Transportleistung und Fahrpersonal

Die Verkehrsprognosen gehen davon aus, dass für den Zeitraum bis 2030 die Transportleistung weiter steigen wird, jedoch langsamer, als noch vor der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 / 2008 angenommen. Die deutschen und westeuropäischen Frachtführer verlieren dabei weiter deutlich Marktanteile an osteuropäische Anbieter. Hinzu kommt, dass in den kommenden zehn Jahren etwa 40 % der Berufskraftfahrer in den Ruhestand gehen werden und bei Weitem nicht in ausreichendem Maße Nachwuchs für die Ausscheidenden in Sicht ist; es droht ein Fahrermangel. Wie bereits in der ersten ZF-Zukunftsstudie FERNFAHRER festgestellt, ist ein wesentlicher Grund für den ausbleibenden Nachwuchs in dem schlechten Berufsimage zu sehen. Zukünftig wird es deshalb umso wichtiger sein, die Attraktivität des Berufsbildes zu erhöhen und zielgruppengerechte Akquisitionskonzepte zur Nachwuchs- und Berufskraftfahrergewinnung zu entwickeln. Die Schere zwischen Leistungsfähigkeit und Image der Branche geht nach wie vor weit auseinander.

Herausforderungen für die Transportbranche

Die zunehmende Verschlechterung des Straßenzustands und die andauernde Unterfinanzierung der Verkehrsinfrastruktur stellen den Transportsektor weiterhin vor große Herausforderungen. Fehlende Lkw-Parkplätze entlang der Autobahnen stellen beispielhaft diese Problematik und eine der Ursachen für die erschwerte Einhaltung der Sozialgesetze dar. Grundsätzlich kann festgestellt werden: Je weiter die Distanzen und je länger die Fahrer nicht zu Hause sind, desto schwieriger wird sich die Fahrpersonalrekrutierung zukünftig darstellen. Die 30 für die vorliegende Studie befragten Experten sind sich deshalb unter anderem darin einig, dass die Nutzung der Fahrpersonalressourcen zukünftig effizienter gestaltet und alle Akteure, einschließlich der Auftraggeber, sich neu justieren müssen. Der zu beobachtende Wertewandel in der Gesellschaft ist ein weiterer Faktor, der das Berufsbild in Zukunft verändern wird. Weiterhin wird der demografische Wandel Auswirkungen auf die Einsatzbereiche und das in Deutschland beschäftigte Fahrpersonal haben. Das Durchschnittsalter der Fahrer ist seit der letzten Studie in 2012 von knapp 46 auf 47 Jahre gestiegen und zeigt damit die demografische Herausforderung nochmals unmittelbar.

Berufsbild „Kraftfahrer“ aus Sicht der Fahrer und Auszubildenden

Insgesamt sind rund 85 % der Befragten mit ihrem Beruf zufrieden. Doch mit zunehmender Beschäftigungsdauer im derzeitigen Unternehmen, zunehmender Berufserfahrung und zunehmendem Entfernungsbereich sinkt die Zufriedenheit maßgeblich. Neue Arbeitsmodelle und Einsatzkonzepte sind schwer umsetzbar, da der „eigene“ Lkw traditionell für viele Fahrer wichtig ist. Die Bereitschaft, auf mehreren Lkw zu fahren, ist stark vom Entfernungsbereich abhängig. Im Nahbereich sind Fahrer sehr viel eher bereit, auf verschiedenen Fahrzeugen zu fahren, während diese Bereitschaft besonders im internationalen Fernverkehr deutlich abnimmt. Bei den Gründen für das schlechte Image ihres Berufes dominieren aus Sicht der Auszubildenden hauptsächlich soziale Aspekte. Besonders hervorgehoben werden von den Auszubildenden die familienunfreundlichen Arbeitszeiten sowie unregelmäßige Freizeitgestaltungsmöglichkeiten mit Freunden.

Herausarbeitung der Fahrertypen

Auf Basis der Experteninterviews wurden verschiedene Fahrertypen identifiziert. Diese dienen als Grundlage, um Motivation und Interessensschwerpunkte von Fahrern für zukünftige Entwicklungen besser beschreiben zu können. In der Fahrerbefragung zeigten sich die Fahrertypen ebenfalls und ließen sich mit weiteren Merkmalen belegen. Ausgehend davon konnten Rückschlüsse auf die Fahrertypen der Zukunft mit den jeweiligen Werten und Leistungsanreizen gezogen werden. Die Herausforderung für den Arbeitgeber der Zukunft wird darin liegen, die Anforderungen mit dem Einsatzprofil und dem Arbeitsplatzangebot abzustimmen. Das Akquisitionskonzept zur Nachwuchs- und Berufskraftfahrergewinnung muss sich an den zukünftig dominierenden Fahrertypen orientieren. Gleichzeitig werden sich Branche und Berufsbild verändern. Einflussfaktoren hierauf werden unter anderem die stärkere Industrialisierung im Transportbereich, der allgemeine Wettbewerb um Arbeitskräfte sowie die in- und ausländische Konkurrenz auf dem Transportmarkt sein.