Logistics Systems Germany GmbH & Co. OHG

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Wir gehen davon aus, dass die B2C Volumina schneller wachsen als die B2B Volumina. Dadurch verändert sich nicht nur der Empfängerkreis, sondern auch die Destinationen. Da verstärkt in die Innenstädte gefahren werden muss, wird die Zustellung auf der letzten Meile erschwert... Vorstellbar ist, in Zukunft getrennte Zustellungen für B2C und B2B aufzusetzen.
Dr. Joachim Goller, Vice President Strategy Overland, Kühne + Nagel

Das komplette erste Kapitel können Sie im pdf weiterlesen.

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