„Logistiker schaffen 50.000 Jobs“, heißt es im HANDELSBLATT in einem Artikel vom 18. April 2012¹. Die Zahl bezieht sich dabei auf die Ergebnisse der BVL-Studie „Arbeitgeber Logistik“². Sie bilanziert aus den Ergebnissen einer Befragung von 207 Mitgliedsunternehmen der Bundesvereinigung Logistik

  • eine überdurchschnittliche Wachstumserwartung für den Wirtschaftsbereich Logistik,
  • überdurchschnittliche Gehaltszuwächse für die Beschäftigten für einen längeren Zeitraum,
  • ein wachsendes Weiterbildungsvolumen und damit steigende Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten der Belegschaften,
  • eine Konsolidierung der Erwerbskontinuität in der Branche durch lange Verbleibzeiten in den Unternehmen („positive Betriebsbindung“) und
  • insgesamt positive Erwerbsaussichten in der breiten Beschäftigungspalette.

Allerdings, so liest man weiter, wird diese sehr euphorische Einschätzung deutlich getrübt, denn: „Die Branche hat […] Probleme, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen“³. Dies betrifft in besonderer Weise den Bereich der Berufskraftfahrer. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren ca. 250.000 Fahrer in den Ruhestand gehen. Zwar wurden im Ausbildungsjahr 2010/2011 nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung mehr als 3.000 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen und damit gegenüber dem Vorjahresstichtag eine Steigerung von 32,3 % erreicht. Bei den Dimensionen der zukünftig aus dem Beruf Ausscheidenden reicht dieser Nachwuchs aber bei weitem nicht aus. Auch hat das Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz (BKrFQG), dem in seiner Wirkung auch eine Imageverbesserung und Aufwertung des Fahrerberufs zugeschrieben wird, bislang noch nicht zu wesentlichen positiven Auswirkungen auf das Arbeitskräfteangebot geführt. Eine Lösung des Nachwuchsproblems ist aktuell nicht in Sicht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie in ihrer Komplexität und ihren Wirkzusammenhängen zu analysieren und zu untersuchen ist das wesentliche Erkenntnisziel dieser Studie.

Im Mittelpunkt der Studie steht das Fahrpersonal. Damit verbunden sind Fragen, die sich damit beschäftigen, wie der Beruf gesehen wird, welches Image er hat, welche Erwartungen an ein entsprechendes Beschäftigungsverhältnis geknüpft werden und welche positiven Signale besonders diejenigen erwarten, die sich jüngst für den Kraftfahrerberuf entschieden haben.

Diese Fragestellungen können allerdings nur konkret eingeordnet und bewertet werden, wenn man die zukünftige Rolle des Straßengüterverkehrs und die dort zu meisternden Herausforderungen insgesamt berücksichtigt. Dies umfasst eine qualitative und eine quantitative Komponente. Aus qualitativer Perspektive geht es darum, welchen Entwicklungen und Anforderungen sich die Straßentransportbranche zukünftig stellen muss und welche übergeordneten Rahmenbedingungen gelten werden. Dies wirkt sich zwangsläufig auch auf die Qualifikation des Fahrpersonals aus. Aus quantitativer Perspektive wird vor allem die mengenmäßige Entwicklung der Verkehrsnachfrage wesentlich dafür sein, ob in der Zukunft eher mehr oder weniger Fahrpersonal benötigt wird.

1vgl. Schlautmann (2012)

2vgl. BVL (2012)

3Schlautmann (2012)