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ZF-Lounge zur Zukunftsstudie in Friedrichshafen – Fachleute nehmen eigene Branche kritisch unter die Lupe

ZF-Lounge zur Zukunftsstudie in Friedrichshafen

ZF-Speditionslounge: Spediteure und Personalleiter im Austausch mit Dr. Dirk Lohre.

Das Anfang September 2013 präsentierte Konzept zur Fortsetzung der „ZF-Zukunftsstudie Fernfahrer“ und die darin unter anderem behandelte Problematik des Fahrermangels diskutierten zahlreiche Branchenvertreter Anfang Dezember 2013 in Friedrichshafen. Für die Studie sollen neben Fahrern auch ausgewählte Experten und Interessenvertreter zu ihrer Einschätzung zur zukünftigen Entwicklung des Berufs Lkw-Fahrer mittels einem standardisierten Fragebogen befragt werden. Bei der ZF-Speditionslounge, die regelmäßig als Plattform für den Branchenaustausch dient, galt es für den Studienleiter Prof. Dr. Dirk Lohre von der Hochschule Heilbronn, die Tendenzen und die Stimmung unter den Spediteuren und Personalleitern vorab zu beleuchten.

Als eine der wichtigsten Ursachen für den Fahrernachwuchsmangel nannte der Logistikleiter eines großen Handelsunternehmens die mangelnde Bereitschaft großer Speditionen, genügend Fahrpersonal auszubilden. Dagegen argumentierte Berthold Barth, Geschäftsführer Spedition Barth, dass Schulabgänger mit einem Notendurchschnitt von zwei und besser nicht bereit seien, diese Ausbildung zu ergreifen und stattdessen auf eine weiterführende Schule gehen wollten. „Von Seite der Beratenden, die Einfluss auf die 14- bis 16-Jährigen haben, etwa der Agentur für Arbeit, müssen intensivere Impulse gesetzt werden, damit das Berufsbild Kraftfahrer umfänglicher beraten wird.“

Rolf Hamprecht, Geschäftsführer der Spedition Hamprecht, ist der Überzeugung, dass bis 2020 im nationalen Verkehr zukünftig nur Strecken von etwa 300 bis 500 Kilometern von deutschen Fahrern gefahren werden, der Rest sowie der internationale Verkehr von Europäern aus den Nachbarländern. Seine Ansicht teilte Gerd-Jürgen Britsch, Geschäftsführer Paul v. Maur: „Die jungen Fahrer wollen diese Fernfahrer-Romantik gar nicht. Sie wollen nach acht bis zehn Stunden daheim sein.“ Hinzu käme aber ein viel gravierenderes Problem: die viel zu gering angesetzten Frachtpreise.

Gerd-Jürgen Britsch, Geschäftsführer Paul v. Maur

Gerd-Jürgen Britsch, Geschäftsführer Paul v. Maur

„Wenn das deutsche Transportgewerbe so ungeschickt ist, die Preise so anzusetzen, dass sie oftmals nicht einmal kostendeckend sind und die Industrie die Transportkosten immer nur drückt, dann machen wir uns unsere Branche kaputt“, sagte Britsch. Wolfgang Thoma, Geschäftsführer Spedition Ansorge, stimmte zu: „Der Markt wird knapp, aber der Preis steigt nicht. Ich wage zu behaupten, dass es die eigene Branche ist, die das verhindert.“ Seiner Meinung nach müsse auch die Konkurrenz zwischen Straße und Schiene aufgehoben werden. „Die 70-prozentige Steigerung der Güterverkehrsleistung bis ins Jahr 2025 werden wir mit den aktuellen Transport-Tools nicht mehr bewältigen können“, so Thoma.

Autor
Jana Bronsch

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